Seniora.org - Sprache

Brief aus Brasilien zur Bedeutung unserer Muttersprachen

Von Wolf Gauer, São Paulo / Brasilien*
Liebe Schweizerinnen und Schweizer, hab grad auf infosperber Daniel Goldsteins Beitrag "Liebe Festgemeinde, verstehen Sie mich?" gelesen. Darf ich einmal den Teufel an die Wand malen?

Ja, Französisch und Italienisch fallen allmählich ganz europaweit unter den Tisch. Auch in Deutschland. Ich hatte noch das Glück, 6 Jahre Latein und 9 Jahre Französisch auf dem "Neusprachlichen Gymnasium" zu lernen. Britisches Englisch lief so nebenher, Altgriechisch und Russisch gabs im Wahlangebot. Mittlerweile ist Englisch überall die Nummer Eins, möglichst in der amerikanischen Alltags-Version von 300 Wörtern und mit penetrant aufgesetztem Kaugummi-Akzent.

Yeah, you guys, in absehbarer Zeit  könnte es sein, dass Deutsch- und Welschschweizer ganz plötzlich auf Englisch umschalten, wenn sie irgendetwas eingehender besprechen müssen. Denn so will es die angloamerikanische Weichenstellung: Anglophonie, angloamerikanischer "life style" - identische, marktorientierte Verbraucher- und Verhaltensgewohnheiten. Die globalen "Eliten" haben den Ami-Slang ja längst adoptiert. TTIP will u.a. die Publikationsnormen europäischer Filme den US-amerikanischen unterwerfen. Am Tag des französischen Gesetzerlasses zur Verwendung des Französischen im öffentlichen Bereich taufte der französische Verkehrsminister den ersten französischen Kanaltunnel-Zug "Le Shuttle". 

Die ersten Jahre bestimmen den Rest des Lebens

Vortrag von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher: Die Rolle des Staates und die der Familien

Eröffnungsvortrag auf der Konferenz „Betreuung der Kleinkinder zwischen Familie und Staat“ des Ministeriums für Arbeit und Soziales der Tschechischen Republik.

Dem bedeutenden tschechischen Kinderpsychologen Professor Zdeněk Matějček (1922 –2004) gewidmet

Vor 800 Jahren wollte der deutsche Kaiser Friedrich II. von Barbarossa (1194 –1250) herausfinden, welches die Ursprache ist.

Quelle: 1. Aufl. 2009 MBS Texte Martin Bucer Seminar
http://www.thomasschirrmacher.info/archives/571

Die Sprache als Brücke zum Mitmenschen

von Dr. Eliane Gautschi, Sonderpädagogin und Psychologin, Zürich
Aus Sicht eines personalen Menschenbildes verbindet sich der Mensch mittels der Sprache mit seinen Mitmenschen. Sie ist weit mehr als die Mitteilung von Bedürfnissen bei der Gestaltung des Lebensalltags. Darauf wies bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts der Wiener Psychologe Alfred Adler hin: «Die Sprache ist ein Band zwischen zwei oder mehr Menschen, um zu vermitteln, was sie meinen. Dieses Kunstwerk verdanken wir der Gesamtheit und können verstehen, dass es nur entwickelt werden konnte, wo Interesse für den andern bestand.»1

Unsere Sprache bildet die Brücke zu unseren Mitmenschen und befähigt uns, Gedanken, Gefühle und Absichten auszudrücken und anderen mitzuteilen. Mit den Begrifflichkeiten fassen wir innerlich unsere Gedanken und strukturieren sie. Je feiner wir eine Sprache kennen, desto besser können wir etwas genauso ausdrücken, wie wir es meinen. Wir sind aber auch in der Lage, unsere Mitmenschen in ihren mündlichen und schriftlichen Äusserungen differenziert zu verstehen. Sie ermöglicht uns den vertieften Dialog mit unseren Mitmenschen. Sprache und Sprachfähigkeit sind deshalb sehr wesentlich für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen.

Für die Lebensqualität und das Lebensgefühl eines Menschen ist es wichtig, dass er sich der Sprache mächtig fühlt und sich ihrer bedienen kann. Stört man ein Kind bei der Entwicklung dieser Fähigkeiten, so beraubt man es eines wichtigen seelischen Werkzeugs seiner Persönlichkeitsentwicklung. Diese Sicht verweist darauf, dass Sprachunterricht  – sei es in der Mutter- oder in einer Fremdsprache  – das Fundament zwischenmenschlicher Beziehungen aufbauen hilft  – wenn er mit diesen Zielsetzungen aufgebaut ist.

Beziehung als Basis

Der Spracherwerbsprozess ist komplex. Die biologischen Voraussetzungen dafür bringt ein Kind zwar mit; ohne sprachliche Umwelt wäre es ihm jedoch nicht möglich, eine Sprache zu lernen. Dazu braucht es seine Mitmenschen. Die Mutter2 schafft über den Dialog eine erste gemeinsame Erfahrungswelt mit dem Kind. Sie schlägt eine Brücke und zeigt ihm den Weg zur Welt. Sie interpretiert sein Verhalten und reagiert darauf. Dadurch ermöglicht sie es dem Säugling, sich die Basis für den Spracherwerb zu schaffen.

Im Vordergrund steht vorerst nicht, dem Kind die Sprache beizubringen, sondern die Mutter stellt eine positive, gefühlsmässige Beziehung her und macht das gegenseitige Verstehen möglich. Eine erste Abgrenzung sozialer Rollen lernt ein Kind, weil beispielsweise der Vater anders zu ihm spricht. Mit der Sprache beginnt sich das Kind auch zunehmend in seiner Kultur zu verwurzeln und sich mit ihr zu identifizieren.

Quelle: 2014 © Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1914

Dürrenmatt und sein schönes Schriftdeutsch

Friedrich Dürrenmatt wird jetzt überall gefeiert. Kaum zur Sprache kommt dabei sein schönes Schweizer Schriftdeutsch.
Niklaus Ramseyer / 11. Dez 2020 /InfoSperber
Wir waren zufällig ins Gasthaus «Zum Kantonsschild» in Gempenach (BE) gekommen. Und merkten bald, dass es für unser Budget als Studenten wohl obere Limite sein könnte. Was soll ‘s: Wir bestellten Fisch, Pommes Alumettes und grünen Salat. Dazu einen Halben weissen Neuenburger. Und dann hörten wir plötzlich diese kehlige Stimme.

Ganser und die «chinesische Diktatur»

Eine Lesezuschrift von Wolf Gauer, São Paulo*

Geschätze Leserin, geschätzter Leser,
häufig erhalten wir Hinweise zur Publikation. Kürzlich von einem Seniora-Leser zu Daniele Gansers Vortrag *«Corona und China: Eine Diktatur als Vorbild?». Das China-Bashing «Diktatur» ärgert uns schon lange, da wir denken, dass die meist negative Darstellung Chinas in unseren westlichen Medien von Überheblichkeit und historischer Unkenntnis getragen ist. Unserem Hinweisgeber sandten wir eine Leseempfehlung für Herrn Ganser zum chinesischen Denker Mencius*, der vor 2300 Jahren Wesentliches zur Menschlichen Natur beigetragen hat. Und wir baten unseren Freund und China-Interessierten, Wolf Gauer, um eine kurze Einschätzung, die wir Ihnen hier gerne weitergeben. Herzlich Margot und Willy Wahl

Schon im ersten Lebensjahr werden Worte leicht gelernt

Neugeborene: Sprachbegabter als bislang angenommen.

Babies verfügen über ausgeprägtere Sprachfähigkeiten als bisher gedacht. Schon im ersten Lebensjahr sind sie in der Lage, wesentlich kompliziertere Begriffe als Mama oder Papa zu verstehen und die dazugehörigen Gegenstände zu erkennen.

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