Taiwan, Donbass, Kosovo und andere.

1999 war das Jahr, in dem die seit 1945 bestehende Weltordnung in der Form der UN-Charta durch die USA zerstört worden ist.
Von Willy Wimmer 8. August 2022
08. August 2022
Bei der Abspaltung des Kosovo von Jugoslawien wurde ohne Zustimmung des Sicherheitsrates der UN durch die USA militärische Gewalt gegen einen Staat eingesetzt, um die Abspaltung des Kosovo zu bewirken. Die US-Konferenz von Bratislava 2000 stellte fest, daß sich jeder andere Staat im Sinne einer Präzedenz auf dieses amerikanische Verhalten würde berufen können.

Genau diese Überlegung wird im Falle des Donbass und der Krim beim Vorgehen Rußlands durch die USA bestritten. Zwar nicht in der rechtlichen Konsequenz im Sinne von Bratislava, aber in der faktischen Möglichkeit, das Modell Kosovo durchsetzen zu können. Die USA wollen und sollen die einzige Macht global sein, die über der Charta der Vereinten Nationen nicht nur steht, sondern dies auch allen anderen gegenüber durchsetzen kann. Allen anderen Staaten soll diese Fähigkeit bestritten werden, wenn die Zustimmung der USA nicht gegeben sein sollte. Separation ist die ultimative Waffe zur Neugestaltung der Welt, wie die Konferenz von Bratislava am Beispiel Rußlands mit dessen Zerschlagung deutlich gemacht hatte.

Das gilt auch für China in den Grenzen, wie sie am Ende des Zweiten Weltkrieges im Pazifik bestanden und international respektiert worden sind. Die wesentlich von den USA herbeigeführte Bürgerkriegslage führte zum Rückzug der Kuomintang-Regierung, deren letzte Festlands-Amtshandlung in Lhasa/Tibet stattfand, auf die Insel Taiwan. Dabei vertrat diese Regierung bis jüngst die Auffassung, ganz China zu vertreten und zwar das China in den oben genannten Grenzen. Die Regierung in Beijing ihrerseits ging davon aus, ganz China in den genannten Grenzen zu vertreten. Die Rechtsauffassungen waren das eine, die faktische Lage war das andere.  Um die in China bestehenden und offenen Fragen ohne Krieg lösen zu können, entwickelte die chinesische Regierung in Beijing die Politik „ein Land, zwei Systeme“ mit dem Ziel der Integration Hongkongs und die darüber möglichen Einbeziehung Taiwans.

Dieses Konzept erhielt den faktischen Todesstoß, als die Massendemonstrationen in Hongkong vor einigen Jahren in der Forderung nach Unabhängigkeit mündeten. Damit war klar, daß die „Hongkong-Formel“ keine Anwendung auf Taiwan würde finden können. Die Abkehr von „ein Land, zwei Systeme“, betrieben durch Washington und London, machte den Weg zur Separation Taiwans von China in den genannten Grenzen für die angelsächsischen Planer frei. Es geht über den Pelosi-Besuch darum, das Kosovo-Modell auf Taiwan zu übertragen: Separation im US-Interesse und die Machtmittel militärischer Art, die Separation durchzusetzen.

Der taiwanesische Vertreter in Berlin hat in Melnik-Manier am Wochenende die stets willfährige Berliner NGO-Regierung aufgefordert, im Falle China nicht mehr der „Ein-China-Politik“ zu folgen. Der Einsatz der Separationswaffe durch die USA ist global unbegrenzt und kann/wird gegenüber jedem Staat eingesetzt werden. Für China ist nach der Diskussionslage in Asien die Aufspaltung in acht Staaten vorgesehen. Das Durchsetzungsgebiet für dieses Konzept dürfte sich im Wesentlichen auf sogenannte „Autokratien“ der nicht willfährigen Art beziehen. Man sollte sich den Globus darauf ansehen und den Verlautbarungen bei CNN und BBC lauschen.

Willy Wimmer zvg bearb Schw. Standpunkt
Willy Wimmer, Staatssekretär a.D.
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Für englisch sprechende Leser mit deeple übersetzt

Taiwan, Donbass , Kosovo and others.

1999 was the year in which the world order that had existed since 1945 in the form of the UN Charter was destroyed by the USA. In the secession of Kosovo from Yugoslavia, military force was used by the USA against a state without the approval of the UN Security Council to bring about the secession of Kosovo. The US conference in Bratislava in 2000 stated that any other state would be able to invoke this American behaviour as a precedent.

It is precisely this consideration that is being contested in the case of the Donbass and Crimea in Russia's actions by the US. Not in the legal consequence in the sense of Bratislava, but in the factual possibility of being able to impose the Kosovo model. The USA wants to be and should be the only power in the world that is not only above the Charter of the United Nations, but can also enforce this on all others. All other states are to be denied this ability if the USA's consent is not given. Separation is the ultimate weapon for reshaping the world, as the Bratislava Conference had made clear with the example of Russia with its break-up.

This also applies to China within the borders that existed in the Pacific at the end of the Second World War and were respected internationally. The civil war situation, which was essentially brought about by the USA, led to the withdrawal of the Kuomintang government, whose last mainland office was in Lhasa/Tibet, to the island of Taiwan. Until recently, this government considered itself to represent the whole of China, namely China within the above-mentioned borders. The government in Beijing, for its part, assumed that it represented the whole of China within the above-mentioned borders. The legal views were one thing, the factual situation was another.  In order to be able to solve the existing and open questions in China without war, the Chinese government in Beijing developed the policy of "one country, two systems" with the aim of integrating Hong Kong and the possible inclusion of Taiwan above it.

This concept received the de facto death blow when the mass demonstrations in Hong Kong a few years ago resulted in the demand for independence. This made it clear that the "Hong Kong formula" could not be applied to Taiwan. The abandonment of "one country, two systems", driven by Washington and London, cleared the way for the Anglo-Saxon planners to separate Taiwan from China within the aforementioned limits. The point of the Pelosi visit is to apply the Kosovo model to Taiwan: separation in the US interest and the means of power of a military nature to enforce the separation.

In Melnik style, the Taiwanese representative in Berlin at the weekend called on the ever compliant Berlin NGO government to stop following the "one China policy" in the case of China. The use of the separation weapon by the USA is globally unlimited and can/will be used against any state. For China, according to the discussion in Asia, the separation into eight states is envisaged. The area of enforcement for this concept is likely to be essentially so-called "autocracies" of the non-compliant kind. One should look at the globe and listen to the announcements on CNN and BBC.

Willy Wimmer, 8. 8. 2022

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