Erziehung

Schulzeugnis und Versagen in der Schule

Friedrich Liebling, Zürich
Der Empfang des Schulzeugnisses bedeutet für viele Kinder und Eltern eine Zeit schwerer Besorgnis. Das schmale Notenbüchlein, das in wenigen Zahlen die Leistungen und das Versagen eines Trimesters resümiert, fällt ein Urteil über ein Kind und zieht entscheidende Konsequenzen nach sich. Vor allem im Falle des Ungenügens liefert das Zeugnis den «eindeutigen Beweis», indem es zahlenmäßig festlegt, wie viel oder wie wenig das Kind zustande gebracht hat. Die mangelhafte Leistung, welche unter Umständen die Promotion in Frage stellt, tritt mit einem Male ans Licht der Öffentlichkeit - es wird dem Kind wie auch seinen Eltern gleichsam «offiziell» bescheinigt, ob es den allgemeinen Maßstäben genügt oder nicht.

Daher mag man verstehen, daß die Zeugniszeit für viele Kinder dramatische und schicksalshafte Komplikation beinhaltet; es gibt Fälle, bei denen unglückliche Zeugnis-Empfänger das Übermaß an seelischer Spannung durch Erkrankungen abreagieren; andere wieder, die im Elternhause Bestrafungen oder Beschimpfungen für die schlechten Leistungen erwarten, bleiben mit ihrem Zeugnis der Familie fern und müssen mitunter durch Polizeiaufgebot gesucht werden; es sind auch schon tragische Suizidfälle in diesem Zusammenhang vorgekommen.

Angesichts dieser Umstände mag man die Frage aufwerfen, ob unser traditionelles Notensystem in allen Beziehungen den Anforderungen einer modernen, psychologisch orientierten Pädagogik genügt. Die Erwachsenen machen sich im allgemeinen hierüber wenig Gedanken; selbst diejenigen, die als Kinder unter dem «Notendruck» gelitten haben, kommen selten darauf, dieses Prinzip in seiner Problematik zu sehen. Aus Gründen, die psychologisch verständlich gemacht werden können, neigen sogar die Opfer einer mühsam durchlittenen Schul- und Jugendzeit besonders dazu, von ihren Kindern mit Selbstverständlichkeit erfolgreiche Schulbewältigung zu fordern.

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Quelle: Der Artikel ist erstmals erschienen in der tiefenpsychologischen Monatszeitschrift “Psychologische Menschenkenntnis” 1/1964-65, S. 65 - 71, Publikationsorgan der Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle Zürich.

Erziehung zur Medienkompetenz

Geschätzte Seniora-Leserin, geschätzter Seniora-Leser,

man sieht sie in Hotels, Restaurants, am Strand, überall, immer häufiger: Kinder allen Alters - noch im Babychair - mit ihren Handys und Tablets spielend, während die Erwachsenen essend und plaudernd dabei sitzen, (noch) nicht wissend, was der Bildschirm für das in Entwicklung befindliche Kindergehirn bedeutet. So freuen wir uns, Sie auf die Website von Uwe Buermann aufmerksam zu machen.

Margot und Willy Wahl

Erziehung zur Medienkompetenz

Weiterbildung zum pädagogisch, therapeutischen Medienberater am Lehrerseminar Berlin

Von Uwe Buermann

Medienkompetenz gehört ohne Frage zu den Schlüsselqualifikationen unserer Zeit. Wir leben in einer Mediengesellschaft und das ist ja nicht erst seit dieses Wort all überall benutzt wird, sondern schon seit über 100 Jahren der Fall. Insofern sind wir alle mit Medien groß geworden. Sind wir dann nicht auch automatisch medienkompetent? Was soll dann all das Gerede?

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Über die Bedeutung der Erziehung

von Dieter Sprock
Um die Frage der Kindererziehung ist es still geworden. Das Thema ist aus den Schlagzeilen verschwunden und scheint auch bei vielen Eltern heute nur wenig Aufmerksamkeit zu finden. Man könnte meinen, das Wissen um die Bedeutung der Erziehung sei in Vergessenheit geraten. Im Alltag begegnen wir Eltern, welche die natürlich gegebene Ordnung auf den Kopf stellen. Sie sind unaufhörlich darum bemüht, ihren Kindern alles recht zu machen und ihnen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Sie richten sich auf die Kinder aus und überlassen ihnen die Führung.

Es hat sich eine Stimmung breitgemacht, in der Eltern, die noch erziehen wollen, sich nicht mehr trauen, ihren Kindern nein zu sagen, um nicht als Rabeneltern zu gelten.

Kinder ohne Führung

Wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr erziehen und ihnen die Führung überlassen, erweisen sie weder sich noch ihren Kindern einen Dienst. Bekanntlich sind diese nicht dankbar. Sie entwickeln das Gefühl, dass sich die anderen Menschen nach ihren Wünschen richten müssen, und werden ungehalten, wenn es nicht so ist.

So erlebte ich kürzlich, wie ein kleiner Junge, vielleicht dreijährig, mit seinem kleinkindgerechten Einkaufswägeli durch den Dorfladen kutschierte, ohne sich gross um die Mutter zu kümmern. Als diese ihn zu sich rief, bestand er darauf, dass sie zu ihm komme, und als sie nicht gleich folgte, begann er ein grosses Geschrei.

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Quelle: Zeit-Fragen
http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2016/nr-2526-8-november-2016/ueber-die-bedeutung-der-erziehung.html

«Es gibt eine Epidemie von Alphakindern»

Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld kämpft dafür, Eltern die Autorität und Kindern die Elternliebe zurückzugeben.
Alexandra Kedves im Interview mit Gorden Neufeld

Ihr Buch «Unsere Kinder brauchen uns!» ist ein Bestseller, und Ihre These von der entscheidenden ­ Kind-Eltern-Bindung wird derzeit wieder heiss diskutiert. Wieso?

Eltern heutzutage haben keine Selbst­sicherheit mehr und keinen Zugang zu ihrer Intuition. Stattdessen gibt es unendlich viele Ratgeber und die Illusion, dass man anhand eines guten Leitfadens lernt, als Eltern das Richtige zu tun. Dabei lautet die wichtige Frage nicht: «Wie als Eltern handeln?», sondern: «Wie Eltern sein?» Es geht um die Qualität der Beziehung zwischen Kind und Eltern;

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Quelle: Tagesanzeiger
http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/es-gibt-eine-epidemie-von-alphakindern/story/16963308

Brief aus Brasilien zur Bedeutung unserer Muttersprachen

Von Wolf Gauer, São Paulo / Brasilien*
Liebe Schweizerinnen und Schweizer, hab grad auf infosperber Daniel Goldsteins Beitrag "Liebe Festgemeinde, verstehen Sie mich?" gelesen. Darf ich einmal den Teufel an die Wand malen?

Ja, Französisch und Italienisch fallen allmählich ganz europaweit unter den Tisch. Auch in Deutschland. Ich hatte noch das Glück, 6 Jahre Latein und 9 Jahre Französisch auf dem "Neusprachlichen Gymnasium" zu lernen. Britisches Englisch lief so nebenher, Altgriechisch und Russisch gabs im Wahlangebot. Mittlerweile ist Englisch überall die Nummer Eins, möglichst in der amerikanischen Alltags-Version von 300 Wörtern und mit penetrant aufgesetztem Kaugummi-Akzent.

Yeah, you guys, in absehbarer Zeit  könnte es sein, dass Deutsch- und Welschschweizer ganz plötzlich auf Englisch umschalten, wenn sie irgendetwas eingehender besprechen müssen. Denn so will es die angloamerikanische Weichenstellung: Anglophonie, angloamerikanischer "life style" - identische, marktorientierte Verbraucher- und Verhaltensgewohnheiten. Die globalen "Eliten" haben den Ami-Slang ja längst adoptiert. TTIP will u.a. die Publikationsnormen europäischer Filme den US-amerikanischen unterwerfen. Am Tag des französischen Gesetzerlasses zur Verwendung des Französischen im öffentlichen Bereich taufte der französische Verkehrsminister den ersten französischen Kanaltunnel-Zug "Le Shuttle". 

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Die «Tablet»-Familie

In immer mehr Familien verödet das Gespräch bei den Mahlzeiten, weil jeder mit einem elektronischen Gerät beschäftigt ist.
mk. Eine vierköpfige Familie im Speisesaal eines Hotels: Mutter und Vater, ein Sohn, etwa 12jährig, ein Baby, das im Kinderwagen mit am Tisch sitzt. Das Frühstück verläuft sehr ruhig, wir hören am Nebentisch nichts als das ständige Geplärre irgendeiner albernen Sendung für Babys. Dieses Geplärre kommt aus einem Tablet, das die Mutter sorgfältig vor dem Baby aufgebaut hat.

Während das Baby lautlos auf den Bildschirm starrt, nehmen die restlichen Mitglieder der Familie ihr Frühstück ein, ebenso lautlos. Sie reden nämlich nicht miteinander, sondern jeder starrt auf seinen eigenen Bildschirm. Manchmal telefoniert der Vater mit seinem Handy.

Auch daran nehmen Mutter und Sohn keinen Anteil. Alle wirken abgestellt, gelangweilt. «Alle drei sind gemeinsam einsam» schreibt Moritz Nestor über eine ähnliche «digitalisierte» Familie (Zeit-Fragen Nr.15/16 2015) und erklärt, was es für das Kleinkind und für seine Persönlichkeitsentwicklung heisst, statt Beziehung und emotionales Echo in der realen Welt zu erfahren, in einer irrationalen, nicht erklär- und erfahrbaren Welt emotional allein gelassen zu werden.

Von «digitaler Demenz» spricht der Hirnforscher Man­fred Spitzer in diesem Zusammenhang. Beim Kölner Bildungskongress «Lernen erfolgreich gestalten» postuliert er: »Es ist kriminell, Babys vor Bildschirme zu setzen, und wer damit wirbt, macht die Kinder wissentlich dumm.»1

Spitzer im Interview: «Es geht immerhin um die wertvollsten Firmen der Welt und deren Umsatz: Google, Microsoft, Apple, IBM, Facebook. Nachdem in jedem Haushalt schon drei Computer stehen, geht es jetzt darum, dass an Schulen und auch noch Informationstechnik angeschafft werden soll. Und davor warne ich. […] Computer sind in Schulen Lernverhinderungsmaschinen.»

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Quelle: Zeit-Fragen
http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2016/nr-11-10-mai-2016/die-tablet-familie.html

Lehrer gehen juristisch gegen filmende Schüler vor

Tages-Anzeiger
2016-04-30
Mehrere Lehrer in der Waadt haben gegen Schüler Anzeigen wegen heimlich aufgenommener und im Internet verbreiteter Videos eingereicht. Die Schulen im Kanton werden als Warnung einen Brief an alle Eltern verschicken. Zu einem gravierenden Fall kam es unlängst in der Gemeinde Ecublens in der Nähe von Lausanne, wo Jugendliche einen Lehrer zur Verzweiflung trieben, die Szene mit dem Handy filmten und Videos über Smartphone-Apps verbreiteten. Die Schüler wurden für drei Tage von der Schule verwiesen.

Zudem reichte der Lehrer Anzeige ein. Die Schüler müssen sich deshalb vor dem Jugendgericht verantworten. Ihnen droht eine Busse oder gemeinnützige Arbeit. Der Fall Ecublens ist in der Waadt kein isoliertes Phänomen. Es gebe mehrere Anzeigen von Lehrern im Kanton, sagte Alain Bouquet, Generaldirektor der obligatorischen Schulen in der Waadt, der Nachrichtenagentur SDA und bestätigte damit Angaben in einem Bericht der Zeitung «24 heures». Er habe Kenntnis von mindesten fünf Fällen. Das Problem wurde auch am vergangenen Donnerstag an der Konferenz der Schulleiter erörtert.

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Quelle: SDA / Schweiz. Depeschenagentur

Was sind Rabeneltern?

Gabriela Bonin beantwortet Kinderfragen zu aktuellen Themen. Diese Woche will Robin (10) aus Seedorf UR wissen, was denn Rabeneltern sind

Brutpflege

Brutpflege

Eigentlich sind Raben fürsorgliche Vogeleltern. Trotzdem redet man bei den Menschen von «Rabeneltern», wenn Väter oder Mütter ihre Kinder schlecht behandeln. Selten sind damit richtig böse Eltern gemeint. Vielmehr solche, die nach Ansicht der Kritiker ihre Kinder falsch erziehen. Doch wie erzieht man Kinder «richtig»? *

Raben und Hühner zum Beispiel machen es gut. Sie geben den Jungen genau das, was sie brauchen. Rabenküken schlüpfen nackt und blind.

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https://www.migrosmagazin.ch/leben/familie/artikel/was-sind-Rabeneltern

«Hört auf, die Kinder zu loben»

Erziehungsexperte Jesper Juul fordert: Eltern sollen Leitwölfe sein. Wie man renitente Kinder ins Bett bringt, weiss er auch.

Eltern sollen «Leitwölfe» sein, fordern Sie in Ihrem neuen Buch. Läuten Sie die Rückkehr des autoritären Erziehungsstils ein?

Über 20 Jahre lang habe ich geschrieben, dass Eltern wie «Leuchttürme» sein sollten: dass sie allein die Verantwortung für eine gesunde Beziehung zu ihren Kindern tragen. Ich habe jedoch merken müssen, dass ich falsch verstanden wurde. Der Begriff des Leuchtturms war wohl zu romantisch. «Leitwölfe sein» verstehe ich deshalb als Weckruf. Mit einem autoritären Erziehungsstil, also mit Machtausübung und Gehorsam, hat das nichts zu tun.

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Quelle: Tagesanzeiger.ch/Newsnet
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/hoert-mit-der-loberei-auf/story/29718022

Den Kindern den Weg ins Leben zeigen

Aus Zeit-Fragen Beilage zur Bildung

Den Kindern den Weg ins Leben zeigen

Anleiten und erziehen sind die Aufgaben der Erwachsenen, ein Interview mit Dr. med. Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut

ein Interview Eliane Gautschi und Erika Vögeli

Zeit-Fragen: Herr Doktor Winterhoff, Sie haben verschiedene Bücher geschrieben, das letzte trägt den Titel «SOS-Kinderseele». Was ist so alarmierend bei der Entwicklung unserer heutigen Kinder?

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Kinder und Jugendliche stark für den Umgang mit Medien machen

Interview mit Uwe Buermann, pädagogisch-therapeutischer Medienberater*
ein Interview von Eliane Gautschi

Zeit-Fragen: Medien sind heute in unserem Lebensalltag überall präsent. Für viele Eltern stellt sich deshalb die Frage, wie ihre Kinder die nötige Medienkompetenz erwerben. Was braucht es dazu?

Uwe Buermann: Wir leben im Medienzeitalter. Das ist gut so, aber es ist eine Herausforderung. Um eins vorwegzunehmen: Wir müssen wegkommen von Debatten, die geführt werden zur Frage:«Ist das Internet gut oder schlecht, sind Smartphones gut oder schlecht?» So kommen wir nicht weiter. Es geht letztlich um die Frage: «Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten muss ich als Nutzer mitbringen, damit ich die verschiedenen Geräte und Angebote sinnhaft nutzen kann?» Dass wir uns diese Frage stellen müssen, ist allgegenwärtig und auch die Probleme sind allgegenwärtig. Die ganze Problematik von Cybermobbing zum Beispiel macht deutlich, dass es nicht so einfach mit der Medienkompetenz ist, wie es uns Eltern, Lehrern und Erziehern lange Zeit suggeriert worden ist. Nach dem Motto: «Wir müssen die Kinder nur so früh wie möglich an die Medien heranführen und dann klappt es schon mit der Medienkompetenz von allein!» So ist es eben nicht.

Was erachten Sie als Voraussetzungen für einen kompetenten Umgang mit Medien?

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Quelle: Louis-Philippe Beland und Richard Murphy. Ill Communication: Technology, Distraction & Student Performance. London School of Economics and Political Science. Centre for Economic Performance. London 2015
Übersetzung: Zeit-Fragen
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2163

Die seelische Entwicklung unserer Kinder und das audiovisuelle Angebot

Diskussionsveranstaltung am Montag, den 3. November 2014. Beginn: 18.30 Uhr, Akademie der KAS, Tiergartenstr. 35, 10785 Berlin

Im Newsletter der Deutschen Liga für das Kind vom 28. Juli 2014 ist zu lesen

Im Jahr 2013 haben die Jugendämter in Deutschland 42.100 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Das waren gut 1.900 Minderjährige (+5%) mehr als 2012. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat die Zahl der Inobhutnahmen in den letzten Jahren stetig zugenommen, gegenüber 2008 (32.300) stieg sie um 31 Prozent.

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Pädagogisch wertvoll: Familienausflug zur Christopher-Street-Day-Parade

Pädagogisch wertvoll: Familienausflug zur Christopher-Street-Day-Parade

06. Juli 2014

Moderne, zeitgemäße Kleinkindererziehung sollte so früh wie möglich, also sobald die Kleinen laufen können, dafür sorgen, dass Eltern mit ihren Sprösslingen dem Christopher-Street-Day beiwohnen — dieser Meinung ist zumindest Kathy Stolzenbach, in einem Artikel, der vom Generalanzeiger (Bonn, Köln) und dem Nachrichtensender NTV vertrieben wird: “Ausflug zum Christopher Street Day: ‘Mama warum muss der Mann an die Leine?‘”

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