Schon im ersten Lebensjahr werden Worte leicht gelernt

Neugeborene: Sprachbegabter als bislang angenommen.

Babies verfügen über ausgeprägtere Sprachfähigkeiten als bisher gedacht. Schon im ersten Lebensjahr sind sie in der Lage, wesentlich kompliziertere Begriffe als Mama oder Papa zu verstehen und die dazugehörigen Gegenstände zu erkennen.

Bad, Auto oder Bett  – solche Worte erkennen Babys durchaus schon vor ihrem ersten Geburtstag, auch wenn sie selbst noch nicht sprechen können. Bislang glaubten Forscher, dass mindestens das zweite Lebensjahr erreicht werden muss, um in der Lage zu sein, auch abstraktere Begriffe zu erlernen, die nichts mit dem Alltag zu tun haben. Das sieht der britische Entwicklungspsychologe Graham Schafer ganz anders: "Es scheint, dass junge Kinder bei der Wortbenutzung flexibler sind als Wissenschaftler und Eltern bisher dachten."

Um seine Annahme zu beweisen, führte der Wissenschaftler von der University of Reading in Großbritannien ein Experiment durch, dessen Ergebnisse er nun im Fachjournal "Child Development" veröffentlichte. Er bat die Eltern von 52 neun Monate alten Babys, viermal in der Woche zehn Minuten lang einfache Spiele mit ihren Kindern zu spielen. Dabei sollten sie den Kleinen mithilfe von Bilderbüchern und Bildkarten einfache Begriffe wie Fisch, Apfel oder Schlüssel nahe bringen.

Der Fisch wurde richtig erkannt.

Drei Monate später, die Kinder waren nun ein Jahr alt, wurde der Lernerfolg überprüft. Den Babys wurden zwei unterschiedliche Bilder gezeigt, etwa ein Schlüssel und ein Fisch. Dann kam die Anweisung vom Versuchsleiter, den Fisch anzuschauen. Die Bilder zeigten die mit den Eltern gelernten Begriffe, aber der Fisch oder der Schlüssel sahen anders aus.

Und wie Schafer vermutet hatte, lenkten die trainierten Babies ihren Blick meist in die richtige Richtung. Sie hatten also schon ein deutliches Sprachverständnis und konnten bis zu einem gewissen Grad abstrahieren, was ein Fisch ist. Eine Kontrollgruppe mit untrainierten Kindern schnitt bei dem Test wesentlich schlechter ab. Schafer ist sich sicher, dass die Babys wirklich das Wort gelernt hatten und sich nicht mit anderen Erinnerungstricks behalfen: "Die Bilder, die Stimmen und der Kontext waren alle völlig neu für die Kinder."

Schafer glaubt, dass Eltern und Babys von seinen Erkenntnissen profitieren könnten. "Eltern sollten sich bewusst machen, dass es keine untere Altersgrenze gibt, ab der die Kinder in der Lage sind, neue Wörter zu lernen", erklärte er. "Eltern sollten definitiv schon mit ihren jüngsten Kindern reden, mehr noch als sie es heute tun."

Quelle:
http://www.reading.ac.uk/

Psychologie, Erziehung, Familie, Sprache, Sprachentwicklung

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