„Work hard – Play hard“ – Ein Blick in Orwells schöne neue Arbeitswelt

Carmen Losmann hat einen sehenswerten Dokumentarfilm* über die moderne Arbeitswelt gedreht. "Work hard – play hard" erzählt von Team Buildings und kreativer Ausbeutung.
Von Meike Fries - April 2012, 19:21 Uhr
Work hard - Ein paar Männer sitzen im Kreis. Sie haben die Augen geschlossen, sie atmen. "Schaut euch eure Erkenntnisse an", sagt einer. Doch die meditative Übung ist nicht Teil einer Yogastunde . Zuvor haben sich die Männer aus Bäumen abgeseilt und sind mit verbundenen Augen durch einen unterirdischen Gang gekrabbelt. Sie trugen Helme mit Namensaufklebern, und wer etwas sagen wollte, musste vorher in eine Kindertröte pusten. Sie mussten einander Versprechen geben: "Ich werde demnächst noch mehr und besser und verstärkt kommunizieren, um Prozesse und Aufgaben schneller und zielführender erledigen zu können, was am Ende heißt: mehr Umsatz." Jetzt ruhen sich die Männer aus und schauen mit geschlossenen Augen ihre Erkenntnisse an. Ihr Arbeitgeber war der Meinung, dass ihre Teamfähigkeiten optimiert werden müssten. Deswegen sind sie hier, in einem Hochseilgarten in der Lüneburger Heide .

Das Outdoortraining für Angestellte ist eine Station auf Carmen Losmanns Reise durch deutsche Unternehmen, durch Konferenzräume und karge Empfangshallen, hinter orangene Stellwände und zu abgezirkelten Coffee Points , in denen Privatgespräche über Fußballergebnisse durchaus erwünscht sind. Die junge Dokumentarfilmerin hat etwa Architekten dabei beobachtet, wie sie die neue Firmenzentrale von Unilever in Hamburg entwerfen. Die Mitarbeiter sollten "auf keinen Fall daran erinnert werden, dass sie arbeiten ", sagt einer der Planer. Das Ergebnis ist im Film zu sehen.
(...)

Losmann hat mit klugem, nüchternem Blick einen Gruselfilm erster Güte geschaffen. Die grauen Herren sind längst da. Sie tragen bunte Designerbrillen und stellen überall Polstermöbel auf.

Lesen Sie den ganzen Artikel aus der ZEIT hier:
http://www.zeit.de/kultur/film/2012-04/work-hard-film

Geschätzte Seniora-Leserin, geschätzter Seniora-Leser,

Schauen Sie sich den ganzen Film an (58 Min.) Es macht nachdenklich, wenn man versteht, dass die Horrorvision Desktopsharing: Die Abschaffung des «eigenen» Stuhls, des «eigenen» Tisches, also die Einführung des «nonterritorialen Arbeitsplatzkonzepts», die Blaupause ist für die Schulreformen mit den ominösen «Lernwelten/Lernlandschaften», die nun überall eingeführt werden, auch in der Schweiz. Auch die Schüler werden dann keinen eigenen Stuhl und Tisch mehr haben: Sie sollen sich nicht “zuhause” fühlen.

So werden auch die Schüler «entwurzelt», so wie Arbeitnehmer, damit sie besser zu «führen» (Changemanagement!) sind. Führen kann man nur Menschen, die sich führen lassen und entwurzelte Menschen sind besser zu führen.

Der Film wirft ein Schlaglicht auf unsere unmenschliche Arbeitswelt. Eltern sind daher gut beraten, sich über die fortschreitende “Ökonomisierung und Digitalisierung des Bildungsbetriebs” (Türcke) zur Vorbereitung der Jugend auf diese Horrorwelt ein genaues Bild zu verschaffen.
Margot und Willy Wahl

Wirtschaft, Ideologie, Hirnforschung, Sozialverhalten

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Quelle: Der Film
https://vimeo.com/75468538
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