Seniora.org - Lehrplan 21/PISA

"Die Lehrer fühlen sich als Deppen"

Ökonom Mathias Binswanger rät, die Übung ganz abzublasen. Bloss abspecken reiche nicht. Mitte November präsentiert die Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweiz den überarbeiteten Lehrplan 21.
von Kari Kälin
Neue Luzerner Zeitung, 18.10.

Binswanger

"Der Lehrplan strotzt vor nichtssagenden Worthülsen"

Mathias Binswanger, in mehreren Kantonen, zuletzt Schwyz, wurden Initiativen gegen die Einführung des Lehrplans 21 lanciert. Überrascht Sie der Widerstand?

Mathias Binswanger: Nein. Es hat mich höchstens erstaunt, dass er sich nicht früher formiert hat. Erst nachdem im Kanton Baselland kritische Stimmen laut wurden, realisierte eine breite Öffentlichkeit, dass die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz mit dem Lehrplan 21  ein zwar gigantisches, aber praxisuntaugliches Werk installieren will.

Aber es macht doch Sinn, schweizweit einheitliche Lernziele zu definieren.

Binswanger: Aber nicht so, wie das im Lehrplan 21 geschieht. Es ist ein Wahnsinn, auf 557 Seiten 4753 Kompetenzen zu formulieren. Es ist ein Wahnsinn, den  Unterricht von oben herab bis in jedes Detail zu steuern und die Lehrer mit detailliert formulierten Kompetenzen zu normieren. Eine Vereinheitlichung hat ihren Preis. Wenn die Lehrer, deren Beruf ohnehin schon an gesellschaftlichem Prestige verloren hat, ihren Unterricht nicht mehr frei gestalten dürfen, dann sinkt ihre Motivation, der Lehrerberuf wird noch unattraktiver. Falsch ist sodann der Weg hin zur sogenannten „Kompetenzorientierung“. Man kann nicht kompetent sein ohne Wissen.

http://schuleschweiz.blogspot.ch/2014/10/die-lehrer-fuhlen-sich-als-deppen.html?showComment=1413734530171

«Dieses selbstorganisierte Lernen besteht aus einem endlosen Ausprobieren»

Was Schüler über selbstorganisiertes Lernen denken
von Susanne Lienhard
Die Einführung des bereits in der Erarbeitungsphase sehr umstrittenen Lehrplans21 liegt nun in der Kompetenz der Deutschschweizer Kantone. Die Opposition dagegen ist gross. In verschiedenen Kantonen haben Bürger Initiativen lanciert, die verlangen, dass die Einführung des Lehrplans21 vom Parlament und nicht wie bisher von der Erziehungsbehörde beschlossen werden muss.

Den Bürgern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, falls nötig, das Referendum dagegen ergreifen zu können. Der Lehrplan21 orientiert sich am OECD-Modell einer standardisierten Bildung, es werden nicht mehr fachspezifische inhaltliche Jahrgangsziele definiert, sondern schulische Inhalte in Tausende von Teilkompetenzen zerstückelt, die mittels flächendeckender Tests überprüfbar sein sollen. Die Kompetenzorientierung geht einher mit der Auflösung der bisherigen Fächer zu Gunsten von Sammelgefässen wie «Natur, Mensch und Gesellschaft» und der Einführung von Zyklen auf Kosten der bisherigen Jahrgangsziele. Ein Klassenunterricht, in dem der Lehrer mit allen Kindern seiner Klasse die altersentsprechenden Jahresziele erarbeitet, würde definitiv der Vergangenheit angehören, da die Heterogenität der Klassen stark zunähme und individualisierte Lernformen, zum Beispiel «selbstorganisiertes Lernen», zwingend eingeführt werden müssten.

Am 17.November berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» über zwei Schulen, die bereits jetzt auf individualisierte Lernformen setzen. Anhand dieser Beispiele wird gezeigt, wie dort das sogenannte «selbstorganisierte oder selbstentdeckende Lernen» in Lernateliers oder Lernlandschaften umgesetzt wird. Die Klassenstrukturen sind teilweise oder ganz aufgelöst, jeder Schüler arbeitet alleine an seinem eigenen Arbeitsplatz, der vorne, rechts und links mit einem Sichtschutz versehen ist, damit sich jeder konzentrieren und sein individuelles Lernprogramm abarbeiten kann. Im Schulzimmer, das einem Grossraumbüro ähnelt, herrscht absolute Ruhe.

Die Lehrer müssen sich zurücknehmen, dürfen den Schülern höchstens Hinweise geben, wo und wie sie Antworten auf ihre Fragen zum Beispiel im Internet finden können, sollen ihnen aber keine fertigen Antworten liefern und ihnen schon gar nicht den Lernstoff erklären. Sie werden zu sogenannten «Lernbegleitern» oder «Lerncoaches» reduziert. Schüler sollen so zu mehr Disziplin, Motivation und Verantwortungsbewusstsein erzogen werden, Fähigkeiten, die in der Wirtschaft besonders gefragt sind.

Quelle: 2015© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2001

Ausgewählte Leserbriefbeiträge zu Schule und Bildung

NZZ 18. 08. 2014

Pädagogischer Konstruktivismus

von Alfred Burger, Kilchberg (ZH) Erziehungswissenschafter

Eindrücklicher als Hermann J. Forneck hätte man nicht formulieren können, wie weit sich die pädagogischen Hochschulen (PH) in der Schweiz von der schulischen Wirklichkeit entfernt haben («Professionalisierung statt Innovationsabstinenz», NZZ 31. 7. 14). So weit entfernt, dass sich letztes Jahr Dozenten und Studenten gegen Fornecks Theorielastigkeit gewehrt hatten. Nun ist nichts gegen eine Theorie der Erziehungslehre einzuwenden. Sie muss aber mit der Realität übereinstimmen.

Back to the future!

Back to the future!

von Ralph Fehlmann

Der kompetenzorientierte Lehrplan 21 führt ein neues Paradigma des Unterrichtens in die Volksschule ein. Vor einigen Jahren war es noch verheissungsvoll. Nun hat es von seinem Glanz verloren. In vielen Ländern ist es bereits am Scheitern. Von Ralph Fehlmann

Ueken, Fricktal, 1971, Mittelstufe. Mein erster Einsatz als Primarlehrer. Meine Schüler und ich. (Nicht einmal ein Lehrbuch.)

Bildung durch Ökonomisierung bedroht

Aufrüttelnder Vortrag
Prof. Jochen Krautz
02.12.2012
Wohl kaum jemals hat ein Festvortrag vor einem Philologentag einen derart langen Beifall gefunden wie der von Professor Jochen Krautz zum Thema „Ökonomismus in der Bildung: Menschenbilder, Reformstrategien, Akteure".

Die Kernthese von Krautz: Das Grundmotiv des größten Teils jüngerer Bildungsreformen ist die Übertragung eines verkürzten ökonomischen Denkens auf Schule und Hochschule, das deren Auftrag im Kern verfehlt. Die Umgestaltung der Bildungsinstitutionen nach ökonomistischen Maximen ist strategisch geplant und wird mit raffinierten manipulativen Strategien durchgesetzt. Dieses Denken hat seinen Ausgangspunkt in den USA, Hauptakteure in Deutschland sind heute die OECD und die Bertelsmann-Stiftung.

Breite Kritik am Lehrplan 21 verlangt öffentliche Debatte

Breite Kritik am Lehrplan 21 verlangt öffentliche Debatte

Plädoyer für eine demokratische Konsensfindung über den Auftrag der Volksschule

Von Elsbeth Schaffner, 5. Januar 2014

In den letzten Monaten ist eine sachlich begründete kritische Diskussion über den Lehrplan 21 in breiten Kreisen erwacht. Die Kritik am Lehrplan 21 ist zahlreich und zum Teil grundsätzlicher Natur. Ob die Kantone den neuen einheitlichen Lehrplan irgendwann umsetzen, hängt sicher von der demokratischen Konsensfindung über die wesentlichen Ziele und Inhalte ab. Die offene Diskussion über den Auftrag, den unsere demokratische Gesellschaft der Volksschule erteilt, muss überhaupt erst geführt werden. Schulpraktiker und Eltern wollen einen eindeutigen Bildungsauftrag, der möglichst alle Schulabgänger zu einer qualifizierten Berufsausbildung befähigt und das Gemeinwohl fördert.

Buch "Menschen bilden" von Arthur Brühlmeier – Ein Leuchtturm in der Wüste

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen, sehr geehrte Seniora-Leser, zur vertieften Diskussion um den Lehrplan 21 ist das Buch von Dr. Arthur Brühlmeier ein MUSS. Sein Konzept "Lehrerbildung als Persönlichkeitsbildung ist heute wichtiger denn je.

«Die Bildungspolitik täte mit Blick auf die drängenden gesellschaftlichen Probleme gut daran, die Präferenzen gelegentlich zu überprüfen.»

von Erika Vögeli

Drei Jugendliche stehen vor Gericht  – sie haben Menschen einfach so zusammengeschlagen. Alle Anwesenden sind von den ruhigen Schilderungen eines der Opfer ergriffen  – alle, ausser den Tätern. Reue ist nicht spürbar, ein schlechtes Gewissen scheint sie nicht anzufechten. Sie sind  – leider  – keine Einzelfälle.

Classroom Walkthrough: Neues, an finstere Überwachungsmethoden erinnerndes Kontrollinstrument für Schulleiter

Thurgauer Schulleiter stützen Lehrplan 21
Der Hintergrund der folgenden Leserbriefe bildet die kürzlich stattgefundene Tagung der Thurgauer Schulleiter. Diese setzen sich ein für den Lehrplan 21 und werden über ein neues Führungsinstrument (Classroom Walkthrough) informiert.

Classroom Walkthrough: Neues Führungsinstrument für Schulleiter

21. September 2015

Die Thurgauer Schulleiter haben ein neues Führungsinstrument, das sich Classroom Walkthrough nennt. Dabei handelt es sich um ein Kontroll-Instrument, das bereits in den USA angewendet wird. Es gibt dazu auch schon eine entsprechende App fürs Handy. Wie funktioniert Classroom Walkthrough? Die Schulleitung besucht die Lehrkräfte 10 bis 15 Mal pro Jahr während 7 bis 10 Minuten. Die Lehrkräfte erhalten innerhalb von 24 Stunden ein schriftliches oder mündliches Feedback. Der Besuch ist nicht angemeldet, das Schulzimmer wird ohne anzuklopfen betreten. Es gibt keine Begrüssung und auch keine Verabschiedung. 

Es scheint mir ungeheuerlich, was da passiert: Erstens ist es stillos, einfach in eine Lektion hineinzutrampen ohne anzuklopfen und ohne begrüsst zu werden. Die Klassengemeinschaft hat für mich auch immer etwas Beschützendes - hier soll niemand exponiert werden und die Schüler und der Lehrer sollen sich sicher fühlen. Zweitens fehlt mir bei vielen Schulleitern die pädagogische Qualifikation. Weshalb sollten sich gute Lehrer jemandem unterordnen, der aus dem Klassenzimmer geflüchtet ist? Drittens wäre es illusorisch, das als Qualitätssicherung oder Weiterbildung anzusehen. Classroom Walkthrough ist ein Machtinstrument, welches das Gefälle zwischen Lehrer und Schulleitung verstärkt. Gehen Sie doch mal aufs Erziehungsdepartement Ihres Kantons und machen dort einen klassischen Walkthrough durch die Büros und senden danach per Email ein Feedback. Classroom Walkthrough macht deutlich, bei wem die Macht liegt. 

Das Vorgehen der Thurgauer Schulleiter hat etwas Verzweifeltes: Der nächste Schritt wäre dann das gläserne Klassenzimmer, das dank Kameras jederzeit vom Schulleiterbüro aus einseh- und hörbar ist. Wollen wir das wirklich? (uk)

Quelle:
http://schuleschweiz.blogspot.ch/2015/09/thurgauer-schulleiter-stutzen-lehrplan.html

Widerstand gegen den Lehrplan 21

Leserbrief Thurgauer Zeitung 18.9.

von Lutz Wittenberg

Einmal mehr dürfen wir lesen, dass sich die Schulleiter für den Lehrplan 21 einsetzen. Eigentlich klar, wenn man überlegt, dass sie die Weisungen des Volksschulamtes transportieren müssen  – dafür wurden sie ja geschaffen. Ausserdem will sich der Verband gegen Unwahrheiten einsetzen! So, so  – begründete Kritik glaubt man so loszuwerden? So einfach wird dies nicht, denn der Widerstand gegen den Lehrplan 21 ist personell und inhaltlich sehr breit abgestützt/siehe www.gute-schule-tg.ch

Ein Hauptkritikpunkt an dieser radikalen Schulreform lautet, dass die Lehrpersonen dadurch noch mehr gezwungen würden, Schüler allein an ihren Kompetenzaufgaben herumpröbeln zu lassen  – „selbstgesteuerter“ oder „offener“ Unterricht heisst das dann. „Unwahrheit!“, heisst es dann wahrscheinlich vom Schulleiterverband, im Lehrplan stünde ausdrücklich etwas von Methodenfreiheit des Lehrers.

Doch erstens kann man das Vorantreiben „offener“ Unterrichtsformen im Lehrplan selbst zeigen. Zweitens heisst es in der Vernehmlassungsantwort des Lehrerverbands LCH: „Die ‚Methodenfreiheit‘ der Lehrpersonen wird stark relativiert.“ Und drittens wird es noch interessanter, wenn man den Artikel weiter liest, was an der Schulleitertagung gelaufen ist. Man habe das Führungsinstrument „Classroom Walkthrough“ kennengelernt: Der Schulleiter soll jeden Lehrer zehn- bis fünfzehnmal unangemeldet für ein paar Minuten im Unterricht besuchen. Schon wieder eine neue Kontrollform, die die Lehrpersonen in eine modernistische Richtung zwingen soll.

Interessant ist die Homepage des Referenten, der die Schulleiter dieses Führungsinstrument beigebracht hat. Dort findet man einen exemplarischen Bogen mit Aspekten, auf die die Schulleiter bei diesen Besuchen achten sollen. Einer von vier fragt, ob „offene“ Lernformen angewendet werden. Wohin die Bildungsbürokratie will, ist folglich klar! Also: Gibt es jetzt Methodenfreiheit oder nicht? Offensichtlich nicht. Leider müssen wir damit rechnen, dass berechtigte Kritik am Lehrplan 21 als Unwahrheit abgetan wird, weil die Befürworter keine guten Argumente haben. Zum Glück werden wir im Thurgau über dieses Schulreformwerk abstimmen können.

Eingestellt von Urs Kalberer

Lernen ist etwas anderes als aus dem Internet kopieren

von Georg Koch, Stettfurt

Regierungsrätin Knill und ihre Experten scheinen sich nicht so sicher zu sein, dass ihre Vorstellungen vom zukünftigen Unterrichten bei den Lehrern breite Zustimmung finden. Der mit tausenden von Kompetenzen völlig überladene LP21, der die einzelnen Fächer völlig verhackstückt und gleichzeitig überfrachtet, ist nicht praxistauglich.

Er verhindert ein systematisches, zusammenhängendes Erlernen der Grundfertigkeiten, die man als Staatsbürger und im Beruf braucht. Der LP21 überfordert viele Schüler, da er das eigenständige individuelle Lernen favorisiert.

Er verhindert damit seinen Verfassungsauftrag, die Ziele der Bildungsstufen bundesweit anzugleichen. Es sei denn, man versteht darunter völlig individuelle Lernstände als allgemeingültiges Ziel.

Aufgrund der Proteste aus der Lehrerschaft wird immer wieder betont, dass die Unterrichts- und Methodenfreiheit der Lehrpersonen auch in Zukunft gewahrt blieben. Diese Beruhigungspille schluckt jedoch kein Lehrer, der den LP21 wirklich gelesen hat und dann z.B. feststellt, dass sein Fach Geschichte im Konglomerat NMG (Natur  – Mensch  – Gesellschaft) untergeht.

Etwa Schweizer Geschichte soll erst ab der 7. Klasse in kürzester Zeit und in einem Wust von hochanspruchsvollen Fragen vermitteln werden. So sollen Schüler in der Pubertät „eine kurze historische Darstellung einer ausgewählten Region vom Beginn der Neuzeit bis heute verfassen“ können. Lernen ist jedoch etwas anderes als die „Kompetenz“, etwas aus dem Internet herauszukopieren.

Um die Lehrerschaft auf Kurs zu bringen, sollen nun die Schulleiter mittels „Classroom Walkthrough“ (Thurgauer Zeitung 4.9.2015) kontrollieren, ob die Lehrer fragwürdige „offene Lernformen“ verwenden und die Schüler genügend Zeit haben, „ihre Arbeiten in ihrem eigenen Tempo zu erledigen“.

So jedenfalls bringt es ihnen Ex-Lehrer Schwendener bei, der seine Kontrollgangmethode für 450 Sfr pro Person nun an die Thurgauer Schulleiter verkauft. Hauptsache es klingt amerikanisch und kommt von da…

Wir befinden uns in der direkdemokratischen, neutralen, bewaffneten Eidgenossenschaft. Wir schreiben das Jahr 2015.

In dieser Eidgenossenschaft gibt es vier Landessprachen, Englisch ist nicht dabei.

Diese für eidgenössische Zungen eher ungewohnte oder unaussprechliche Wortschöpfung "Classroom Walkthrough" ist nun der OFFIZIELLE Begriff der thurgauer Bildungsdirektion, der den Schulleitern die nötige Macht verleiht, etwaige unbotmässige Lehrer (die heute Lehrpersonen heissen) und wagen sollten, die Methodenfreiheit für sich in Anspruch zu nehmen, auf den rechten LP21-Weg zu steuern (zwingen).

Classroom-Walkthrough auf Deutsch: Spaziergang durchs Klassenzimmer. Dass sich im Lande Pestalozzis Pädagogen zwingen lassen, dass man ihnen mittels eines angelsächsischen neoliberalen Steuerungsinstruments ihr pädagogisches Selbstverständnis verbietet, nämlich als Person im Klassenzimmer mit allen Sinnen präsent zu sein und die Schüler mit Empathie anzuleiten und eine Klassengemeinschaft zu formen, ist mir unerklärlich.

Nun wird also geprüft, ob der Lehrer tatsächlich die Rolle des "Coach" oder des "Moderator" eingenommen hat. Unangemeldet, ohne anzuklopfen, ohne Gruss tritt der Schulleiter ins Klassenzimmer, macht sein "Walkthrough", macht seine "Look fors", ob die vorgeschriebenen "Offenen Lernformen" durchgeführt werden und gibt innert 24 Stunden sein "Feed-back". Schrecklich!

Quelle: Willy Wahl, Zürich

Das Verschwinden des Wissens

ein NZZ-Gastkommentar zur Bildung
von Konrad Paul Liessmann, Philosophieprofessor
Es ist gespenstisch: Wie von Geisterhand geführt, hat sich in den letzten Jahren, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, eine der radikalsten Veränderungen an Schulen und Universitäten vollzogen, ein Bruch mit einer jahrhundertealten Tradition, eine völlige Neuorientierung dessen, was Bildungseinrichtungen zu leisten haben und was die Absolventen solch einer Einrichtung auszeichnen soll. «Kompetenzorientierung» lautet das Zauberwort, das nun die Lehr- und Studienpläne dominiert, das alles, was man bisher glaubte lehren und vermitteln zu müssen, hinfällig werden lässt, das endlich garantieren soll, dass anstelle toten Wissens brauchbare Fähigkeiten erworben werden, und das verspricht, dass nichts Unnützes mehr gelernt wird, sondern nurmehr das, was mit der Lebenswelt von Schülern und Studenten, mit ihren Bedürfnissen und Problemen zu tun hat oder auf diese anzuwenden ist.

Das Ziel von Bildungsprozessen ist nicht mehr eine wie auch immer definierte Bildung, sondern der umfassend kompetent gewordene Mensch, der mit Fähigkeiten ausgestattet ist, die es ihm angeblich erlauben, in jeder Situation die angemessenen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig verspricht die Umstellung von Bildung auf Kompetenzen endlich verlässliche Instrumentarien zu schaffen, um genaue Messungen und Bewertungen dieser Fähigkeiten vornehmen zu können.

Das Kompetenzkonzept ist ein Kind der Ökonomie

Quelle: NZZ
http://www.nzz.ch/meinung/debatte/das-verschwinden-des-wissens-1.18383545

Der Griff nach der Bildung

Die Umgestaltung unseres Schulwesens nach der Ideologie des Neoliberalismus

von Dr. Alfred Burger, Zürich

In den letzten Wochen und Monaten wurde deutlich, dass weltweit operierende, einflussreiche Finanzkreise zur Befriedigung ihrer Geld- und Machtgier nicht davor zurückschrecken, ein Geschäft mit den Grundbedürfnissen der Menschen zu machen und ganze Volkswirtschaften zu ruinieren.

Der Konstruktivismus als Manipulationsinstrument

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen und Seniora-Leser!

Nicht nur die Schulreformen in Deutschland, sondern auch der stark umstrittene Lehrplan 21 in der Schweiz haben den Konstruktivismus zum Fundament. Eltern und Pädagogen sind aufgerufen, sich mit dieser anti-wissenschaftlichen Ideologie ernsthaft auseinanderzusetzen! Der ganze Vorgang zum Schaden unserer Kinder  ist so unglaublich, dass er an die ganz grosse Glocke gehört.

Mit herzlichem Gruss
Willy Wahl

Der Konstruktivismus als Manipulationsinstrument

Der weltanschauliche Hintergrund der Gemeinschaftsschulen und ihres pädagogischen Konzeptes

von Moritz Nestor

Es ist nur wenig bekannt, dass das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg sein weltanschauliches Fundament im Kontruktivismus hat. Was es mit dieser Weltanschauung auf sich hat, zeigt der folgende Artikel.

Der Schlussverkauf öffentlicher Bildung soll beginnen

Jens Wernicke sprach hierzu mit dem renommierten PISA-Kritiker und stellvertretenden Geschäftsführer der Gesellschaft Bildung und Wissen Matthias Burchardt.
ein Interview von Jens Wernicke, Verantwortlicher: Wolfgang Lieb
8. September 2014
Die Behauptung, dass PISA alles besser mache, ist durch die Realität in deutschen Klassenzimmern evident widerlegt. Die Kritik am „Besser durch Messen“ gewann daher auch zunehmend an Fahrt.

Eine in der ZEIT unter der Überschrift „Unser Schulsystem ist ineffizient. Die Pisa-Gewinner kommen mit weniger Lehrern und geringerer Bezahlung aus“ vorgestellte Studie der britischen Bildungsberatung Gems Education Solutions heizt die Debatte nun auf neue Art an, werden ob derlei „PISA-Analysen“ doch zunehmend Fragen laut, ob das stete Wiegen, das die sprichwörtliche Sau, so die Kritiker, ohnehin noch nie fetter gemacht habe, nicht womöglich von Beginn an viel mehr auf Kürzungen nationaler Bildungsbudgets denn auf reale Verbesserungen der Lernbedingungen deutscher Schüler ausgerichtet gewesen ist. Jens Wernicke sprach hierzu mit dem renommierten PISA-Kritiker und stellvertretenden Geschäftsführer der Gesellschaft Bildung und Wissen Matthias Burchardt.

Herr Burchardt, nun ist die Katze endlich aus dem Sack. Denn Wissenschaftler haben festgestellt, dass  – ich zitiere:

„Deutschland (…) im neuen internationalen Index zur Effizienz der Bildungssysteme von 30 OECD-Ländern ganz weit hinten auf Platz 25 und damit hinter allen anderen nordeuropäischen Ländern mit Ausnahme der Schweiz  – und das trotz einer relativ hohen PISA-Platzierung“ liege. Unser Bildungssystem soll also  – das wundert mich sehr  – offensichtlich zum einen gut sein und zum anderen  – das irritiert mich noch mehr  – auch noch „teurer als notwendig“…

Na, das sind ja wirklich einmal gute Neuigkeiten! Bedenken Sie nur, wie viel Geld jetzt plötzlich erwiesenermaßen frei werden könnte für humanitäre Destabilisierungskriege oder Bankenrettungen… Aber im Ernst: Sie verstehen das schon richtig. Beide Thesen werden von den Urhebern der Studie sehr deutlich formuliert. Und die Lösung haben sie auch gleich parat, denn zum einen seien die Klassen hierzulande zu klein und zum anderen verdienten die Lehrer zu viel. Dass sich dieser Unfug noch als Wissenschaft darzustellen vermag, sagt sicher mehr über den Verfall der Wissenschaft als über die Qualität oder „Effizienz“ unseres Bildungssystems aus.

Matthias Burchardt ist Akademischer Rat am Institut für Bildungsphilosophie an der Universität zu Köln und entschiedener Kritiker der Bildungsreformen im Namen von PISA und Bologna.
Quelle: Nachdenkseite
http://www.nachdenkseiten.de/?p=23149

Der Zensur des Tages-Anzeigers zum Opfer gefallen!

Ein Leserbrief nimmt glasklar Stellung zum Lehrplan21-Vernebelungsartikel des TA vom 18. 8. 2015. Er wurde nicht veröffentlicht. Seniora.org stellt ihn seinen Lesern hiermit zur Verfügung:
Drei Viertel aller Lehrer haben laut Sonntagszeitung genug von den ständigen Schulreformen. Ihr Reformüberdruss sei die Hauptursache für den wachsenden Widerstand der Lehrer gegen den Lehrplan 21, schreibt die Zeitung, und die Forderung nach einem Reformstopp sei berechtigt.

Immer mehr Widerstand gegen den Lehrplan 21

Die Politiker sollten endlich «das Chaos ordnen», statt «weiter am Schulsystem herumzuschrauben», so die Sonntagszeitung. Dem können unzählige Eltern, Lehrer, Kinderpsychologen und Kinderärzte nur erleichtert zustimmen.

Die heimliche Privatisierung des öffentlichen Bildungswesens

von Renate Caesar, Dipl.-Pädagogin und Gymn.-Lehrerin
Seit Jahren wehren sich Menschen in vielen europäischen Ländern gegen die immer stürmischer anrollenden Wellen von Schulreformen, die nicht jeweils notwendige Erneuerungen in Teilbereichen beabsichtigen, sondern tief in das jeweilige Bildungssystem eingreifen, um Strukturen, Inhalte, Ziele, mit einem Wort: einfach alles umzustürzen.

Beispiele sind der Lehrplan 21 in der Schweiz und die Bildungsreform 2015 in Baden-Württemberg. Der Widerstand, der sich formiert, wird nicht nur von Lehrern und Eltern getragen, sondern auch zunehmend von Wissenschaftlern, Historikern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Lehrplanforschern. Was alle eint in ihrer Kritik, ist die Tatsache, dass die angestrebten  – und zum Teil leider schon umgesetzten  – Veränderungen keinerlei pädagogischen, didaktischen oder wissenschaftlichen Sinn ergeben.

Wie soll sich zum Beispiel das Lernen einer Fremdsprache verbessern, wenn das Sprachlernen, die «kommunikative Kompetenz», von der alle diese Reformen gern reden, in Hunderte von Einzelkompetenzen aufgeteilt ist, die der Schüler abarbeiten soll und den Lernerfolg dann in abzuhakenden Tests beweisen soll? (siehe Entwurf des Bildungsplans Englisch für die Förderstufe in Baden-Württemberg) Sprachlernen ist ja ein organisches Ganzes, der Schüler muss mit einem sprachkundigen Gegenüber zum Beispiel eine Frage hören, den Zusammenhang verstehen, die Bedeutung aufnehmen, passende Wörter suchen, antworten usw. Oder wie soll ein mündiger Staatsbürger heranwachsen, wenn er keinen systematisch aufbauenden Geschichtsunterricht mehr erhält, sondern nur noch beispielhaft «Machtverhältnisse», vielleicht in der Antike oder im Mittelalter «erkennen, verstehen und beurteilen» soll ohne solides Grundlagenwissen. (siehe Lehrplan 21 in der Schweiz)

Welchen Sinn haben Schulreformen?

Kurz gesagt: Eine Verbesserung schulischen Lernens durch diese Zerstückelung von Lernprozessen in Hunderte von Kompetenzen und Unterkompetenzen ohne solide aufbauende Inhalte kann niemand erkennen. Was für einen Sinn haben diese Reformen aber dann?

http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2042

Die Macht der Messung

Wie die OECD mit PISA ein neues Bildungskonzept durchsetzt
von S. Graupe und J. Krautz
06.05.2014
Die PISA-Studien und ihre Ergebnisse entscheiden darüber, wie künftige Generationen gebildet werden. Ein Maß soll die Fähigkeiten und Fertigkeiten, neudeutsch: Kompetenzen, von Schülern in über 30 Ländern vergleichen und bewerten.

Dabei bekannte bereits PISA 2000 offen, dass sich dieses Maß nicht an den Bildungstraditionen, Verfassungen und Richtlinien der vermessenen Länder orientiere. Vielmehr liege den Testungen ein eigenes Konzept mit normativer Wirkung zugrunde: Lehrer, Schulen und ganze Bildungssysteme sehen sich weltweit in ein einziges Schema gezwungen, nach dessen Kriterien sie allein Exzellenz erlangen sollen. So ist angesichts der von hoher medialer Aufmerksamkeit begleiteten Veröffentlichungen von PISA zu fragen: Was sind eigentlich dieKriterien dieser Messungen? Und wer hat Macht, über deren „Richtigkeit“ zu bestimmen?

Diese Fragen führen unmmittelbar zu der für den PISA-Test verantwortlichen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach eigenen Angaben „eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Indikatoren zu Bildungsleistungen“ spielt und damit „die staatliche Bildungspolitik nicht nur bewerten, sondern auch zu ihrer Gestaltung beitragen“ will.

In Peer-Reviews wie PISA sieht die OECD den „effizienteste(n) Weg, Einfluss auf das Verhalten souveräner Staaten auszuüben“ ,obwohl ihr dieser Einfluss nicht zusteht. Den Plan hierzu fasste sie im Jahre 1961 bei einer in Washington einberufenen Konferenz „Wirtschaftswachstum und Bildungsaufwand“.

Deren Ergebnisse wurden sodann, wie die Kulturkommission des Europarates ohne jede Kritik feststellt, zum unmittelbaren „Gegenstand der Beratung der nationalen Ministerien und Parlamente. Sie wurden außerdem stark bestimmend für die gesamte öffentliche Erörterung pädagogischer und bildungspolitischer Probleme.“

Quelle: Erschienen in: COINCIDENTIA  – Zeitschrift für europäische Geistesgeschichte. Beiheft 4: Der andere Blick: Fragendes Denken zum theoretischen Rahmen der empirischen Bildungsforschung. Hrsg. v. Harald Schwaetzer/Johanna Hueck/Matthias Vollet. Kueser Akademie, Bernkastel Kues 2014.
http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2014/05/graupe_krautz_macht_der_messung_Coincidentia.pdf
http://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/from-yardstick-to-hegemony.html

Die Schule geschafft, aber der Arbeitswelt nicht gewachsen

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen und Seniora-Leser, dieser Artikel benennt klar, was los ist im Bildungswesen! Es wäre wichtig, den Bericht gerade auch in Wirtschaftskreise weiterzugeben, damit dort endlich realisiert wird, welche verheerenden Folgen die von ihnen selbst forcierten Reformen für die Schüler haben.

Die Schule geschafft, aber der Arbeitswelt nicht gewachsen

Heutige Schüler trifft das Berufsleben wie ein Schock. Seit Jahren sollen "unnötige Härten" vermieden werden: keine Grundregeln beim Schreiben, keine schriftlichen Prüfungen, kein Sitzenbleiben. Mit der wahren Arbeitswelt sind Jugendliche so überfordert.

Ein Diskussionsbeitrag zum Lehrplan 21

Ein Diskussionsbeitrag zum Lehrplan 21

von Elsbeth Schaffner

Der lange hinter verschlossenen Türen ausgearbeitete Lehrplan 21 liegt seit dem Sommer der Öffentlichkeit zur Konsultation vor. Es handelt sich dabei um ein 557 Seiten umfassendes Papier, mit Leitideen und sogenannten Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler aller Deutschschweizer Kantone zukünftig während ihrer Volksschulzeit erwerben sollen.

Bereits am 29. Juni erschien in der NZZ ein Artikel, der hellhörig machte: „ Die Auswahl der Themen  – Politik, Demokratie und Menschenrechte, Umwelt und Ressourcen, Gender und Gleichstellung, Globale Entwicklung und Frieden, interkulturelle Verständigung, Wirtschaft und Konsum  – dürfte einiges Interesse wecken.“

Eltern, Bürger und Experten wehren sich gegen den Bildungsabbau in ihren Kantonen

Endversion des Lehrplans 21 untauglich
In kurzer Zeit haben sich in Schweizer Kantonen Komitees gebildet, die sich für eine gute Volksschule engagieren. Im Aargau, in Schwyz, in Zürich und in St.Gallen sind Initiativen gestartet worden, und auch in Solothurn steht man kurz davor. In weiteren Kantonen bilden sich Komitees von besorgten Eltern, Lehrern und Bürgern, um sich gegen die stillschweigende Übernahme des Lehrplan 21 zu wehren.

rl. Gemeinsam ist den Initianten aus den einzelnen Kantonen das Anliegen, eine gute Volksschule zu gewährleisten, die dem einzelnen Kind gerecht wird und auch unserer modernen Gesellschaft.

Untaugliche Didaktik

Immer mehr Eltern stören sich daran, dass ihren Kindern schon heute eine solide Bildung vorenthalten wird. Unter dem Schlagwort der «Selbständigkeit» arbeiten Schüler zunehmend  – allein auf sich zurückgeworfen  – Arbeitsblätter ab. Eltern bemühen sich daheim in unzähligen Stunden, die «Wochenplan»-arbeiten oder «Präsentationen» ihrer Kinder zu verstehen. Derweilen werden Lehrer immer mehr zu «Lernbegleitern» oder «Lerncoaches» degradiert. Nur sehr wenigen Eltern ist die dem Unterricht zugrundeliegende «systemisch-konstruktivistische» Didaktik bekannt. Diese ist mehr als umstritten und taugt nicht für eine gute Volksschule. Doch sie gibt den Takt im Schulzimmer zunehmend an.

KMU brauchen solide Grundlagen

Viele Unternehmer und Lehrlingsbeauftragte aus KMU stemmen sich schon länger gegen diese Fehlentwicklungen. Ihnen fällt auf, dass die Schulabgänger immer weniger Grundlagen beherrschen und aufwendig nachgeschult werden müssen. Genau diese Fehlentwicklungen werden mit dem Lehrplan 21 festgeschrieben. Mit dem neuen Lehrplan wird es nicht mehr möglich sein, von den Schulabgängern einheitliche solide mathematische oder physikalische Grundkenntnisse zu erwarten. Die Konzeption des Lehrplans 21 ist nicht darauf ausgerichtet.

Quelle: 2014© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1981
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