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«Wir werden es lernen müssen, mit Zentren wie China und Russland ganz anders zusammenzuarbeiten, weil sie stärker werden und nicht schwächer»

Alexander Rahr in einem Interview mit dem Deutschlandfunk vom 28.1.2014
28.1.2014

«Eines müssen wir uns, denke ich, jetzt anders vorstellen, als wir das in den 90er Jahren gesehen haben. Russland ist nicht eine untergehende Grossmacht, sondern ist wieder auf dem Weg nach oben, und Russland baut, ob wir das wollen oder nicht, wir können es nicht verhindern, im Osten Europas eine Eurasische Union auf, und diese Eurasische Union muss natürlich mit der Europäischen Union langfristig eine Kooperationsbasis schaffen. Ansonsten stecken wir weiter im Kalten Krieg.

Ich glaube, dass beide Seiten gravierende Fehler in der Ukraine gemacht haben, die Russen mit ihrem Handelskrieg, aber auch die Europäische Union  – das hat ja Frau Merkel, unsere Bundeskanzlerin, in ihrer Regierungserklärung gesagt  – hat den Fehler gemacht, die Ukraine vor die Alternative zu stellen, entweder oder. Es muss doch irgendwie möglich sein, einem Land wie der Ukraine beide Optionen zu ermöglichen, sowohl eine Assoziierung mit der Europäischen Union als auch eine enge Zusammenarbeit mit der Eurasischen Union. […]

Die Eurasische Union kann nicht ohne die Ukraine gebildet werden. Aber im momentanen Zustand ist die Eurasische Union, die Putin und der kasachische Präsident Nasarbajew aufbauen, nicht gegen die Europäische Union per se gerichtet, sondern es ist ein Versuch, ein Integrationsmodell im Osten Europas zu schaffen, das irgendwann mal eine Freihandelszone mit der Europäischen Union unterzeichnen soll.
Wir müssen mit den Russen eine gemeinsame Lösung für die Ukraine finden.

Die Russen haben genauso viel Einfluss auf die Ukraine wie der Westen, wie die Europäische Union, und deshalb muss man nach Gemeinsamkeiten suchen. […]
Der Westen ist aus meiner Sicht noch immer in der Siegerposition der 90er Jahre. Wir haben den Kalten Krieg aus unserer Sicht gewonnen und betrachten Länder wie Russ­land noch als gelehrige Schüler. Das hat sich geändert. Die Welt ist nicht mehr mono­polar, sondern multipolar. Wir werden es lernen müssen, mit Zentren wie China und Russ­land ganz anders zusammenzuarbeiten, weil sie stärker werden und nicht schwächer, als wir das bisher gemacht haben.»

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Quelle: Zeit-Fragen
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1714
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