Donald Trump ernennt Michael Flynn zum Nationalen Sicherheitsberater

km. Zahlreiche deutschsprachige Medien meldeten am 18. November 2016, Donald Trump habe den ehemaligen Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA, General Michael Flynn, zum Nationalen Sicherheitsberater der künftigen US-Regierung ernannt. General Flynn war vom US-Präsidenten Obama nach zwei Amtsjahren (2012 –2014) entlassen worden. In den deutschsprachigen Mainstream-Medien wird die Ernennung von Michael Flynn scharf kritisiert.

Willy Wimmer hingegen schrieb am 16. November 2016 über Michael Flynn:

«Genau vor einem Jahr fand ich mich in der Moskauer ‹Neuen Manege› an einem Tisch des Präsidenten der Russischen Föderation, Herrn Wladimir Putin, mit dem gerade in den Ruhestand versetzten amerikanischen General Flynn wieder. Festliches Abendessen war angesagt. Dabei war GeneralD. Flynn noch kurz zuvor durch die weltweiten Nachrichtensendungen mit seinen Aussagen darüber getourt, wer eigentlich der Schöpfer des IS sei, und hatte Washington schonungslos dem Regen ausgesetzt.»

In Daniele Gansers neuem Buch «Illegale Kriege. Wie die Nato-Länder die Uno sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien» ist auf den Seiten 297 und 298 über ein Dokument der DIA zu lesen:

«‹Der Inhalt des Geheimdokuments verschlägt einem die Sprache›, kommentierte Jürgen Todenhöfer, als das DIA-Dokument 2015 publik wurde. Denn damit war klar, dass die Nato-Länder mit den Dschihadisten kooperieren, um Assad zu stürzen. Man muss die relevante Passage zweimal lesen, bevor man sie glauben kann: ‹Die Salafisten, die Muslimbrüderschaft und al-Kaida im Irak (AQI) (so wurde damals der spätere IS genannt) sind die Hauptkräfte, die den Aufstand in Syrien anführen›, sagt das Dokument ganz klar […]. ‹Ein Friedens-Nobelpreisträger als Terror-Pate! Der Westen an der Seite des internationalen Terrorismus! Als wissentlicher Förderer des internationalen Terrorismus!›, kritisierte Todenhöfer. Aber die Nato-Medien liessen das Dokument in den Kriegswirren untergehen. […]

 

Der Direktor des amerikanischen Militärgeheimdienstes DIA, General Michael Flynn, bestätigte gegenüber dem Journalisten Mehdi Hasan die Echtheit des Berichts. ‹Ja, ich habe dieses DIA-Dokument vom August 2012 gesehen›, so Flynn. Der Journalist Mehdi Hasan wollte daraufhin wissen, warum denn die USA mit radikalen Dschihadisten zusammenarbeiten. ‹Es war eine absichtliche Entscheidung der Regierung›, erwidert Flynn. ‹Sie müssen wirklich den US-Präsidenten fragen, was er da eigentlich macht, weil es sehr verwirrend ist.› Damit hatte General Flynn den Nagel auf den Kopf getroffen.»

Und im folgenden Abschnitt ergänzt Daniele Ganser:

«General Michael Flynn und andere hochrangige Offiziere in den USA wollen nicht, dass Assad durch Fundamentalisten ersetzt wird. Sie halten es für falsch, dass Nato-Länder radikale islamistische Gruppen wie IS und al-Nusra unterstützen. ‹Wenn die amerikanische Öffentlichkeit die Geheimdienstinformationen zu Gesicht bekäme, die wir Tag für Tag auf sensibelstem Niveau ans Licht förderten, würde sie ausrasten›, sagte Flynn zu dem Investigativ­journalisten Seymour Hersh. ‹Wir kannten die langfristige Strategie und die Einsatzpläne des IS, und wir diskutierten auch darüber, dass die Türkei bewusst wegsah, als der Islamische Staat in Syrien immer stärker wurde.› Die entsprechenden DIA-Berichte seien aber bei der Administration Obama auf ‹enormen Widerstand› gestossen. ‹Ich hatte das Gefühl, man wollte die Wahrheit nicht hören›, so Flynn, der zurücktreten musste. Oberst Patrick Lang, der zehn Jahre für die DIA gearbeitet hatte, erklärte, dass Flynn ‹den Zorn des Weissen Hauses auf sich zog, weil er darauf pochte, die Wahrheit über Syrien zu sagen … Er weigerte sich, den Mund zu halten.›»

USA vom eigenen Imperialismus befreien

«Anstatt über die Art und Weise nachzudenken, wie wir aus der Administration Trump Vorteile herausschlagen können, sollten wir uns eher fragen, wie wir ihm zum Erfolg verhelfen könnten, damit er sein Land von seinem eigenen Imperialismus befreien und der unipolaren Welt […] ein Ende bereiten kann; wir sollten uns fragen, wie wir die Konfrontation durch Zusammenarbeit ersetzen können. […]
Wir müssen uns auf General Michael T. Flynn stützen, der, obwohl Demokrat, der wichtigste Berater in Aussen- und Verteidigungspolitik während seines Wahlkampfes war. Als Kommandant des militärischen Nachrichtendienstes, von der Genf-1-Konferenz bis zur Eroberung des Irak durch Da'esh, liess er nicht davon ab, Präsident Obama, US-Aussenministerin Clinton, die Generäle David Petraeus und John Allen und Jeffrey Feltman zu bekämpfen, was die Benutzung von Dschihadisten und Terrorismus für die Aufrechterhaltung des amerikanischen Imperialismus betraf.»

Politik, USA, Krieg, Syrien, Imperialismus

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Quelle: Thierry Meyssan in Réseau Voltaire vom 15.11.2016
http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2016/nr-27-22-november-2016/europa-und-der-neue-us-praesident.html
Übersetzung: Übersetzung Horst Frohlich und Zeit-Fragen
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