Seniora.org - Studium

«Die-Akademisierungsfalle» Warum nicht alle an die Uni müssen

von Rudolf Strahm
Ein Gespenst geht um in Europa  – das Gespenst der Jugendarbeitslosigkeit. Jeder vierte erwerbsfähige Jugendliche in der EU ist ohne Arbeit.

In der Schweiz hingegen liegt die Jugendarbeitslosigkeit auf tiefen drei bis vier Prozent. Ein wichtiger Grund dafür liegt im dualen Berufsbildungssystem der Schweiz. Die europäischen Länder ohne Berufsbildungssystem sitzen in der Akademisierungsfalle.

Einerseits bilden sie an ihren Universitäten Leute aus, die im Arbeitsmarkt nicht gebraucht werden, und andererseits leiden sie unter einem dramatischen Industrieabbau, weil ihnen die qualifizierten Berufsleute fehlen. Inzwischen bedroht der Trend zur Akademisierung auch die berufspraktische Ausbildung in der Schweiz.

In diesem Buch beschreibt der bekannte Ökonom, Bildungspolitiker, frühere Preisüberwacher und alt Nationalrat Rudolf H. Strahm das Drama der Jugendarbeitslosigkeit in Europa und die Fallstricke einer arbeitsmarktfernen akademischen Ausbildung. In seiner gewohnt prägnanten und fundierten Art zeigt er, dass die Berufsbildung bezüglich Arbeitsmarktfähigkeit und Qualitätsarbeit der akademischen Ausbildung überlegen ist und dass es sich für die Schweiz lohnt, die Berufsbildung zu pflegen und zu fördern.

Bertelsmann und die Kinder

Fortgeschrittene Indoktrination:

von Ulla Wesseler*

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat es  in den Kindergärten der Republik in den letzten Jahren gravierende Veränderungen in der Erziehung gegeben. Zuerst waren es die Hochschulen (Prozess von Bologna), dann die Schulen (selbstständige Schulen) und zuletzt die Kindergärten, die unter den politischen Einfluss von Lobbyisten wie der Bertelsmann-Stiftung geraten sind. Eine erfahrene Erzieherin weiß näheres aus Erfahrung zu berichten.  – Die Redaktion.

Bologna - Problematik des gestuften Studiums

Von Prof. Dr. Pfeilschifter

Der Leibhaftige

Der Leinhaftige, Giovanni di Modena

Das, meine Damen und Herren, ist der Leibhaftige, wie wir in Bayern sagen würden. Er stammt aus Bologna, nicht aus der dortigen Universität, aber aus der Kirche San Giovanni gleich daneben. Und - nachdem ich einen, zugegebenermaßen, polemischen Artikel gegen die Bologna-Reform veröffentlicht hatte, in dem dieses Fresko des Teufels eine gewisse Rolle spielte - nachdem ich das getan hatte, wurde ich doch von Seiten eines Protagonisten der Bologna-Reform glatt meinerseits als der "Leibhaftige" bezeichnet.

http://www.scilogs.de/anatomisches-allerlei/gastbeitrag-prof-dr-pfeilschifter/

Das Verschwinden des Wissens

ein NZZ-Gastkommentar zur Bildung
von Konrad Paul Liessmann, Philosophieprofessor
Es ist gespenstisch: Wie von Geisterhand geführt, hat sich in den letzten Jahren, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, eine der radikalsten Veränderungen an Schulen und Universitäten vollzogen, ein Bruch mit einer jahrhundertealten Tradition, eine völlige Neuorientierung dessen, was Bildungseinrichtungen zu leisten haben und was die Absolventen solch einer Einrichtung auszeichnen soll. «Kompetenzorientierung» lautet das Zauberwort, das nun die Lehr- und Studienpläne dominiert, das alles, was man bisher glaubte lehren und vermitteln zu müssen, hinfällig werden lässt, das endlich garantieren soll, dass anstelle toten Wissens brauchbare Fähigkeiten erworben werden, und das verspricht, dass nichts Unnützes mehr gelernt wird, sondern nurmehr das, was mit der Lebenswelt von Schülern und Studenten, mit ihren Bedürfnissen und Problemen zu tun hat oder auf diese anzuwenden ist.

Das Ziel von Bildungsprozessen ist nicht mehr eine wie auch immer definierte Bildung, sondern der umfassend kompetent gewordene Mensch, der mit Fähigkeiten ausgestattet ist, die es ihm angeblich erlauben, in jeder Situation die angemessenen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig verspricht die Umstellung von Bildung auf Kompetenzen endlich verlässliche Instrumentarien zu schaffen, um genaue Messungen und Bewertungen dieser Fähigkeiten vornehmen zu können.

Das Kompetenzkonzept ist ein Kind der Ökonomie

Quelle: NZZ
http://www.nzz.ch/meinung/debatte/das-verschwinden-des-wissens-1.18383545

Dialektik – Eine Ansprache anlässlich der Diplom- und Promotionsfeier der Medizinischen Fakultät der Universität Bern

Dialektik  – Eine Ansprache anlässlich der Diplom- und Promotionsfeier der Medizinischen Fakultät der Universität Bern

von Prof. Dr. med. Felix J. Frey Universitätsklinik für Nephrologie, Hypertonie und Klinische Pharmakologie Inselspital

Prof. Felix J. Frey

Prof. Dr. med. Felix J. Frey

Geschätzte Studentinnen und Studenten, lieben Sie Dialektik?

Falls nein, werden Sie meine Ausführungen nicht schätzen. Das ist weiter nicht tragisch, denn in 15 Minuten haben Sie es überstanden.

Keine taugliche Vorbereitung auf die Berufslehre mit dem Lehrplan 21

Keine taugliche Vorbereitung auf die Berufslehre mit dem Lehrplan 21

Durch Training von „Kompetenzen“ wird man nicht kompetent

von Dr. iur. Marianne Wüthrich, Berufsschullehrerin

Die Ausbildungsverantwortlichen der Schweizer Unternehmen sind seit Jahren in grosser Sorge um den Zustand einer wachsenden Zahl von Schulabgängern. Oft finden sie kaum Lehrlinge, die nach neun oder zehn Schuljahren den notwendigen schulischen und menschlichen Grundstock für die Bewältigung ihrer Lebensaufgaben mitbringen.

Massstab der Lehrbetriebe an den Lehrplan der Volksschule sind die realen Erfordernisse des Lebens: Die Jugendlichen müssen lesen, schreiben und rechnen können. Sie müssen fähig sein, genau und sorgfältig zu arbeiten, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, Anweisungen zu befolgen, einen Auftrag zuverlässig und termingerecht zu erledigen.

Kurz, es wird Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft vorausgesetzt. Dazu gehört es auch, einmal die Zähne zusammenzubeissen und ein Missgeschick in Ordnung zu bringen, die Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen und im menschlichen und sozialen Verbund mit den anderen Lehrlingen, den Mitarbeitern und den Vorgesetzten zusammenzuwirken.

Verständlicherweise erhoffen sich die Lehrbetriebe, mit einem neuen Lehrplan werde die Schule unserer Jugend besser behilflich sein, ihren Rucksack für die Bewältigung der Zukunft dergestalt zu füllen. Wer sich in den Lehrplan 21 einliest, stellt jedoch rasch fest, dass dies nicht der Fall ist.

The hidden privatisation in public education

by Renate Caesar
For quite some years now people in European countries have been reacting against the waves of so-called educational reforms that are flooding them ever more vehemently. Those changes come up camouflaged as school-reforms, often introduced with the slogan “keeping up with the times”.

They do not aim at a necessary renovation of certain elements of our schools, which might require improving; instead they interfere deeply with the respective countries’ educational system by turning educational goals, structures, curricula, etc. upside down. Examples of such processes are the Curriculum 21 in Switzerland or the Curriculum Reform 2015 in Baden-Württemberg, Germany.

Mounting resistance comes not only from teachers and parents but is increasingly pronounced by education experts, historians, linguistic and literary scholars and also politicians. They all agree in the criticism that the intended alterations  – many of them have unfortunately been already realized under radar in the past years  – do not make any sense, neither with respect to didactics, pedagogic nor to science.

How can we improve language learning, for instance, if the so-called communicative competence  – one of the reformers’ mantra  – is to be achieved by working off hundreds of singular sub-competences, which are to be tested by ticking multiple choice boxes in the end, as designed in Curriculum 21. (cf “Learning to the test” by Marianne Wüthrich in this Current Concerns edition, p. 10). Learning a foreign language is an organic whole: The student together with a polyglot counterpart must for instance listen to a question, seize the meaning, understand the context, search for suitable words and structures to answer, etc..

Or how can a student grow up to be a mature citizen if he is no longer taught history in a systematic, comprehensive and structured manner, instead he is e.g. to “understand and judge” “power relations” by being presented some isolated examples from the Antiquity or the Middle Ages or Napoleon without any basic knowledge, as conceived in Curriculum 21, Switzerland.

In short: None of the critics perceives an improvement of school learning by teaching fragments and cutting up context of meaning into hundreds and thousands of broken bits of competences and sub competences. If they do not serve the improvement of learning what then is the end of such “reforms”?

Quelle: Publisher: Zeit-Fragen Cooperative Editor: Erika Vögeli Address: Current Concerns, P.O. Box, CH-8044 Zurich Phone: +41 (0)44 350 65 50 Fax: +41 (0)44 350 65 51 E-Mail: CurrentConcerns@zeit-fragen.ch Subscription details: published regularly electronically as PDF file Annual subscription rate of SFr. 40,-, € 30,-, £ 25,-, $ 40,for the following countries: Australia, Austria, Belgium, Brunei, Canada, Cyprus, Denmark, Finland, France, Germany, Greece, Hongkong, Iceland, Ireland, Israel, Italy, Japan, Kuwait, Liechtenstein, Luxembourg, Netherlands, New Zealand, Norway, Qatar, Singapore, Spain, Sweden, Switzerland, United Arab Emirates, United Kingdom, USA © 2011. All rights reserved. No reproduction, copy or transmission of this publication may be made without written permission.
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