Al-Assad – Nicht die Entscheidung von Hollande, noch die von Obama

von Doris Auerbach
23.11.2015
d.a. In seiner Rede in Versailles, die der französische Präsident am 13. November an dieAbgeordneten und Senatoren richtete, und deren Gegenstand die Angriffe des 13. 11. waren, sagte er wörtlich: »Und in Syrien kann Assad nicht Bestandteil der Zukunft sein.« Mit welchem Recht? Hat er das zu entscheiden oder das syrische Volk?

Woher nimmt er diese Überheblichkeit, zumal er am 7. 9. in einer Pressekonferenz als Reaktion auf Putins Vorstoss einen Kurswechsel angedeutet hatte: Frankreich bestehe nicht mehr darauf, dass Assad als Vorbedingung für Frieden in der Region sofort zurücktrete. Frankreich sei bereit, mit allen Ländern, die bei einer politischen Lösung und einem Übergang helfen können, zu kooperieren, so auch mit Russland und dem Iran. Zum Machtübergang in Syrien sagte Hollande im September lediglich, man solle nichts tun, was Assad stärke, und ›irgendwann‹ werde Assad gehen müssen.

Seiner Erklärung nach »ist Syrien die grösste Terrorfabrik aller Zeiten geworden.« Das spricht er einfach so aus, obwohl er darüber völlig im Bilde sein muss, dass diese Entwicklung zwangsläufig eingetreten ist, als Ausgeburt des Westens ist, sein Staat eingeschlossen.

Dass das Inferno in Syrien gezielt herbeigeführt worden ist, ist in »Syrien  – Die »programmierte« Zertrümmerung  – Von Doris Auerbach« (siehe: http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=1994) minutiös aufgezeigt, ebenso in zahlreichen weiteren zu Syrien veröffentlichten Berichten auf politonline.

Vorausgeschickt sei zunächst noch einmal, dass die Aufteilung der Region anhand von ethnischen, religiösen und clanbedingten Spaltungslinien im ›Greater Middle East Project‹ der USA als ›Entwicklungsmodell‹ angedacht ist. Dies haben US-Think Tanks schon seit Jahren offen skizziert, nämlich den Raum ›Greater Middle East‹ komplett umzustrukturieren.

Dazu gehört auch der Sturz der Regierung Assad mit allen Mitteln, denn der Krieg gegen Syrien war von Präsident George W. Bush bei einem Treffen in Camp David am 15. September 2001 kurz nach den Anschlägen am 11. 9. 2001 beschlossen worden. Depeschen aus der US-Botschaft in Damaskus sprachen bereits 2006 von einem ›Destabilisierungsplan gegen die Assad-Regierung‹.

Der mit tödlicher Verbissenheit verfolgte Sturz des syrischen Präsidenten steht darüber hinaus in Verbindung mit der von Katar ursprünglich geplanten Pipeline von Katar über Syrien nach Europa; 2009 hatte Assad, um die Interessen seines langjährigen Verbündeten Russland zu schützen, die Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens mit Katar abgelehnt.

Katar verfügt über eines der grössten Erdgasvorkommmen der Erde, das es zu Geld zu machen gedenkt, und die Planung einer Pipeline von Katar durch Saudi-Arabien und Syrien zur Türkei, um das Erdgas nach Europa zu überführen, hatte seit Jahren bestanden. »Als Assad im März 2011 mit dem Iran und dem Irak ein Abkommen über eine alternative Pipeline unterzeichnete«, schreibt F. William Engdahl,

»begannen der Westen und besonders Saudi-Arabien, Milliarden von Dollars in die Aufrüstung von Söldnertruppen zu stecken, darunter in die al-Qaida-Dschihadisten, die nach Syrien geschickt wurden, um das Land ins Chaos zu stürzen und Assad abzusetzen.«

Der Bau wichtiger Öl- und Gaspipelines, die Saudi-Arabien und Katar mit dem östlichen Mittelmeerraum und der Türkei verbinden und deshalb partiell durch syrisches Gebiet führen sollen, ist natürlich auch ein Ziel des Westens. Syrien, eine der ältesten Zivilisationen der Welt, soll nun zerstört werden,

»weil es sich den westlichen Interessen nicht beugen will, weil es eigene nationale Interessen verfolgt und weil es die 1978 geknüpfte Allianz mit dem Iran nicht aufgibt«. 

Im Februar dieses Jahres sprach sich der vormalige US-Verteidigungsminister Leon Panetta hinsichtlich Syriens wie folgt aus:

»Ohne Assads Sturz wird es keine Lösung geben. Wir reden jetzt alle über den IS, aber für eine friedliche Lösung in Syrien muss Assad gestürzt werden«.

Und noch diesen August zeigte es sich, dass auch die Türkei den Sturz des Assad-Regimes will; zu den Gründen, Syriens säkulare Regierung zu stürzen, zählte bekanntlich auch das Ziel, dessen Verbündeten Iran zu unterminieren.

Fakt ist, dass al-Qaida bis zu dem von der USA, der NATO und Israel inszenierten ›Volksaufstand‹ im März 2011 nicht in Syrien präsent war. Am 30. 4. 11 ist ersichtlich, dass die Proteste in Syrien vor allem aus dem Ausland angeheizt werden.

Am 28. 2. 12 ruft die damalige US-Aussenministerin Hillary Clinton die Syrer dazu auf, sich gegen Assad zu erheben. Im August 2012 greift Grossbritannien den syrischen Rebellen weiter unter die Arme, indem es die Unterstützung für diese erhöht und ihnen 5 Millionen £ für Kommunikationstechnik und medizinische Hilfsgüter zur Verfügung stellt.

London, schreibt der britische Aussenminister William Hague, müsse seine Kontakte zum politischen Flügel der ›Freien Syrischen Armee‹ FSA intensivieren, ›um den unausweichlichen Fall‹ von Präsident Baschar al-Assad vorzubereiten.

Im selben Monat kündigen die USA und die Türkei an, den Sturz von Assad beschleunigen zu wollen; der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu erklärt am 30. 10. 12, sein Land lehne jeden weiteren Dialog mit der syrischen Regierung ab; als einziges Nachbarland hat die Türkei den Aufstand gegen Assad von Anfang an unterstützt. Anfang September 2012 erklären die Aussenminister: »Wir, die EU, müssen auch sehen, wie wir unsere derzeitige Arbeit mit der syrischen Opposition verbessern«, während das russische Aussenministerium gleichzeitig die internationalen Unterstützer der gegen Assad aufgebauten syrischen Rebellen für den dortigen Terrorismus verantwortlich macht. 

Zum ISIS siehe:

Zum ›Greater Middle East Project‹ siehe auch:

Dagestan: Syrien kommt nach Rußland  – Von F. William Engdahl:
http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=2028

  1. http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58881   3. 6. 14  
  2. http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html   18. 11. 2015 
  3. http://antikrieg.com/aktuell/2015_11_16_militaerische.htm   16. 11. 15 Michel Chossudovsky
  4. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/obama-besteht-auf-entmachtung-assads-13921652.html   19. 11. 15  
  5. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22258   20. 11. 15

Naher Osten, Politik, USA, Iran, NATO, Syrien, Frankreich, Türkei, Politik & Wirtschaft, Ressourcen

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http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=2470
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