Der Wunsch nach Frieden

Friedensfahrt Berlin – Moskau vom 7. Bis 21. August 2016

Die Idee von Konfliktforscher Dr. Rainer Rothfuß und Friedensaktivist und Musiker Owe Schattauer.
Russland ist kein Vasall der USA. Das unterscheidet Moskau von Berlin. Wie wäre es, wenn wir unsere Nachbarn im Osten Europas mal besuchen würden? Wie wäre eine Friedensfahrt von Berlin nach Moskau? Das dachten sich Konfliktforscher Dr. Rainer Rothfuß und Friedensaktivist und Musiker Owe Schattauer.

„Moskau, Moskau, wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, ha ha ha ha ha hey!“

Dieser Schlager kommt bis heute aus Deutschen Radios, und der ein oder andere kann sich noch erinnern, als die dazugehörige Band „Dschingis Khan“ in selbstgestalteten Kostümen bei der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck auftrat.

Das ist lange her. Trotzdem wollen vor allem die Deutschen sich von der anti-russischen Propaganda nicht einlullen lassen. Deutsche müssen das Töten wieder lernen, lautete schon vor Jahren ein Spiegel-Titel, doch die Deutschen wollen nicht lernen, was die, die sie jetzt dazu auffordern, ihnen als Siegermächte jahrzehntelang vorgeworfen haben.

Die anti-russische Propaganda hat einen „Regime-Change“ in Russland zum Ziel. Der Ukraine-Konflikt war Teil dieses Ziels, genau wie man Syrien in diesem geopolitischen Schachspiel einordnen muss. Russland hat sich vom Zusammenbruch der UdSSR schneller erholt, als das den Militärstrategen in den USA recht wäre. Russland unter Putin ist nicht bereit, sich nach den Regeln westlicher Konzerne schlachten, ausnehmen und verschachern zu lassen. Russland ist kein Vasall der USA. Das unterscheidet Moskau von Berlin.

Politik, Russland, Krieg, Frieden, Deutschland

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https://kenfm.de/rothfuss-schattauer-friedensfahrt-moskau/

Befreiung der syrischen Stadt Palmyra, einem UNESCO-Weltkulturerbe

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D.
8.5.16
Palmyra, das im Mai 2015 in die Hände der IS fiel, wurde Ende März dieses Jahres von der syrischen Armee und pro-Damaskus-Milizen befreit, die russische Kampfflugzeuge aus der Luft unterstützten. Die Befreiung verdiente aber keine Nachricht, auch keinen würdigen Kommentar bei deutschen Medien.

Umso schockierender und vollkommen unvereinbar mit journalistischen humanistischen Mindeststandards ging das ARD/ZDF-Mittagsmagazin am 6.5. um 13 Uhr vor, als es in unglaublich niederträchtiger Weise das Musizieren des russischen Orchesters in Palmyra zu Ehren der Befreiung der kulturellen Stadt als „geschmacklos“ bezeichnete. Darüber hinaus wurde die um mindestens einen Monat verspätete Nachricht über die Befreiung in Verbindung mit dem Massaker des US-gestützten Terrors gegen ein Flüchtlingslager gebracht und die syrische Regierung dafür haltlos beschuldigt. Diese extrem gehässige propagandistische Verzerrung im Mittagsmagazin vom 6.5. kommt ausgerechnet am selben Tag der Verleihung des Karlspreis an Papst Franziskus, der als höchste moralische Instanz fast gleichzeitig eine mahnende Rede über dieses verkommene Europa hielt. Welche Schande für das Bayrische Fernsehen, das ausgerechnet auf diese beschämende Weise die Ermahnung des Papstes offenkundig belegt!  

Beängstigende Erosion des kulturellen und moralischen Fundaments

Was für Leute sind da in deutschen Redaktionen tätig, die sich so niederträchtig und dumm von US-amerikanischen und britischen Stellen benutzen lassen? Welcher deutscher Medien-Intendant wagt es, so etwas einfach folgenlos durchgehen zu lassen? Wo bleiben die gesellschaftlichen Führungsinstanzen, um gegen solche widerliche antirussische Propaganda vorzugehen? Welche europäischen Werte repräsentieren diese Leute? Das Urteil vom Aachener Oberbürgemeister Marcel Philipp in Rom am 6.5. während der Karlspreisverleihungsfeier trifft diesbezüglich völlig zu: „Die Erosion des kulturellen und moralischen Fundaments in Europa ist beängstigend.“

Krieg, Syrien, Kultur, UNESCO

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«Du sollst nicht töten – Mein Traum vom Frieden»

eine Buchbesprechung
von Dr. phil. Henriette Hanke Güttinger

Todenhoefer

Jürgen Todenhöfer

Todenhoefer Buch

Jürgen Todenhöfer. Du sollst nicht töten. Mein Traum vom Frieden. München 2015.
ISBN 978-3-442-74866-2

Auf Jürgen Todenhöfer wurde ich aufmerksam anhand seines Berichtes aus dem letzten Krieg gegen Gaza. Er schrieb über die Folgen der Bombardierungen für Kinder, Frauen und Männer, eine Schilderung, wie man sie nur in wenigen Medien findet.

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Quelle: Zeit-Fragen
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2178

Kriegsende 1945 – die «Schweizer Spende» hilft, wo es geht

Auszüge aus einem der Wahrheit verpflichteten Geschichtsbuch für Berner Sekundarschüler von 1954
von Dr. phil. Peter Küpfer
Am 8.Mai 1945 kapitulierte Deutschland. Wir wissen nicht, wo überall in der Welt aus diesem Anlass die Kirchenglocken erklangen. Wir wissen jedoch, dass an diesem denkwürdigen Tag die Glocken von allen Schweizer Kirchtürmen herunter läuteten.

Dies ist durch getreue Geschichtsschreiber zur Erinnerung an die Nachwelt in ihren Werken festgehalten. So etwa nachzulesen in der Darstellung des Schweizer Historikers Arnold Jaggi in seinem Buch «Von der Gründung der Eidgenossenschaft bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges».

Es handelt sich um eine einbändige Überarbeitung der umfassenden «Welt- und Schweizergeschichte» des Autors, die der Berner Historiker 1954 als Geschichtsbuch für die bernischen Sekundarschulen herausgab. Damals mutete man den Schweizer Schülern der Sekundarstufe noch umfassendes historisches Wissen über ihr Land und die Welt zu.

Der Verfasser schreibt dazu in seinem Vorwort: «Wie der einzelne Mensch in den entscheidenden Stunden seines Lebens so muss sich auch ein ganzes Volk von Zeit zu Zeit fragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin soll ich gehen und was habe ich zu tun? […] Je mehr es einzelne verstehen, [die Geschichte] zu Rate zu ziehen, desto besser ist das betreffende Volk den Erprobungsstunden gewachsen.» Er schliesst sein Vorwort mit dem Satz, den sich gewisse Schweizer Historiker der ganz jungen Generation, die solche Erprobungsstunden für ihr Land nur vom Hörensagen kennen, hinter die Ohren schreiben sollten: «Die unvoreingenommene Beschäftigung mit der Geschichte, so hoffen wir, vermag etwas zur Schärfung des Sinnes für Wahrheit und verborgene innere Zusammenhänge beizutragen.»

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Quelle: Arnold Jaggi. Von der Gründung der Eidgenossenschaft bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Aus Welt- und Schweizergeschichte. Ein Volksbuch. Bern, Verlag Paul Haupt, 1954, S. 374f.

Die Strategie der neuen Seidenstrassen – ein Friedensmodell für Eurasien

Damit die Europäer nicht hinter der Geschichte herhinken – zur brillanten Analyse der geopolitischen Grosswetterlage durch Franz Betschon
von Tobias Salander, Historiker
Während die USA von einer Krise in die nächste taumeln und Europa wie gebannt auf seine einstige Schutzmacht starrt, hoffend, dass man nicht mit in den Abgrund gerissen werde, herrscht in Asien, Lateinamerika und Afrika Aufbruchsstimmung.

Autoren wie Kishore Mahbubani versuchen seit längerem, den Zeitgenossen der westlichen Hemisphäre aufzuzeigen, dass man offensichtlich an einer Zeitenwende steht. Was aber tun, zumal in Europa? Mit wem kooperieren, wenn nicht mit der absteigenden Kriegsmacht USA?

Wäre es nicht naheliegend, den Blick nach Osten zu wenden? Liegt doch Europa am Rande der grossen Weltinsel Eurasien. Ein Blick, aber nicht im imperialistischen Sinne von Bismarck, der «sein Afrika» in Osteuropa ortete, auch nicht verhaftet in Denkschablonen des Kalten Krieges, der glücklicherweise seit über 20Jahren vorbei ist. Warum nicht eine Annäherung in Partnerschaft, Freundschaft und Hochachtung vor den Leistungen der Völker der betreffenden Länder?

Wenn wir nicht sehen, wie sich Asien entwickelt, wird sich Asien auch ohne uns zum neuen Gravitationszentrum der Weltwirtschaft entwickeln: Dies gibt ein Analytiker zu bedenken, der weitgereist, weltoffen und dennoch in bester Schweizer Tradition ausgebildet und verankert ist: «Das eurasische Schachturnier» nennt Franz Betschon sein hier zu besprechendes Buch in Anlehnung an das ähnlich lautende Werk von Zbigniew Brzezinski. Nur, dass die Tonlage, die Grundlage der Analyse und der Ausblick gerade einen Kontrapunkt zum Negativ-Standardwerk imperialer Geostrategie und Weltmacht­hybris darstellt.

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Quelle: 2013© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1422

Der Westen verspielt den Frieden in Europa

von Willy Wimmer*
In diesen beiden Jahren 2014 und 2015 zieht wieder der ganze Schrecken des vergangenen Jahrhunderts an uns vorüber. Es sind die Jahreszahlen, die von den Verheerungen künden: 1914 und 1919, 1939 und 1945.

Es ist eine fürchterliche Abfolge von Ereignissen, die man fortschreiben könnte, weil sie bis heute und weit in die Zukunft unser Leben bestimmen. In diesem kalenderbestimmten Elendszug gab es einen Lichtblick, und das waren die beiden Jahre 1989 und 1990. Beide ein guter Anlass, sich nicht nur festlich zu erinnern, sondern die damals empfangenen Talente im biblischen Sinne zu mehren. Natürlich ein Grund zu feiern, alleine schon wegen der Auswirkungen auf uns, die Deutschen. Vielmehr aber für den geschundenen Kontinent, für den das verheissungsvolle Bild vom «gemeinsamen Haus Europa» mehr zu sein schien als nur eine vage Utopie. Verhandeln, statt zu schiessen und zu töten, das schien plötzlich möglich zu sein.

Heute, wo wir feiern müssten, kann allerdings nur eines festgestellt werden: Aus dumpf-dreister Arroganz wird alles unternommen, die Erinnerung an 1990 und 1989 verblassen zu lassen. Wir sind, wenn wir die von uns wesentlich mitgestaltete Politik seit dieser Zeitenwende Revue passieren lassen, den Möglichkeiten nicht gerecht geworden, die sich aus diesem weltpolitischen Umbruch ergeben hatten. Im Gegenteil: Wir sind mitten darin, sie nach Kräften zu verraten. Wie der völkerrechtswidrige Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien und der Bürgerkrieg in der Ukraine nachdrücklich gezeigt haben, sind das Schiessen und damit der Tod wieder die bestimmende Perspektive in Europa geworden. Wann sollte man bei dieser schiefen Ebene innehalten, wenn nicht jetzt?

Rolf Hochhuth hat seinen 84. Geburtstag zum Anlass genommen, am 1. April 2015 im Berliner Theater am Schiffbauerdamm vor dem 3. Weltkrieg mitfühlend und hinreissend zu warnen. Dabei muss man sich schon fragen, ob diese Worte wenige Meter weiter im Schloss Bellevue oder gar im Plenum des Deutschen Bundestages am 8. Mai 2015 gänzlich ungehört verhallt sein werden. Die bisherigen Reden in diesem Zusammenhang, die der Herr Bundespräsident, auch im vergangenen Jahr in Polen, gehalten hat, lassen dies wahrscheinlicher werden, als uns in Deutschland und Europa lieb sein kann. Die bisher festzustellende Stossrichtung des für die Gedenkveranstaltung im Reichstagsgebäude am 8. Mai 2015 vorgesehenen Redner lässt zudem vermuten, dass gegen die Russische Föderation und vor allem den jetzigen Präsidenten Putin im wahrsten Sinne des Wortes «blank gezogen wird».

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Quelle: 2015 © Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
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Wir verbrennen keine Bücher, das nicht, aber…

Wir verbrennen keine Bücher, das nicht, aber…

A.L. Kennedy

A. L. Kennedy, Jahrgang 1965, lebt in Glasgow.

Die Schottin ist auch bei uns bekannt geworden durch Romane wie «Day», «Gleissendes Glück» oder «Also bin ich froh». Der hier abgedruckte Text ist ein Ausschnitt aus ihrer Dankesrede für den erstmals vergebenen Eifel-Literaturpreis 2008.

Bücher, Großbritannien, Bildung, Schule & Bildung, Literatur

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Ein Haus des Friedens – eine Welt ohne Hunger und Krieg

Ein Haus des Friedens  – eine Welt ohne Hunger und Krieg

Eine Kunstausstellung zeigt mögliche Wege

von Urs Knoblauch

Urs Knoblauch balgrist75

Urs Knoblauch 35 Jahre Konzeptkunst "Genauer Erfassen"  – Malerei, Fotografie, Film, Texte, Objekte und Installationen
Kirche Balgrist Zürich  – Offene Kirche für Kultur und Begegnung vom 22. Oktober 2009 bis 22. November 2009.

Krieg, Frieden, Menschenrechte, Kunst, Ausstellung

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«Ich habe an einem Faden des Lügengespinstes gezogen, und es ist alles ans Licht gekommen»

Buchbesprechung
von Rita Müller-Hill
Zeit-Fragen Nr. 10 v. 23. April 2019
In der Sendung Les Terriens du samedi, ausgestrahlt am 9. März im französischen Fernsehen Canal+, wurde Philippe de Villiers vom Journalisten Thierry Ardisson gefragt, ob Angela Merkel die Geschichte Walter Hallsteins, des ersten Präsidenten der Europäischen Kommission, bekannt war, als sie am 13. November 2018 im Deutschen Bundestag eine grosse Lobrede auf ihn hielt. Philippe de Villiers antwortet sehr ernst: «Ja, und ich denke, sie hat gelogen.»1

Diplomatie, Europa, Geschichte, Geopolitik, Imperialismus

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Die französische Revolution

Ein Gespräch mit dem französischen Abgeordeten François Ruffin und dem Dokumentarfilmer Gilles Perret über die Gelbwesten-Bewegung.
von Rubikons Weltredaktion
Rubikon 09. März 2019
„Schönheit“, „Stolz“, „Liebe“ — die beiden Regisseure, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die neue Protestbewegung in Frankreich filmisch zu porträtieren, werden regelrecht poetisch, wenn sie von ihren Heldinnen und Helden sprechen. Mit Recht, denn wenn sich Menschen, die lange niedergedrückt und in Knechtschaft gelebt haben, endlich gegen ihre Unterdrücker erheben, geht ein Leuchten von ihnen aus. Und wer frei ist, ist auch schön. Wünschenswert wäre nun, dass der neue Aufbruch sowohl von der Mittelschicht als auch den „Intellektuellen“ nicht zerredet wird. Es bedarf des Mutes und des Einsatzes vieler, um die Wende zu schaffen.

Demokratie, Frankreich, Diskussionskultur, Imperialismus, Meinungsfreiheit

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Zufälligkeiten – zum Tod von Eduardo Galeano

von Wolf Gauer, Brasilien
Am 13. April verstarben die Schriftsteller Günter Grass und Eduardo Galeano, Grass in Lübeck, Galeano in Montevideo. In der BRD nationaler Medien-Hype und plumpe Nekrologe für Grass (Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „gleich neben Goethe“), in ganz Lateinamerika Tränen und ungeschminkte Trauer um Galeano. Nobelpreisträger Grass schrieb fürs bürgerliche Publikum, Galeano war diesem ein Ärgernis. Grass-Lesern wird Galeano schwerlich fehlen, und Galeanos lateinamerikanische Leserschaft braucht keinen Günter Grass. Sie braucht Galeano; wir werden sehen warum.

Eduardo Germán Hughes Galeano (*1940) kam aus „guter Familie“, zog es aber vor, eigenen Impulsen zu folgen, unter anderem als Arbeiter, Schildermaler, Laufjunge, Drucker und Karikaturist. Seine sozialen Tauchversuche führten zur sozialistisch-pazifistischen Leitlinie eines Gesamtwerks von mehr als 40 Titeln. Frei vom Opportunismus des Literaturbetriebs, frei von sozialdemokratischem Flirt mit der Macht.

Galeano Eduardo

Galeano Eduardo

Die Laudatio anläßlich der Verleihung (2010) des Stig-Dagerman-Preises (ja, es gibt in Schweden auch ernstzunehmende Literaturpreise) ehrte Galeano als „ständig und unerschütterlich an der Seite der Verdammten“, als einen, der „sie anhört und ihr Zeugnis mittels Poesie, Journalismus, Prosa und Aktivität vermittelt“ (El Universal, 12.9.10, Übs. hier und alle ff. W.G.).

Doch erst die Universität von Havanna benannte Galeanos ureigenste Bedeutung als „Wiederhersteller des wirklichen kollektiven Gedächtnisses Südamerikas und Chronist seiner Zeit“ (Carta Maior, 25.4.15) und machte ihn zum Ehrendoktor (2001). Zahlreiche ähnliche Ehrungen sollten folgen.

Galeanos Analyse der ökonomischen und kulturellen Abhängigkeiten Lateinamerikas anhand der tatsächlichen historischen Verläufe hat das vom Imperialismus eingeimpfte Geschichtsbild seiner Menschen korrigiert und damit die Grundlage für legitime lateinamerikanische Bewußtseinsbildung geschaffen. Knapp und lakonisch vorgetragen in seinem weltweit anerkannten Hauptwerk „Die offenen Adern Lateinamerikas“ (1971).

Schon der erste Satz gibt den Duktus der konsequent materialistischen Geschichtsentwirrung vor: „Die internationale Arbeitsteilung besteht darin, daß die einen Länder sich aufs Gewinnen spezialisieren, die anderen aufs Verlieren. Unser Stück Welt, das wir heute Lateinamerika nennen, war frühreif: Es spezialisierte sich schon aufs Verlieren seit jenen alten Zeiten, da die Europäer der Renaissance über die Meere schaukelten und ihm die Zähne in den Hals gruben“ („Las Venas Abiertas de América Latina“, Coyoacán 2004).

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Quelle: Erschienen in Ossietzky, Zweiwochenschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft Heft 10/2015
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