Dr. Sabine Schiffer: Der Islamisten-Spin Drucken E-Mail
Donnerstag, 30. August 2007

Essay, 28.08.2007 © Dr. Sabine Schiffer

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Der Islamisten-Spin

Verschwörungstheorien, Pseudo- und echte Verschwörungen

Wie kommt es, dass die Argumentation der antiislamischen „überparteilichen und unabhängigen“ Bürgerbewegungen (www.buergerbewegungen.de) christlich-funda­mentalistisch durchzogen ist? Und dass in Bezug auf „islamische“ Attentäter so schnell Fahndungserfolge zu verzeichnen sind – im Gegensatz zu den meisten anderen Gewalttaten? Wie kommt es, dass plötzlich neue Terrororganisationen wie eine „Fatah-al-Islam“ im Libanon auftauchen, während alteingesessene wie die christo-faschistischen Falangisten gänzlich unerwähnt bleiben? Hilft da jemand nach? Und wenn, dann wer?

 Die alte Weisheit, dass da andere Kräfte wirken, als vermutet, mag auch hier greifen. Irgendwie stinkt das alles zum Himmel und man wird freilich versuchen, dies in altbe­währter Manier als „Verschwörungstheorie“ und natürlich „Antiamerikanismus“ ab­zutun. Wenn man die anderen Verschwörungstheorien – sowohl die antijüdische als auch die antiislamische – dabei ebenso kritisch überdenken würde, wäre schon viel gewonnen. Hat nicht erst kürzlich die CIA zugegeben, dass sie in den 70er Jahren die Studentenbewegung massiv unterwandert hat – mit Drogen, Spin-Doktoren und direkter Aufstachelung zum Terrorismus? Damit hat sie die 68er-Bewegung, vor allem deren friedensbewegten Teil, zu dis­kreditieren versucht. Warum sollte sie derlei Gewohnheiten aufgegeben haben? Als kürzlich der Monitor in der ARD darüber berichtete, dass kurdische Freiheitskämpfer in Lagern im Nordirak zu Terroristen ausgebildet werden, um Anschläge gegen den Iran zu verüben, wurde eingeräumt, dass diese Machenschaften vom Bundesnach­richtendienst, dem deutschen Geheimdienst also, beobachtet und geduldet würden. Geduldet? Wer duldet, unterstützt oder initiiert hier welche Aktivitäten? Handelt es sich um eine kurdische, sog. islamistische oder wieder um eine US-amerika­nische Initiative oder gar um eine deutsche?

Noch scheinen sich selbst Magazine wie Monitor nicht zu trauen, die Fragen zu Ende zu stellen und die Antworten zu Ende zu denken. Die altbewährte Frage nach dem „Cui bono?“ – Wem nützt es? – deutet zuverlässig in die Richtung neokonservativer Thinktanks (s.u. PNAC-Paper). Jürgen Elsässers Recherchen sind nicht die einzigen, die bestätigen, dass die ur­sprünglichen „islamistischen“ Bewegungen von US-ameri­kanischen Geheimdiensten aufgebaut wurden, weil sie antinational und antikom­munistisch die jeweiligen Regime destabilisier(t)en. Nun scheinen sich diese Bewegungen verselbständigt zu haben mit aufwieglerischem und vernichtendem Potenzial. Die Überbetonung islamistischer Gefahren und die Übertragung anti­islamistischer Ängste auf Islam und Muslime allgemein, führt nicht nur zur kollektiven Ablehnung bis hin zum Generalverdacht gegenüber allem Islamischen, sondern birgt auch ganz massiv die Gefahr eines Ablenkungsmanövers.

Mit dem Evangelium in den Tod

Während die Existenz von Islamistennetzwerken ständig beschworen wird, breitet sich im Windschatten dieses Wahrnehmungsfensters das evangelikale in Ruhe aus. Weltumspannend ist inzwischen das Missionierungs- und Destabilisierungsnetzwerk baptistischer und ähnlicher radikal-christlicher Gemeinden. Der wirtschaftlich sehr erfolgreiche Willow Creek ist nur eines von vielen Netzteilen, der besonders erfolg­reich durch die Ausrichtung von Jesuserlebnissen mit Festival-Charakter auch in Deutschland und vor allem bei der Jugend gut Fuß gefasst hat. In den 90er Jahren schossen evangelikale Ge­meinden und Büros wie Pilze aus dem Boden. Die etwas angestaubte Christliche-Mitte um Adelgunde Mertensacker, die sich mit ihrem Kurier „für ein christliches Abendland“ und sehr selektiven und gezielt „Anti-moham­medanischen“ Schriften hervortat, gerät dabei fast ins Hintertreffen. Neue Sternchen am Horizont haben die Aufgabe der Errettung des Abendlandes übernommen. Wie neuerdings Udo Ulfkotte mit der sog. „Pax-Europa“, dessen Website www.akte-islam.de von antisemitischen und antiislamischen Stereo­typen durchzogen ist – wie etwa Ritualmordvorwürfen und der Verpönung des Schächtens. Wenn man seine Fallsammlung betrachtet, wobei er die Einzelfälle explizit nicht als individuelle Entartung gelten lassen will, so tut sich hier in der Verallgemeinerungs­logik gar eine „islamische Frage“ auf. Wie auch in der großen Politik, so ergeben sich aktuell einige neue Allianzen mit jüdischen Warnern vor einer islami(sti)schen Weltver­schwörung, die genauso wenig ahnen wie viele säkulare Moscheebaugegner auch, dass sie einer konzertierten Aktion evangelikaler Kräfte zuarbeiten. Diese sehr heterogenen Gruppen wären sich freilich weniger grün, wenn es nicht den gemeinsamen Feind gäbe – Gott sei Dank gibt es also Islam und Muslime, um die Evangelisation der Welt vorantreiben zu können!

Auch katholische Akteure wie Aloysius Winter und evangelische Frei- und Landes­kirchen ziehen ob ihrer eigenen Verunsicherung inzwischen mit den Evangelikalen an einem Strang. Dass ausgerechnet ein Evangelikaler wie Johannes Kandel, der bei der Bundeszentrale für politische Bildung unbelegte Antisemitismusvorwürfe verbreiten darf, auch der Friedrich-Ebert-Stiftung angehört, mag verwundern ebenso wie seine Publikationen unter dem renommierten Label – etwa eines von 2004, das etliche Argumentationen in Bezug zum und letztlich gegen das Kopftuch von den gesammelten Hetztiraden der Christlichen Mitte ableitet, wenn diese auch in der Bibliografie unerwähnt bleiben. Sein Einfluss reicht außerdem bis in die höchsten Kreise der Evangelischen Kirche und war mit bestimmend bei der Formulierung der neuen EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbar­schaft“, die im Vergleich zum Vorgängermodell einen klaren Ab­grenzungs- bis Ablehnungston Islam und Muslimen gegenüber auflegt. Neben ihm haben sich in dieser Sache Christine Schirrmacher, Reinhard Hempel­mann und Gerhard Duncker durch ihre fundamental christlichen Positionen hervor­getan, wobei die Vorgabe von Bischof Huber bereits klar in die verschärfende Richtung ging. Nun wird sich gerade die evangelische Kirche – aber nicht nur sie – in Deutschland fragen lassen müssen, warum etwa der christliche Fun­damentalist Mark A. Gabriel als Referent durch die Gemeinden gereicht wird. Er hetzt massiv gegen den Islam, dem er früher – in einer ähnlich fundamentalistischen Ausrichtung – an­gehörte.

Während er die Freiheit auf christlicher Seite beschwört und zu Demokratie, Men­schen­rechten und Aufklärung aufruft, arbeiten etliche evangelikale Gruppierungen im Hintergrund gerade gegen diese Werte. Denn genau das ist der Effekt bei dem groß angelegten Ablenkungsmanöver, bei dem so kleine Rädchen wie die Konvertiten Mark Gabriel (Name geändert) und Ayaan Hirsi Ali (Name geändert) die Kronzeugen mit wenig Durchblick abgeben. Während vor dem Islam als Gefahr für Grundgesetz und Meinungsfreiheit gewarnt wird, soll genau das erreicht werden, was man Muslimen vorwirft: die Änderung des Grundgesetzes (in dem Fall mindestens die Ab­schaffung der Reli­gionsfreiheit), die Abschaffung von Homosexuellenrechten (s. wie Volker Beck auf der Seite www.gruene-pest.de beschimpft wird), die Be­strafung jeglicher Abtreibung, die Abschaffung der darwinschen Evolutionslehre in den Schulen. Ob sie auch Schäubles Aufrufe zur Aushebelung unserer rechtstaatlichen Grundrechte wie Unschulds­vermutung, Recht auf einen Prozess vor der „Liqui­dierung“ uvm. mittragen oder gar mitinitiieren, bliebe zu prüfen. Und mit Unter­lassungsklagen in horrenden Höhen steht ausgerechnet Udo Ulfkotte in der Reihe derjenigen, die gegen die Meinungsfreiheit zu Felde ziehen. Wie die Geschichte über die Verantwortlichkeiten der Kriege entscheidet, die wir gerade mitführen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls bedeutet „Frieden“ im evangelikalen Jargon etwas ganz anderes, als sich ein Pazifist vorstellen mag – die Konfrontation wird nämlich um des rechten Glaubens Willens gerade nicht gescheut und die Mittel sind je nach Durchsetzungskraft variabel.

Jemand, der glaubt, dass nur die Apokalypse ihm sein Heil bringen kann, mag das nicht erschrecken. Und das erwarten nicht nur islamistische Fundamentalisten, sondern auch und ganz besonders christ­lich-fundamentalistische Evangelikale. Letztere sehen die Aussicht auf Erlösung gerade in einem kollektiven Apokalypse-Endzeit-Erlebnis und wenn man ihren Web­siten glaubt, dann sind der Irak-Krieg seit 2003 und der Libanon-Krieg 2006 die be­grüßenswerten Auftakte zu diesem großen Finale. Dabei müsse Israel in jüdischer Hand sein, damit der Messias herabsteigen kann, der dann allerdings nur die recht­geleiteten Christen erlöst und alle anderen vernichtet. Amargeddon eben, wobei die Juden bis dahin als unbedingt notwendige Platzhalter heftig umworben werden.

Nun stellt sich freilich die Frage, warum sich diese „rechtgeleiteten“ Christen mit einigen Extremen der sog. Islamisten eigentlich nicht verbünden – die Ansichten sind doch ziemlich gleich. Wenn da nicht der Anspruch auf den rechtgeleiteten Glauben wäre, den zu er­reichen, alleine Heil verspricht. Nicht etwa das, was man im Leben getan hat – und schon gar nicht das, was man für die Allgemeinheit tut – könne einem zur Erlösung ver­helfen. Nur die Ausrichtung auf „den richtigen Gott(es­glauben)“ zählt – dieses Denken ist derart exklusivistisch, dass man sich seine Partner bis zum Erreichen des Amargeddon gut aussuchen muss.

 
Unheilige Allianzen

Dass der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz e.V. (DEA) 10 Kinder hat, sollten wir hier eigentlich nicht erwähnen – das käme ähnlichen Fakten­nennungen bei Muslimen gleich, die man damit in ein bestimmtes Licht stellen will. Die DEA verfügt über einen eigenen Medienverbund, der in Wetzlar angesiedelt ist, wo übrigens auch Ulfkottes Website eingetragen ist. Mit Hilfe dieses Medien­verbundes betreibt die Allianz seit Jahr und Tag professionelle Lobbyarbeit. Ganz offen und zum Beispiel publiziert im Medienmagazin pro. Dort ist auch von dem Treffen der Funktionäre mit Angela Merkel zu lesen, der Pfarrerstochter, die eine alte Kohlsche Tradition damit wieder aufnimmt. Nach dem Tod Horst Waffen­schmidts füllt nun Wolfgang Baake, Geschäftsführer des Christlichen Medien­verbundes der „Konferenz Evangelikaler Publizisten“ (KEP) und Herausgeber des besagten Medienmagazins, die entstandene Lücke. In diesem Zusammenhang ist es sehr auf­schlussreich, welche Mitglieder des Bundestages an dem sog. „International Prayer Breakfast“ in Washington teilnahmen und teilnehmen – und welche sich dem freitäglichen Gebets­kreis in den Räumen der Parlamentarischen Gesellschaft anschließen.

Zu dem Netzwerk der Evangelikalen in Deutschland gehört auch das über die eigene Stiftung idea finanzierte Institut für Islamfragen von Christine Schirrmacher – die Ausrichtung dieses Instituts dürfte damit nicht mehr verwundern, ebenso wenig wie Fr. Schirrmachers Rolle bei der Formulierung der besagten Handreichung. Wer sich für die evangelikale Lobbyarbeit ausbilden lassen will, kann das in der hauseigenen Medienakademie der KED tun. Übrigens, das Medienmagazin pro sowie das idea-Spektrum sind kostenlos abonnierbar und wirklich empfehlenswert, weil man hier nicht mit den Akteuren, der eigenen Ausrichtung und den Einflusssphären des Netzwerks hinter dem Berg hält. Nur in einer Sache hält man sich bedeckt: Woher das ganze Geld für die vielfältigen Aktivitäten kommt.

 

Die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) bejubelt auf einem ihrer neueren Flugblätter den Einzug einiger evangelikaler Parteigänger ins niederländische Kabinett. Der Vorsitzende der evangelikalen Partei ChristenUnion werde sogar stellvertretender Ministerpräsident. Das Wirken der Evangelischen Allianz in der Schweiz, auch und gerade in Bezug auf die „Judenmission“, kann über deren Website nachverfolgt werden. Weitere Recherchen werden weitere Zweige der groß an­gelegten Kam­pagne zu Tage treten lassen, wovon die Internationale Evangelische Allianz mit Aktivitäten in 120 Ländern wiederum nur einen Teil darstellt. Wir „gottlosen“ Europäer haben sicher Schwierigkeiten uns vorzustellen, welche Stellung die Religion in den USA hat, in deren Gründungs­geschichte von Anfang an diejenigen Auswanderer aus Europa viel politisches Gewicht hatten, die nach dem Westfälischen Frieden nicht bereit waren, den „wahren Glauben“ unter das Staatsrecht einzu­ordnen.

 

Ein weiteres Zentrum der antiislamischen Speerspitze dieser Bündnisse in Deutsch­land stellt Wertheim dar – einer der Ausgangspunkte der Anti-Moscheebaubewegung und Wohnort des Vorsitzenden des „Bundesverbandes der Bürgerbewegungen zur Bewahrung von Demokratie-, Heimat- und Menschenrechten e.V.“, dessen einzige Ausrichtung jedoch das Warnen vor einer „islamischen Unterwanderung“ ist. In Wertheim hat am 2. Juni 2007 ein Vor­bereitungstreffen für eine Großdemonstration am 11. September in Brüssel stattgefunden. Rechte, Christo-Fundis, Hobby-Islamgegner und wer es werden wollte ver­sammelten sich hier, um die Aktion „Gegen die Islamisierung Europas“ zu planen. Unter dem Stichwort „Wertheimer Appell“ wird im Netz Werbung für die Demo gemacht, zu deren Vorbe­sprechung jedoch weit weniger Personen gekommen sind, als erwartet. Dennoch besteht Aussicht auf Aufmerksamkeit in diesen aufgeregten Zeiten. Der Zeitpunkt ist sogar ausgesprochen günstig, um unbemerkt in die Mitte der Gesellschaft vorzu­dringen – Islamophobie ist „in“ und wird derzeit noch unter unumschränkte „Meinungs­freiheit“ abgebucht. Gerade die Forderung von PBC und Evangelikalen nach „Mehr Christen in die Politik“, also dezidiert gegen die Trennung von Religion und Politik, lässt jedoch daran zweifeln, dass es wirklich um die Abwehr einer „religiös-ideologischen Diktatur“ gehe – wohl eher um die Frage, welcher.

Dass die evangelikale Unterwanderung mit vielen verschiedenen Akteuren und Infiltrationsstrukturen auch in Deutschland angekommen ist, darf nicht verwundern. Warum sollte gerade Deutschland ausgespart bleiben, eines dieser „gottlosen“ europäischen Länder? In Latein­amerika, Afrika, dem Irak und fast überall sind diese Gruppierungen aktiv. Eine zu­mindest gedankliche Nähe zur neoliberalen Weltsicht scheint nicht von der Hand zu weisen, verfügt man doch über das gleiche faschistische Welt- und Menschenbild, das die Differenz von Menschen(-klassen) betont und diese zu verstärken trachtet unter der Prämisse der eigenen Höherstellung (sprich: einem Auserwähltheits­gedanken). Man vergleiche nur einige Äußerungen von George Bush stellvertretend für viele seiner „Sicherheits­berater“, die aus dem gleichen Umfeld stammen. Wenn etwa Bush „direkt von Gott“ beauftragt wurde, welches Menschenkind sollte dann seine Politik kritisieren können?
 

Signalwort „Sicherheit“

Immer wenn das Wörtchen Sicherheit auftaucht, kann man davon ausgehen, dass neo-liberale Wirtschafts- und damit gleichzeitig Militärinteressen dahinter stecken. Auch das neue Weißbuch der Bundeswehr ist von diesem Gedankengut durch­drungen. Das World-Security-Network (WSN) klingt ähnlich gut und engagiert, ähn­lich wie viele der Argumente, die uns direkt in eine Militär-EU, eine internationale NATO-Einsatztruppe und damit in die nächsten Kriege führen sollen. So fällt die eigentümliche Auswahl von Themen des WSN auf, wenn man deren News­letter regelmäßig verfolgt. Sehr oft an den relevanten Themen vorbei wird in geringen Dosen der antiislamische und pro-amerikanische Spin einge­flochten. Udo Ulfkotte, „Retter des christlichen Abendlandes“, tauchte erst kürzlich mit seinem neuesten anti­islamischen Buch in dem besagten Netzwerk auf. Die Internationalität seiner Aktivitäten wie die Warnungen vor der „Islamisierung Europas“ machen aber nur solange Eindruck, wie man nicht weiß, dass Hubertus Hoffmann der Begründer dieses „anspruchs­vollen“ Welt-Sicherheits-Netzwerks ist. Wes Geistes Kind er und das Netzwerk sind, verrät sich in einzelnen Formulierungen ihrer Verlautbarungen. Da ist etwa immer wieder von „The New Middle East“ die Rede, so als gäbe es den schon. Wir erinnern uns, dass im sog. PNAC-Paper,[1] in dem hochdotierte neo-konservative Kreise von den Einflusss­phären des „New American Century“ träumen, die Umstrukturierung des sog. Nahen Ostens/Middle East Programm ist – mittels Krieg. 

Hoffmann, Träger des Bundesverdienstkreuzes, zeichnet sich durch eine Medien­karriere ebenso aus wie durch seine uneingeschränkte Affinität zur US-ameri­kanischen Politik. Während er sich zu Wendezeiten noch an wichtigen Schaltstellen in der ZDF-Zentrale befand, gründete er inzwischen das weltweit operierende Internet Media House sowie die General Capital Group, eine Investmentgesellschaft mit Sitz in München und nicht ganz so leicht zu definierenden Aufgabenfeldern.

Ulfkotte wird auf der Website des WSN unter „Our Network“ als Autor geführt.[2] Ebenso wie Friedbert Pflüger und weitere CDU-Mitglieder. Und Samy Gemayel, Enkel des libanesischen Falangisten­gründers Pierre Gemayel. Ob hierin eine Erklärung dafür zu finden ist, dass die Machen­schaften der faschistisch-christlichen Organisation im Libanon so gut wie keine Erwähnung in der Bericht­erstattung finden? Denn ohne sie kann man die Vorgänge im Libanon nicht verstehen. Wieder ein Ablenkungsmanöver, wenn die Morde an den Gemayel-Männern als Antwort auf deren „anti-syrische Haltung“ interpretiert werden? Oder nur ein Beispiel für das tückische Wahrnehmungsphänomen, Framing, eines jeden Medien­schaffenden und Mediennutzers, wobei die dünnen Fakten des je­weiligen Informationsfetzens vorschnell in einen bereits vor­handenen Interpretations­rahmen eingeordnet werden? Oder eine gezielte Fehlleitung durch Randinfor­mationen, die vom eigentlichen Zusammenhang ablenken (sollen)? Wie etwa auch im Fall der letzten Londoner „Anschlagsversuche“? Wie kommt es nämlich, dass die „Zeugenaussage“ des anglikanischen Pfarrers Andrew White, der die im Irak operierende evangelikale „Foundation of the Reconciliation in the Middle East“ gegründet hat, in der Bericht­erstattung rauf und runter gebetet wird: „Die, die Euch heilen, werden Euch töten!“? Mehr Fragen als Antworten, aber vielleicht ein Hinweis, in welche Richtung investigativer Journalismus seine Rechercheaktivitäten lenken sollte.


[1] s. u.a. http://www.newamericancentury.org/RebuildingAmericasDefenses.pdf

 

2] Dieser Satz wurde auf Grund einer Abmahnung von Dr. Ulfkotte geändert – vertreten durch seinen Anwalt Felix Damm aus Frankfurt/Main.

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 31. August 2007 )
 
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