Lehrplan 21/PISA

LehrplanPLUS – Wem hilft diese in Deutschland eingeführte Schulreform?

Die Initiative der “Eltern für eine gute Bildung” warnt und klärt auf
Seit Herbst 2014 ist in Bayern ein neuer Lehrplan für die Grundschulen gültig, der sogenannte LehrplanPLUS. In ihm sind das Konzept des Konstruktivismus und die Kompetenzorientierung festgeschrieben. Dieser Lehrplan stellt eine klare Abkehr vom bisherigen humanistischen Bildungsideal dar. Zu befürchten ist, dass die bereits ausgearbeiteten, aber nicht einsehbaren neuen Lehrpläne für die weiterführenden Schulen ebendiesen Konzepten folgen.

Mit der Einführung des LehrplanPLUS sollen Wochenplan, Werkstattunterricht und Freiarbeit, wie sie bereits in den letzten Jahren in den Schulen zur Anwendung kamen, vorherrschend werden. Geführter Klassenunterricht mit dem Lehrer als Pädagogen und Lehrenden werden zugunsten von "Individualisierung" und "Selbststeuerung" aufgegeben. Der Lehrer soll sich zurücknehmen, nur noch die Lernumgebung bereitstellen, um den Schülern "selbstgesteuertes und eigenverantwortliches Lernen" zu ermöglichen. Die pädagogische Arbeit, die aus einer lebendigen Wechselbeziehung zwischen Schülern und Lehrer besteht, das gemeinsame Arbeiten im Klassenverband, die Klassengemeinschaft gehen zugunsten der Aneignung scheinbar wichtiger Kompetenzen verloren. Diese Entwicklung wird die bereits seit Jahren bestehenden Probleme verschärfen:

Politik, Erziehung, Deutschland, Bildung, Bildungsreform, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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http://www.eltern-fuer-gute-bildung.de/

Lernen braucht Leben

von Carl Bossard
17.12.2015
Der Trend zielt auf das selbstorientierte "Lernen ohne Lehrer". Doch Lernen ist eingebettet in Soziales. Ein Plädoyer für das Humane in der Schule.

Anfang Dezember 2015 erhielt die Gesamtschule Unterstrass den Klaus J. Jacobs Best Practice Price 2015. Anlass war das Projekt „Selbstführung und soziales Handeln in Schule und Unterricht“. Die kleine Schule für 3- bis 15-Jährige geht einen etwas anderen Weg, als ihn auch der Lehrplan 21 mit der Dominanz des selbstorientierten Lernens aufzeichnet. Darüber nachzudenken lohnt sich, vor allem über die zentrale Frage, welche Rolle die Lehrerin spielt, welche Aufgabe dem Lehrer zukommt.

Die Welt ist anders geworden

Der Computer, das Internet, die Sozialen Medien lassen sich aus unserer Welt nicht mehr wegdenken; sie bestimmen unseren Alltag. Ohne Wenn und Aber. Wir alle benutzen und schätzen sie. Ein Zurück gibt es nicht.

Erziehung, Währungsstabilität, Bildung, Bildungsreform, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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Quelle: Journal21
https://www.journal21.ch/lernen-braucht-leben?utm_medium=email&utm_source=transactional&utm_campaign=Pl%C3%A4doyer+f%C3%BCr+das+Humane+in+der+Schule+-+und+weitere+Themen

Warum Ihr Kind bald wieder Frontalunterricht hat

von Alan Posener, Korrespondent für Politik und Gesellschaft
16.12.2015
Bald jedes Jahr werden neue "ultimative" Lern- und Lehrmethoden ausgerufen. Und verschwinden bald wieder in der Versenkung. So wie bald das "jahrgangsübergreifende" Lernen und das Arbeitsbogenunwesen.

In der Klasse sitzen Kinder verschiedener Altersgruppen: Schulanfänger und Kinder, die schon drei Jahre zur Schule gehen. Warum sie zusammen sitzen ist nicht klar, da jedes Kind einzeln lernt. Ab und zu steht ein Kind auf und läuft zu einem Fach, aus dem es einen Arbeitsbogen zieht, mit dem es zu seinem Platz zurückkehrt.

Die Lehrerinnen halten sich zurück; eine kümmert sich vielleicht um ein Kind, das mit seinem Arbeitsbogen nicht klarkommt; eine andere geht herum und kontrolliert, dass alle etwas tun.

Was hier verwirklicht wird, ist die gegenwärtig herrschende Didaktiktheorie. Inklusion und Individualisierung heißen die  – einander widersprechenden  – Stichworte. Selbstbestimmtes Lernen im eigenen Tempo statt "Lehrerzentrierung" ist angesagt. Wo das funktioniert, ist eine solche jahrgangsübergreifende Klasse eine imponierende, summende Lernmaschine. Wo es nicht funktioniert, ein Chaos.

Politik, Erziehung, Bildung, Bildungsreform, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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Quelle: Die Welt
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article150030033/Warum-Ihr-Kind-bald-wieder-Frontalunterricht-hat.html

Der fehlende Mut zum Tiefgang

Von Carl Bossard
09.11.2015
Bildung verlangt Tiefe und ist mehr als die blosse Addition aktueller Wissensbestände und "Kompetenzen". Bemerkungen zum neuen Schweizer "Lehrplan 21"

Die Gegenwart liebt die Oberfläche und das Vordergründige; die Kunst lebt von der Liebe zu den schönen Äusserlichkeiten. Das hat Folgen  – auch für den Unterricht. Doch Bildung braucht Tiefe. Darum müssten Bildung und Schule gegenhaltende Kraft entwickeln. Die Menschen brauchen Hintergrund.

Der Zeitgeist surft an der Oberfläche

Der amerikanische Künstler Jeff Koons ist vielleicht der erfolgreichste Künstler der Gegenwart. Ein Meister glänzend-glatter Oberfläche. Die Fondation Beyeler widmete ihm 2012 eine vielbeachtete Ausstellung. Der Andrang war gross. Seine Kunst gefällt; sie ist ein Œuvre des Like. Doch wer kritisch hinschaut, der spürt: Koons‘ Kunst bleibt bewusst banal. Es fehlt ihr die Tiefe, es fehlt der Tiefsinn. Sie eckt nicht an. Von der Ästhetik des Glatten geht kein Widerstand aus. Alles bleibt Oberfläche.

Psychologie, Erziehung, Schule, Pädagogik, Schule & Bildung

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Quelle: Journal21
https://www.journal21.ch/der-fehlende-mut-zum-tiefgang

Classroom Walkthrough: Neues, an finstere Überwachungsmethoden erinnerndes Kontrollinstrument für Schulleiter

Thurgauer Schulleiter stützen Lehrplan 21
Der Hintergrund der folgenden Leserbriefe bildet die kürzlich stattgefundene Tagung der Thurgauer Schulleiter. Diese setzen sich ein für den Lehrplan 21 und werden über ein neues Führungsinstrument (Classroom Walkthrough) informiert.

Classroom Walkthrough: Neues Führungsinstrument für Schulleiter

21. September 2015

Die Thurgauer Schulleiter haben ein neues Führungsinstrument, das sich Classroom Walkthrough nennt. Dabei handelt es sich um ein Kontroll-Instrument, das bereits in den USA angewendet wird. Es gibt dazu auch schon eine entsprechende App fürs Handy. Wie funktioniert Classroom Walkthrough? Die Schulleitung besucht die Lehrkräfte 10 bis 15 Mal pro Jahr während 7 bis 10 Minuten. Die Lehrkräfte erhalten innerhalb von 24 Stunden ein schriftliches oder mündliches Feedback. Der Besuch ist nicht angemeldet, das Schulzimmer wird ohne anzuklopfen betreten. Es gibt keine Begrüssung und auch keine Verabschiedung. 

Es scheint mir ungeheuerlich, was da passiert: Erstens ist es stillos, einfach in eine Lektion hineinzutrampen ohne anzuklopfen und ohne begrüsst zu werden. Die Klassengemeinschaft hat für mich auch immer etwas Beschützendes  – hier soll niemand exponiert werden und die Schüler und der Lehrer sollen sich sicher fühlen. Zweitens fehlt mir bei vielen Schulleitern die pädagogische Qualifikation. Weshalb sollten sich gute Lehrer jemandem unterordnen, der aus dem Klassenzimmer geflüchtet ist? Drittens wäre es illusorisch, das als Qualitätssicherung oder Weiterbildung anzusehen. Classroom Walkthrough ist ein Machtinstrument, welches das Gefälle zwischen Lehrer und Schulleitung verstärkt. Gehen Sie doch mal aufs Erziehungsdepartement Ihres Kantons und machen dort einen klassischen Walkthrough durch die Büros und senden danach per Email ein Feedback. Classroom Walkthrough macht deutlich, bei wem die Macht liegt. 

Das Vorgehen der Thurgauer Schulleiter hat etwas Verzweifeltes: Der nächste Schritt wäre dann das gläserne Klassenzimmer, das dank Kameras jederzeit vom Schulleiterbüro aus einseh- und hörbar ist. Wollen wir das wirklich? (uk)

Quelle:
http://schuleschweiz.blogspot.ch/2015/09/thurgauer-schulleiter-stutzen-lehrplan.html

Widerstand gegen den Lehrplan 21

Leserbrief Thurgauer Zeitung 18.9.

von Lutz Wittenberg

Einmal mehr dürfen wir lesen, dass sich die Schulleiter für den Lehrplan 21 einsetzen. Eigentlich klar, wenn man überlegt, dass sie die Weisungen des Volksschulamtes transportieren müssen  – dafür wurden sie ja geschaffen. Ausserdem will sich der Verband gegen Unwahrheiten einsetzen! So, so  – begründete Kritik glaubt man so loszuwerden? So einfach wird dies nicht, denn der Widerstand gegen den Lehrplan 21 ist personell und inhaltlich sehr breit abgestützt/siehe www.gute-schule-tg.ch

Ein Hauptkritikpunkt an dieser radikalen Schulreform lautet, dass die Lehrpersonen dadurch noch mehr gezwungen würden, Schüler allein an ihren Kompetenzaufgaben herumpröbeln zu lassen  – „selbstgesteuerter“ oder „offener“ Unterricht heisst das dann. „Unwahrheit!“, heisst es dann wahrscheinlich vom Schulleiterverband, im Lehrplan stünde ausdrücklich etwas von Methodenfreiheit des Lehrers.

Doch erstens kann man das Vorantreiben „offener“ Unterrichtsformen im Lehrplan selbst zeigen. Zweitens heisst es in der Vernehmlassungsantwort des Lehrerverbands LCH: „Die ‚Methodenfreiheit‘ der Lehrpersonen wird stark relativiert.“ Und drittens wird es noch interessanter, wenn man den Artikel weiter liest, was an der Schulleitertagung gelaufen ist. Man habe das Führungsinstrument „Classroom Walkthrough“ kennengelernt: Der Schulleiter soll jeden Lehrer zehn- bis fünfzehnmal unangemeldet für ein paar Minuten im Unterricht besuchen. Schon wieder eine neue Kontrollform, die die Lehrpersonen in eine modernistische Richtung zwingen soll.

Interessant ist die Homepage des Referenten, der die Schulleiter dieses Führungsinstrument beigebracht hat. Dort findet man einen exemplarischen Bogen mit Aspekten, auf die die Schulleiter bei diesen Besuchen achten sollen. Einer von vier fragt, ob „offene“ Lernformen angewendet werden. Wohin die Bildungsbürokratie will, ist folglich klar! Also: Gibt es jetzt Methodenfreiheit oder nicht? Offensichtlich nicht. Leider müssen wir damit rechnen, dass berechtigte Kritik am Lehrplan 21 als Unwahrheit abgetan wird, weil die Befürworter keine guten Argumente haben. Zum Glück werden wir im Thurgau über dieses Schulreformwerk abstimmen können.

Eingestellt von Urs Kalberer

Lernen ist etwas anderes als aus dem Internet kopieren

von Georg Koch, Stettfurt

Regierungsrätin Knill und ihre Experten scheinen sich nicht so sicher zu sein, dass ihre Vorstellungen vom zukünftigen Unterrichten bei den Lehrern breite Zustimmung finden. Der mit tausenden von Kompetenzen völlig überladene LP21, der die einzelnen Fächer völlig verhackstückt und gleichzeitig überfrachtet, ist nicht praxistauglich.

Er verhindert ein systematisches, zusammenhängendes Erlernen der Grundfertigkeiten, die man als Staatsbürger und im Beruf braucht. Der LP21 überfordert viele Schüler, da er das eigenständige individuelle Lernen favorisiert.

Er verhindert damit seinen Verfassungsauftrag, die Ziele der Bildungsstufen bundesweit anzugleichen. Es sei denn, man versteht darunter völlig individuelle Lernstände als allgemeingültiges Ziel.

Aufgrund der Proteste aus der Lehrerschaft wird immer wieder betont, dass die Unterrichts- und Methodenfreiheit der Lehrpersonen auch in Zukunft gewahrt blieben. Diese Beruhigungspille schluckt jedoch kein Lehrer, der den LP21 wirklich gelesen hat und dann z.B. feststellt, dass sein Fach Geschichte im Konglomerat NMG (Natur  – Mensch  – Gesellschaft) untergeht.

Etwa Schweizer Geschichte soll erst ab der 7. Klasse in kürzester Zeit und in einem Wust von hochanspruchsvollen Fragen vermitteln werden. So sollen Schüler in der Pubertät „eine kurze historische Darstellung einer ausgewählten Region vom Beginn der Neuzeit bis heute verfassen“ können. Lernen ist jedoch etwas anderes als die „Kompetenz“, etwas aus dem Internet herauszukopieren.

Um die Lehrerschaft auf Kurs zu bringen, sollen nun die Schulleiter mittels „Classroom Walkthrough“ (Thurgauer Zeitung 4.9.2015) kontrollieren, ob die Lehrer fragwürdige „offene Lernformen“ verwenden und die Schüler genügend Zeit haben, „ihre Arbeiten in ihrem eigenen Tempo zu erledigen“.

So jedenfalls bringt es ihnen Ex-Lehrer Schwendener bei, der seine Kontrollgangmethode für 450 Sfr pro Person nun an die Thurgauer Schulleiter verkauft. Hauptsache es klingt amerikanisch und kommt von da…

Wir befinden uns in der direkdemokratischen, neutralen, bewaffneten Eidgenossenschaft. Wir schreiben das Jahr 2015.

In dieser Eidgenossenschaft gibt es vier Landessprachen, Englisch ist nicht dabei.

Diese für eidgenössische Zungen eher ungewohnte oder unaussprechliche Wortschöpfung "Classroom Walkthrough" ist nun der OFFIZIELLE Begriff der thurgauer Bildungsdirektion, der den Schulleitern die nötige Macht verleiht, etwaige unbotmässige Lehrer (die heute Lehrpersonen heissen) und wagen sollten, die Methodenfreiheit für sich in Anspruch zu nehmen, auf den rechten LP21-Weg zu steuern (zwingen).

Classroom-Walkthrough auf Deutsch: Spaziergang durchs Klassenzimmer. Dass sich im Lande Pestalozzis Pädagogen zwingen lassen, dass man ihnen mittels eines angelsächsischen neoliberalen Steuerungsinstruments ihr pädagogisches Selbstverständnis verbietet, nämlich als Person im Klassenzimmer mit allen Sinnen präsent zu sein und die Schüler mit Empathie anzuleiten und eine Klassengemeinschaft zu formen, ist mir unerklärlich.

Nun wird also geprüft, ob der Lehrer tatsächlich die Rolle des "Coach" oder des "Moderator" eingenommen hat. Unangemeldet, ohne anzuklopfen, ohne Gruss tritt der Schulleiter ins Klassenzimmer, macht sein "Walkthrough", macht seine "Look fors", ob die vorgeschriebenen "Offenen Lernformen" durchgeführt werden und gibt innert 24 Stunden sein "Feed-back". Schrecklich!

Psychologie, Erziehung, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Technologie

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Quelle: Willy Wahl, Zürich

Der Zensur des Tages-Anzeigers zum Opfer gefallen!

Ein Leserbrief nimmt glasklar Stellung zum Lehrplan21-Vernebelungsartikel des TA vom 18. 8. 2015. Er wurde nicht veröffentlicht. Seniora.org stellt ihn seinen Lesern hiermit zur Verfügung:
Drei Viertel aller Lehrer haben laut Sonntagszeitung genug von den ständigen Schulreformen. Ihr Reformüberdruss sei die Hauptursache für den wachsenden Widerstand der Lehrer gegen den Lehrplan 21, schreibt die Zeitung, und die Forderung nach einem Reformstopp sei berechtigt.

Immer mehr Widerstand gegen den Lehrplan 21

Die Politiker sollten endlich «das Chaos ordnen», statt «weiter am Schulsystem herumzuschrauben», so die Sonntagszeitung. Dem können unzählige Eltern, Lehrer, Kinderpsychologen und Kinderärzte nur erleichtert zustimmen.

Politik, Erziehung, Bildung, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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John Hattie zum Klassenunterricht

von Renate Caesar, Dipl.-Pädagogin und Gymnasiallehrerin
Der vom Lehrer geführte Klassenunterricht wird heute von den ‚Reformern‘ abgelehnt. Lehrer, die so unterrichten, werden gezwungen, ihre Unterrichtsmethoden in Richtung ‚Individualisierung‘ etc., zu ändern.

Die ‚Reform‘-Ideen, dass Schüler selbständig forschend, aufgabenbasiert, entdeckend, usw. lernen sollen und dass der Lehrer nur individualisierte Lerngelegenheiten für die einzelnen Schüler schaffen soll  – d.h. Materialien verschiedener Schwierigkeitsgerade, Computerprogramme zum Abarbeiten in einer sogenannten ‚Lernumgebung‘ oder ‚Lernlandschaft‘, die Ähnlichkeit mit einem Grossraumbüro hat, bereitstellen  – und sich ansonsten zurückhalten muss und nur minimal korrigierend intervenieren darf, sodass die Schüler ‘durch eigene Aktivität, durch Diskurs und Reflexion und Austausch von Einfällen mit anderen Lernenden Wissen erwerben und Bedeutung konstruieren sollen‘, sind laut Hattie dem sogenannten ‚Konstruktivismus‘ entlehnt und stehen den Ergebnissen seiner Analyse von 50.000 Studien fast diametral entgegen.

„The role of the constructivist teacher is claimed to be more of facilitation to provide opportunities for individual students to acquire knowledge and construct meaning through their own activities, and through discussion, reflection and sharing of ideas with other learners with minimal corrective intervention (…) These kinds of state- ments are almost directly opposite to the successful recipe for teaching and learning as will be developed in the following chapters.“)

(John Hattie: Visible Learning, p.26)

Das bedeutet im Klartext, dass unsere ‚Schulreformer‘ , die ‚Reform‘- Machwerke wie den Lehrplan 21 propagieren, etwas vorantreiben, was zumindest nach Aussagen dieses Forschers keinerlei Sinn macht; denn weder das individualisierte Lernen, noch die heterogene und/oder altersdurchmischte Lerngruppe (ADL), noch die Verwendung elektronischer Geräte haben gemäss seinen Ergebnissen einen positiven Einfluss auf die Lernleistung der Schüler (vgl. Visible Learning, Appendix A)

Psychologie, Erziehung, Bildungsreform, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Technologie, Didaktik

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Prof. Jochen Krautz: Kompetent, aber denkfaul?

Ein Interview mit Jochen Krautz in der Südtiroler Wirtschaftszeitung — Nr. 23
15 — Freitag, 12. Juni 2015

Jochen Krautz

Früher beherrschte man sein Fach, heute ist man kompetent.

Psychologie, Bildung, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2015/06/Krautz_kompetent_aber_denkfaul.pdf

Change, Reform und Wandel – Matthias Burchardt über das Alphabet der politischen Psychotechniken

Jens Wernicke
03.06.2015 TELEPOLIS

Matthias Burchard

Matthias Burchardt

Matthias Burchardt ist Akademischer Rat am Institut für Bildungsphilosophie der Universität zu Köln sowie entschiedener Kritiker der Bildungsreformen im Namen von PISA und Bologna.

Politik, Politik & Wirtschaft, Psychologie, Lobbyismus, Bildungsreform, Schule, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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http://www.heise.de/tp/artikel/44/44961/1.html

Die heimliche Privatisierung des öffentlichen Bildungswesens

von Renate Caesar, Dipl.-Pädagogin und Gymn.-Lehrerin
Seit Jahren wehren sich Menschen in vielen europäischen Ländern gegen die immer stürmischer anrollenden Wellen von Schulreformen, die nicht jeweils notwendige Erneuerungen in Teilbereichen beabsichtigen, sondern tief in das jeweilige Bildungssystem eingreifen, um Strukturen, Inhalte, Ziele, mit einem Wort: einfach alles umzustürzen.

Beispiele sind der Lehrplan 21 in der Schweiz und die Bildungsreform 2015 in Baden-Württemberg. Der Widerstand, der sich formiert, wird nicht nur von Lehrern und Eltern getragen, sondern auch zunehmend von Wissenschaftlern, Historikern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Lehrplanforschern. Was alle eint in ihrer Kritik, ist die Tatsache, dass die angestrebten  – und zum Teil leider schon umgesetzten  – Veränderungen keinerlei pädagogischen, didaktischen oder wissenschaftlichen Sinn ergeben.

Wie soll sich zum Beispiel das Lernen einer Fremdsprache verbessern, wenn das Sprachlernen, die «kommunikative Kompetenz», von der alle diese Reformen gern reden, in Hunderte von Einzelkompetenzen aufgeteilt ist, die der Schüler abarbeiten soll und den Lernerfolg dann in abzuhakenden Tests beweisen soll? (siehe Entwurf des Bildungsplans Englisch für die Förderstufe in Baden-Württemberg) Sprachlernen ist ja ein organisches Ganzes, der Schüler muss mit einem sprachkundigen Gegenüber zum Beispiel eine Frage hören, den Zusammenhang verstehen, die Bedeutung aufnehmen, passende Wörter suchen, antworten usw. Oder wie soll ein mündiger Staatsbürger heranwachsen, wenn er keinen systematisch aufbauenden Geschichtsunterricht mehr erhält, sondern nur noch beispielhaft «Machtverhältnisse», vielleicht in der Antike oder im Mittelalter «erkennen, verstehen und beurteilen» soll ohne solides Grundlagenwissen. (siehe Lehrplan 21 in der Schweiz)

Welchen Sinn haben Schulreformen?

Kurz gesagt: Eine Verbesserung schulischen Lernens durch diese Zerstückelung von Lernprozessen in Hunderte von Kompetenzen und Unterkompetenzen ohne solide aufbauende Inhalte kann niemand erkennen. Was für einen Sinn haben diese Reformen aber dann?

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http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2042

Die Schule geschafft, aber der Arbeitswelt nicht gewachsen

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen und Seniora-Leser, dieser Artikel benennt klar, was los ist im Bildungswesen! Es wäre wichtig, den Bericht gerade auch in Wirtschaftskreise weiterzugeben, damit dort endlich realisiert wird, welche verheerenden Folgen die von ihnen selbst forcierten Reformen für die Schüler haben.

Die Schule geschafft, aber der Arbeitswelt nicht gewachsen

Heutige Schüler trifft das Berufsleben wie ein Schock. Seit Jahren sollen "unnötige Härten" vermieden werden: keine Grundregeln beim Schreiben, keine schriftlichen Prüfungen, kein Sitzenbleiben. Mit der wahren Arbeitswelt sind Jugendliche so überfordert.

Erziehung, Bildungsreform, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Didaktik, Bildungswesen

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Zur Notwendigkeit der ethischen und kulturellen Dimension in der Bildungsdebatte

Gedanken zum lesenswerten Buch «Geisterstunde – Die Praxis der Unbildung» von Konrad Paul Liessmann
von Urs Knoblauch, Kulturpublizist und Gymnasiallehrer, Fruthwilen TG
In der gegenwärtigen Diskussion über Schule, Bildung und Lehrpläne wird von der Eltern- und Lehrerschaft und besonders von der Arbeitswelt immer wieder auf die fehlenden notwendigen Werthaltungen im Zusammenwirken hingewiesen.

geisterstunde

Buch: Geisterstunde

Auch die nötigen Fähigkeiten, der Einsatz und die Begeisterung für eine Sache fehlen da und dort. Dabei werden immer auch die zentralen Aufgaben von Schule und Elternhaus angesprochen: Wozu eigentlich eine gute Bildung? Aber auch staatspolitische Fragen werden von Eltern und dem Gewerbe immer wieder gestellt: Wofür werden eigentlich die Millionen an Steuergeldern ausgegeben?

In dieser wichtigen Debatte der demokratischen und staatspolitischen Meinungsbildung leistet das Buch «Geisterstunde» von Prof. Konrad Paul Liessmann, gerade auch in bezug auf den für 21 Schweizer Kantone geplanten zentralistischen Lehrplan 21, einen wertvollen Beitrag.

Der Autor lehrt am Institut für Philosophie der Universität Wien, ist Essayist und Kulturpublizist. 2003 erhielt er den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels und 2010 den Donauland-Sachbuchpreis. Er ist auch Herausgeber der Reihe «Philosophicum Lech». Seine beiden letzten Veröffentlichungen waren «Das Universum der Dinge» (2010) und «Lob der Grenze» (2012).

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Quelle: Zeit-Fragen
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2005
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