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Seniora.org - Bildungsreform

«Dieses selbstorganisierte Lernen besteht aus einem endlosen Ausprobieren»

Was Schüler über selbstorganisiertes Lernen denken
von Susanne Lienhard
Die Einführung des bereits in der Erarbeitungsphase sehr umstrittenen Lehrplans21 liegt nun in der Kompetenz der Deutschschweizer Kantone. Die Opposition dagegen ist gross. In verschiedenen Kantonen haben Bürger Initiativen lanciert, die verlangen, dass die Einführung des Lehrplans21 vom Parlament und nicht wie bisher von der Erziehungsbehörde beschlossen werden muss.

Den Bürgern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, falls nötig, das Referendum dagegen ergreifen zu können. Der Lehrplan21 orientiert sich am OECD-Modell einer standardisierten Bildung, es werden nicht mehr fachspezifische inhaltliche Jahrgangsziele definiert, sondern schulische Inhalte in Tausende von Teilkompetenzen zerstückelt, die mittels flächendeckender Tests überprüfbar sein sollen. Die Kompetenzorientierung geht einher mit der Auflösung der bisherigen Fächer zu Gunsten von Sammelgefässen wie «Natur, Mensch und Gesellschaft» und der Einführung von Zyklen auf Kosten der bisherigen Jahrgangsziele. Ein Klassenunterricht, in dem der Lehrer mit allen Kindern seiner Klasse die altersentsprechenden Jahresziele erarbeitet, würde definitiv der Vergangenheit angehören, da die Heterogenität der Klassen stark zunähme und individualisierte Lernformen, zum Beispiel «selbstorganisiertes Lernen», zwingend eingeführt werden müssten.

Am 17.November berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» über zwei Schulen, die bereits jetzt auf individualisierte Lernformen setzen. Anhand dieser Beispiele wird gezeigt, wie dort das sogenannte «selbstorganisierte oder selbstentdeckende Lernen» in Lernateliers oder Lernlandschaften umgesetzt wird. Die Klassenstrukturen sind teilweise oder ganz aufgelöst, jeder Schüler arbeitet alleine an seinem eigenen Arbeitsplatz, der vorne, rechts und links mit einem Sichtschutz versehen ist, damit sich jeder konzentrieren und sein individuelles Lernprogramm abarbeiten kann. Im Schulzimmer, das einem Grossraumbüro ähnelt, herrscht absolute Ruhe.

Die Lehrer müssen sich zurücknehmen, dürfen den Schülern höchstens Hinweise geben, wo und wie sie Antworten auf ihre Fragen zum Beispiel im Internet finden können, sollen ihnen aber keine fertigen Antworten liefern und ihnen schon gar nicht den Lernstoff erklären. Sie werden zu sogenannten «Lernbegleitern» oder «Lerncoaches» reduziert. Schüler sollen so zu mehr Disziplin, Motivation und Verantwortungsbewusstsein erzogen werden, Fähigkeiten, die in der Wirtschaft besonders gefragt sind.

Quelle: 2015© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2001

Auf die Lehrer kommt es an!

Für eine Rückkehr der Pädagogik in die Schule
von Michael Felten

Bild Michael Felten

Michael Felten

Gegen die sich ausbreitende Neigung zu pädagogischer Deregulierung will dieses Buch zu einer dreifachen Wiederbesinnung auf die Kraft des Lehrers  – und damit auf die Bedeutsamkeit des Erwachsenen in der Bildungsfrage  – anregen:

  • Der Lehrer ist derjenige, der eine Lerngruppe selbstbewusst und zugewandt führen muss  – dazu braucht es aber mehr als gute Arbeitsblätter und einen Laptop-Wagen.
  • Der Lehrer ist derjenige, der Lernprozesse sinnvoll arrangieren und steuern muss  –offene Arbeitsformen dagegen sind nur in wohl definierten Situationen lernwirksam.
  • Der Lehrer ist derjenige, der Lernschwierigkeiten auflösen kann  – nicht durch Ermässigung in den Anforderungen, sondern durch professionellen Einblick in die Schülerpsyche, im Rahmen einer herzlich-haltenden Beziehung.

Dieses Buch möchte also einen entschieden anti-antipädagogischen Akzent setzen, es möchte insbesondere vor der offenen Flanke der Selbstlerneuphorie warnen, und es möchte das verbreitete Beziehungsdunkel der Lehrer-Schüler-Beziehung erhellen. Die Schule braucht eine neue Hinwendung zum Pädagogischen  – zu Führungsfreude ebenso wie zu Einfühlsamkeit.

Ausgewählte Leserbriefbeiträge zu Schule und Bildung

NZZ 18. 08. 2014

Pädagogischer Konstruktivismus

von Alfred Burger, Kilchberg (ZH) Erziehungswissenschafter

Eindrücklicher als Hermann J. Forneck hätte man nicht formulieren können, wie weit sich die pädagogischen Hochschulen (PH) in der Schweiz von der schulischen Wirklichkeit entfernt haben («Professionalisierung statt Innovationsabstinenz», NZZ 31. 7. 14). So weit entfernt, dass sich letztes Jahr Dozenten und Studenten gegen Fornecks Theorielastigkeit gewehrt hatten. Nun ist nichts gegen eine Theorie der Erziehungslehre einzuwenden. Sie muss aber mit der Realität übereinstimmen.

Bildung: Nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,

wie wohltuend ist es, von einem praxiserfahrenen, herausragenden Pädagogen, wie Carl Bossard, zu lesen, wie er die Schule wieder vom Kopf auf die Füsse stellt. Man fragt sich, weshalb “Bildungsexperten”  – ausgerechnet im Lande Pestalozzis  – von Amtes wegen “pädagogischen Chimären nachlaufen und von einer Hochzeit zur andern eilen”, die nachweislich bei unseren Schulabgängern wesentliche Wissenslücken hinterlassen, die ihr Fortkommen behindern und dem Lande schaden.

Willy Wahl

Bildung: Nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Von Carl Bossard* 17.02.2017

Albanisch statt Französisch, Hausaufgaben streichen, Fächer abschaffen. Auf jede neue Idee springt der Lehrer-Dachverband auf. Wem ist damit gedient? Ein Klärungsversuch.

Breite Kritik am Lehrplan 21 verlangt öffentliche Debatte

Breite Kritik am Lehrplan 21 verlangt öffentliche Debatte

Plädoyer für eine demokratische Konsensfindung über den Auftrag der Volksschule

Von Elsbeth Schaffner, 5. Januar 2014

In den letzten Monaten ist eine sachlich begründete kritische Diskussion über den Lehrplan 21 in breiten Kreisen erwacht. Die Kritik am Lehrplan 21 ist zahlreich und zum Teil grundsätzlicher Natur. Ob die Kantone den neuen einheitlichen Lehrplan irgendwann umsetzen, hängt sicher von der demokratischen Konsensfindung über die wesentlichen Ziele und Inhalte ab. Die offene Diskussion über den Auftrag, den unsere demokratische Gesellschaft der Volksschule erteilt, muss überhaupt erst geführt werden. Schulpraktiker und Eltern wollen einen eindeutigen Bildungsauftrag, der möglichst alle Schulabgänger zu einer qualifizierten Berufsausbildung befähigt und das Gemeinwohl fördert.

Buchempfehlung: Arthur Brühlmeier – Menschen bilden

Impulse zur Gestaltung des Bildungswesens nach den Grundsätzen

von Johann Heinrich Pestalozzi

buch Menschen bilden

Herausgegeben von der Stiftung "Schule für das Kind", Baden Verlag 2007, 2. Auflage 2009, gebunden / CHF 20.- / € 15.-

Buchempfehlung: Die Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb

Bildung in der Effizienzfalle?
AG „Gegen die Ökonomisierung der Bildung“ GEW Hessen
Erstveröffentlichung 2016
Liebe Leserinnen und Leser! Die hier verschriftlichte Vortragsreihe steht in einer nun mittlerweile längeren Tradition von Initiativen gegen die „Ökonomisierung des Bildungswesens“, die von unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der hessischen GEW angestoßen und organisiert worden sind. So fand bereits im Wintersemester 2012/13 an der Universität in Marburg eine Vortragsreihe unter dem Titel „Ökonomisierung oder Demokratisierung?“ statt. Der „Marburger Bildungsaufruf“ forderte eine Umorientierung des Bildungswesens, weg von der gegenwärtigen ökonomischen Dominanz, hin zum Wohl aller an Bildung beteiligten Menschen.

Schule Wirtschaftsbetrieb

Copyright VERÖFFENTLICHT VON DER ARBEITSGRUPPE "GEGEN DIE ÖKONOMISIERUNG DER BILDUNG", GEW HESSEN WWW.GEW-HESSEN.DE Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz. Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter r.scheppler@gew-wiesbaden.de erhalten. Um eine Kopie dieser Lizenz zu sehen, besuchen Sie http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/ Das Redaktionsteam: Dr. Gabriele Frenzel, Maria Heydari, Ernst Olbrich, Thomas Sachs, René Scheppler, Klaus Schermelleh, Herbert Storn, Eva Maria Wehrheim Frankfurt, Mai 2016

Der Griff nach der Bildung

Die Umgestaltung unseres Schulwesens nach der Ideologie des Neoliberalismus

von Dr. Alfred Burger, Zürich

In den letzten Wochen und Monaten wurde deutlich, dass weltweit operierende, einflussreiche Finanzkreise zur Befriedigung ihrer Geld- und Machtgier nicht davor zurückschrecken, ein Geschäft mit den Grundbedürfnissen der Menschen zu machen und ganze Volkswirtschaften zu ruinieren.

Der Konstruktivismus als Manipulationsinstrument

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen und Seniora-Leser!

Nicht nur die Schulreformen in Deutschland, sondern auch der stark umstrittene Lehrplan 21 in der Schweiz haben den Konstruktivismus zum Fundament. Eltern und Pädagogen sind aufgerufen, sich mit dieser anti-wissenschaftlichen Ideologie ernsthaft auseinanderzusetzen! Der ganze Vorgang zum Schaden unserer Kinder  ist so unglaublich, dass er an die ganz grosse Glocke gehört.

Mit herzlichem Gruss
Willy Wahl

Der Konstruktivismus als Manipulationsinstrument

Der weltanschauliche Hintergrund der Gemeinschaftsschulen und ihres pädagogischen Konzeptes

von Moritz Nestor

Es ist nur wenig bekannt, dass das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg sein weltanschauliches Fundament im Kontruktivismus hat. Was es mit dieser Weltanschauung auf sich hat, zeigt der folgende Artikel.

Die heimliche Privatisierung des öffentlichen Bildungswesens

von Renate Caesar, Dipl.-Pädagogin und Gymn.-Lehrerin
Seit Jahren wehren sich Menschen in vielen europäischen Ländern gegen die immer stürmischer anrollenden Wellen von Schulreformen, die nicht jeweils notwendige Erneuerungen in Teilbereichen beabsichtigen, sondern tief in das jeweilige Bildungssystem eingreifen, um Strukturen, Inhalte, Ziele, mit einem Wort: einfach alles umzustürzen.

Beispiele sind der Lehrplan 21 in der Schweiz und die Bildungsreform 2015 in Baden-Württemberg. Der Widerstand, der sich formiert, wird nicht nur von Lehrern und Eltern getragen, sondern auch zunehmend von Wissenschaftlern, Historikern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Lehrplanforschern. Was alle eint in ihrer Kritik, ist die Tatsache, dass die angestrebten  – und zum Teil leider schon umgesetzten  – Veränderungen keinerlei pädagogischen, didaktischen oder wissenschaftlichen Sinn ergeben.

Wie soll sich zum Beispiel das Lernen einer Fremdsprache verbessern, wenn das Sprachlernen, die «kommunikative Kompetenz», von der alle diese Reformen gern reden, in Hunderte von Einzelkompetenzen aufgeteilt ist, die der Schüler abarbeiten soll und den Lernerfolg dann in abzuhakenden Tests beweisen soll? (siehe Entwurf des Bildungsplans Englisch für die Förderstufe in Baden-Württemberg) Sprachlernen ist ja ein organisches Ganzes, der Schüler muss mit einem sprachkundigen Gegenüber zum Beispiel eine Frage hören, den Zusammenhang verstehen, die Bedeutung aufnehmen, passende Wörter suchen, antworten usw. Oder wie soll ein mündiger Staatsbürger heranwachsen, wenn er keinen systematisch aufbauenden Geschichtsunterricht mehr erhält, sondern nur noch beispielhaft «Machtverhältnisse», vielleicht in der Antike oder im Mittelalter «erkennen, verstehen und beurteilen» soll ohne solides Grundlagenwissen. (siehe Lehrplan 21 in der Schweiz)

Welchen Sinn haben Schulreformen?

Kurz gesagt: Eine Verbesserung schulischen Lernens durch diese Zerstückelung von Lernprozessen in Hunderte von Kompetenzen und Unterkompetenzen ohne solide aufbauende Inhalte kann niemand erkennen. Was für einen Sinn haben diese Reformen aber dann?

http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2042

Die Schule geschafft, aber der Arbeitswelt nicht gewachsen

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen und Seniora-Leser, dieser Artikel benennt klar, was los ist im Bildungswesen! Es wäre wichtig, den Bericht gerade auch in Wirtschaftskreise weiterzugeben, damit dort endlich realisiert wird, welche verheerenden Folgen die von ihnen selbst forcierten Reformen für die Schüler haben.

Die Schule geschafft, aber der Arbeitswelt nicht gewachsen

Heutige Schüler trifft das Berufsleben wie ein Schock. Seit Jahren sollen "unnötige Härten" vermieden werden: keine Grundregeln beim Schreiben, keine schriftlichen Prüfungen, kein Sitzenbleiben. Mit der wahren Arbeitswelt sind Jugendliche so überfordert.

Eltern, Bürger und Experten wehren sich gegen den Bildungsabbau in ihren Kantonen

Endversion des Lehrplans 21 untauglich
In kurzer Zeit haben sich in Schweizer Kantonen Komitees gebildet, die sich für eine gute Volksschule engagieren. Im Aargau, in Schwyz, in Zürich und in St.Gallen sind Initiativen gestartet worden, und auch in Solothurn steht man kurz davor. In weiteren Kantonen bilden sich Komitees von besorgten Eltern, Lehrern und Bürgern, um sich gegen die stillschweigende Übernahme des Lehrplan 21 zu wehren.

rl. Gemeinsam ist den Initianten aus den einzelnen Kantonen das Anliegen, eine gute Volksschule zu gewährleisten, die dem einzelnen Kind gerecht wird und auch unserer modernen Gesellschaft.

Untaugliche Didaktik

Immer mehr Eltern stören sich daran, dass ihren Kindern schon heute eine solide Bildung vorenthalten wird. Unter dem Schlagwort der «Selbständigkeit» arbeiten Schüler zunehmend  – allein auf sich zurückgeworfen  – Arbeitsblätter ab. Eltern bemühen sich daheim in unzähligen Stunden, die «Wochenplan»-arbeiten oder «Präsentationen» ihrer Kinder zu verstehen. Derweilen werden Lehrer immer mehr zu «Lernbegleitern» oder «Lerncoaches» degradiert. Nur sehr wenigen Eltern ist die dem Unterricht zugrundeliegende «systemisch-konstruktivistische» Didaktik bekannt. Diese ist mehr als umstritten und taugt nicht für eine gute Volksschule. Doch sie gibt den Takt im Schulzimmer zunehmend an.

KMU brauchen solide Grundlagen

Viele Unternehmer und Lehrlingsbeauftragte aus KMU stemmen sich schon länger gegen diese Fehlentwicklungen. Ihnen fällt auf, dass die Schulabgänger immer weniger Grundlagen beherrschen und aufwendig nachgeschult werden müssen. Genau diese Fehlentwicklungen werden mit dem Lehrplan 21 festgeschrieben. Mit dem neuen Lehrplan wird es nicht mehr möglich sein, von den Schulabgängern einheitliche solide mathematische oder physikalische Grundkenntnisse zu erwarten. Die Konzeption des Lehrplans 21 ist nicht darauf ausgerichtet.

Quelle: 2014© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1981

Heftiger Bürger-Widerstand in der Schweiz gegen eine schädliche, von der OECD eingeschleuste Bildungs-”reform”

Ein Beispiel auch für Deutschland und andere OECD-Länder

Lehrplan 21 als Standortnachteil für die Wirtschaft  – ein Leserbrief

Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden.

Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren, angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP21 -Versuchsschulen, die mit der „Kompetenzorientierung“ und ihrem „selbstgesteuerten“ oder selbstorganisierten Lernen SOL“ den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizierte Lehrer zu „Lernbegleiter“ degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, indem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen. Die übereilte Einführung dieser wissenschaftlich nicht abgesicherten „Neuen Lernformen“ könnte für die Pionierkantone und deren Gewerbe zu einem wirtschaftlichen Standort-Nachteil werden, wie das der Reformpionierkanton Basel-Stadt schon einmal schmerzlich erleben musste.

Quelle: Komitee «Lehrplan vors Volk» - 8610 Uster
http://www.lehrplan-vors-volk.ch/

John Hattie zum Klassenunterricht

von Renate Caesar, Dipl.-Pädagogin und Gymnasiallehrerin
Der vom Lehrer geführte Klassenunterricht wird heute von den ‚Reformern‘ abgelehnt. Lehrer, die so unterrichten, werden gezwungen, ihre Unterrichtsmethoden in Richtung ‚Individualisierung‘ etc., zu ändern.

Die ‚Reform‘-Ideen, dass Schüler selbständig forschend, aufgabenbasiert, entdeckend, usw. lernen sollen und dass der Lehrer nur individualisierte Lerngelegenheiten für die einzelnen Schüler schaffen soll  – d.h. Materialien verschiedener Schwierigkeitsgerade, Computerprogramme zum Abarbeiten in einer sogenannten ‚Lernumgebung‘ oder ‚Lernlandschaft‘, die Ähnlichkeit mit einem Grossraumbüro hat, bereitstellen  – und sich ansonsten zurückhalten muss und nur minimal korrigierend intervenieren darf, sodass die Schüler ‘durch eigene Aktivität, durch Diskurs und Reflexion und Austausch von Einfällen mit anderen Lernenden Wissen erwerben und Bedeutung konstruieren sollen‘, sind laut Hattie dem sogenannten ‚Konstruktivismus‘ entlehnt und stehen den Ergebnissen seiner Analyse von 50.000 Studien fast diametral entgegen.

„The role of the constructivist teacher is claimed to be more of facilitation to provide opportunities for individual students to acquire knowledge and construct meaning through their own activities, and through discussion, reflection and sharing of ideas with other learners with minimal corrective intervention (…) These kinds of state- ments are almost directly opposite to the successful recipe for teaching and learning as will be developed in the following chapters.“)

(John Hattie: Visible Learning, p.26)

Das bedeutet im Klartext, dass unsere ‚Schulreformer‘ , die ‚Reform‘- Machwerke wie den Lehrplan 21 propagieren, etwas vorantreiben, was zumindest nach Aussagen dieses Forschers keinerlei Sinn macht; denn weder das individualisierte Lernen, noch die heterogene und/oder altersdurchmischte Lerngruppe (ADL), noch die Verwendung elektronischer Geräte haben gemäss seinen Ergebnissen einen positiven Einfluss auf die Lernleistung der Schüler (vgl. Visible Learning, Appendix A)

Lehrplan21: Wollen wir das wirklich?

Lehrplan21: Wollen wir das wirklich?

Überlegungen zu den Grundlagen des Lehrplans 21

von Dieter Sprock

Die Konsultation zum Lehrplanentwurf wurde Ende 2013 abgeschlossen. Nun wird der Entwurf überarbeitet, doch an seinem Konzept wird sich dabei kaum etwas ändern, wenn wir das nicht energisch fordern. Obwohl mit dem Lehrplan 21 wichtige Weichen für die Zukunft unserer Kinder und des ganzen Landes gestellt werden, wurde sein Konzept bisher nur wenig diskutiert, und das gilt es nachzuholen.

LehrplanPLUS – Wem hilft diese in Deutschland eingeführte Schulreform?

Die Initiative der “Eltern für eine gute Bildung” warnt und klärt auf
Seit Herbst 2014 ist in Bayern ein neuer Lehrplan für die Grundschulen gültig, der sogenannte LehrplanPLUS. In ihm sind das Konzept des Konstruktivismus und die Kompetenzorientierung festgeschrieben. Dieser Lehrplan stellt eine klare Abkehr vom bisherigen humanistischen Bildungsideal dar. Zu befürchten ist, dass die bereits ausgearbeiteten, aber nicht einsehbaren neuen Lehrpläne für die weiterführenden Schulen ebendiesen Konzepten folgen.

Mit der Einführung des LehrplanPLUS sollen Wochenplan, Werkstattunterricht und Freiarbeit, wie sie bereits in den letzten Jahren in den Schulen zur Anwendung kamen, vorherrschend werden. Geführter Klassenunterricht mit dem Lehrer als Pädagogen und Lehrenden werden zugunsten von "Individualisierung" und "Selbststeuerung" aufgegeben. Der Lehrer soll sich zurücknehmen, nur noch die Lernumgebung bereitstellen, um den Schülern "selbstgesteuertes und eigenverantwortliches Lernen" zu ermöglichen. Die pädagogische Arbeit, die aus einer lebendigen Wechselbeziehung zwischen Schülern und Lehrer besteht, das gemeinsame Arbeiten im Klassenverband, die Klassengemeinschaft gehen zugunsten der Aneignung scheinbar wichtiger Kompetenzen verloren. Diese Entwicklung wird die bereits seit Jahren bestehenden Probleme verschärfen:

http://www.eltern-fuer-gute-bildung.de/

Leistungsdruck und Begabtenauslese statt Kindergarten?

von Felice Pensatore
Zeit-Fragen Nr. 5, 27. Februar 2018
Der Kindergarten ist eine wichtige Errungenschaft unseres Bildungssystems. Ohne verfrühten Leistungsdruck können die Kinder in Ruhe lernen, sich in einer Gruppe von Gleichaltrigen zurechtzufinden, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erweitern und festigen und sich spielerisch das Rüstzeug aneignen und die nötigen Reifeschritte machen, die sie brauchen, um später in der Schule Erfolg zu haben. Diese Errungenschaft der modernen Pädagogik wird heute von verschiedenen Seiten in Frage gestellt und soll einer leistungsorientierten Vorschule weichen. Wenn auch nicht so benannt, ist sie Teil des Lehrplans 21. Das geschah nicht von heute auf morgen, sondern ist ein bereits von langer Hand geplanter, die demokratischen Gepflogenheiten missachtender Umwälzungsprozess.

Ein interessanter Fund

So ein Büchergestell ist eine Schatztruhe. Plötzlich entdeckt man etwas vor langem Gelesenes und denkt: «Interessant, das hat man also schon damals diskutiert!» So erging es mir vor kurzem mit einer Broschüre mit dem Titel: «Der Anfang vom Ende der Volksschule. Eine kritische Analyse zur Auflösung des Kindergartens im neuen Volksschulgesetz»*, erschienen vor bald zwanzig Jahren, nämlich im Jahr 2000.1 Es war tatsächlich wieder einmal ein «Goldschatz», wie ich beim Blättern feststellte. Schon das Vorwort war aufschlussreich, verfasst von einem langjährigen, engagierten Schulpflegepräsidenten der Stadt Zürich. Er stellte in seinem Vorwort fest, wie unter der Ägide des damaligen Bildungsdirektors Buschor eine Bildungsreform eingeleitet wurde, die gekennzeichnet sei von einer straffen und eingleisigen Hierarchisierung des Bildungswesens, wie es zum Fahrplan der wirtschaftlichen Globalisierung gehöre.

Buschor als ehemaliger Dozent für Finanzwirtschaft an der Hochschule St. Gallen sei offensichtlich vom Erfolg der Globalisierung vollkommen überzeugt und habe diese Tendenz mit grosser Energie auch im Bildungswesen verfolgt. Der «Sonderfall Schweiz» jedoch zeichne sich aus durch seine demokratischen Strukturen und die Möglichkeiten der Mitsprache des Volkes. Das würde schleichend abgebaut.

Alfred Bohren, ehemaliger Kantonsrat und vollamtlicher Schulpräsident. In: Komitee für eine demokratische Volksschule (Hrsg.). Der Anfang vom Ende der Volksschule. Eine kritische Analyse zur Auflösung des Kindergartens im neuen Volksschulgesetz. August 2000, S.2
Quelle: Zeit-Fragen
https://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2018/nr-5-27-februar-2018/leistungsdruck-und-begabtenauslese-statt-kindergarten.html

Lernen braucht Leben

von Carl Bossard
17.12.2015
Der Trend zielt auf das selbstorientierte "Lernen ohne Lehrer". Doch Lernen ist eingebettet in Soziales. Ein Plädoyer für das Humane in der Schule.

Anfang Dezember 2015 erhielt die Gesamtschule Unterstrass den Klaus J. Jacobs Best Practice Price 2015. Anlass war das Projekt „Selbstführung und soziales Handeln in Schule und Unterricht“. Die kleine Schule für 3- bis 15-Jährige geht einen etwas anderen Weg, als ihn auch der Lehrplan 21 mit der Dominanz des selbstorientierten Lernens aufzeichnet. Darüber nachzudenken lohnt sich, vor allem über die zentrale Frage, welche Rolle die Lehrerin spielt, welche Aufgabe dem Lehrer zukommt.

Die Welt ist anders geworden

Der Computer, das Internet, die Sozialen Medien lassen sich aus unserer Welt nicht mehr wegdenken; sie bestimmen unseren Alltag. Ohne Wenn und Aber. Wir alle benutzen und schätzen sie. Ein Zurück gibt es nicht.

Quelle: Journal21
https://www.journal21.ch/lernen-braucht-leben?utm_medium=email&utm_source=transactional&utm_campaign=Pl%C3%A4doyer+f%C3%BCr+das+Humane+in+der+Schule+-+und+weitere+Themen
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