Wie kann man diesen Krieg noch verhindern?

. Veröffentlicht in Iran

Liebe Freunde,

erinnern wir uns: Winter 2003. Die Menschen auf der ganzen Welt waren alarmiert!

Am 15. Februar 2003 waren wir mit 40'000 an der Antikriegsdemo in Bern und Millionen waren weltweit an diesem Tag auf der Strasse und protestierten gegen die drohende Irak-Kriegsgefahr. Die Kriegstreiber setzten ihre Pläne über unsere Köpfe hinweg brutal um. Auf die Strasse gehen, war wohl zu wenig. Was hätten wir aber noch tun sollen?. Was müssen wir heute tun? Was lernen wir aus der Vergangenheit?

Wir müssen zurückschauen, uns erinnern, um die Gegenwart zu verstehen.

Die Medien hätten den Irakkrieg verhindern können, wenn die Tatsachen auf den Frontseiten und in den Headlines laut und deutlich gesagt worden wären! Das ist meine Überzeugung.

Und heute? Kurz vor einem Irankrieg? Die Pläne sind da. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Kriegstreiber sind praktisch immer noch dieselben. Die Lügen sind immer noch dieselben. Werden sie auch diesmal ihre Pläne über unsere Köpfe hinweg brutal umsetzen? Nur diesmal wird es ein Nuklearkrieg sein. Von „Mininukes“ reden sie, das tönt so niedlich, ist es aber nicht.

Werden wir in vier Jahren wieder sagen, die Medien hätten den Irankrieg verhindern können? Koennen wir die Medien zwingen, die Tatsachen auf den Frontseiten und in den Headlines laut und deutlich zu publizieren? Wahrscheinlich können wir sie nicht zwingen. Aber fordern können wir es von ihnen und sagen, sie sind Komplizen, wenn sie die Fakten verschweigen. Das zumindest sollen sie wissen. Die Tatsachen liegen klar vor uns: der Iran ist keine Gefahr! John Pilger, pax christi, die US-Physiker und viele andere erheben ihre Stimmen und sagen es laut und deutlich.  Das muss in die Schlagzeilen!

Das Nachstehende schrieb und veröffentlichte ich in meinem Verteiler im Januar 2003:

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: Willy Wahl [willy.wahl@smile.ch]
Gesendet: Montag, 27. Januar 2003 18:43
An: Willy Wahl
Betreff: SCOTT RITTER LESEN!  – UND DIE WAHRHEIT VERBREITEN!
Wichtigkeit: Hoch

Wie lange dauert es noch, bis die von der Bush-Administration ERFUNDENE "Gefahr für den Weltfrieden durch irakische Massenvernichtungswaffen" endlich in den Medien nicht mehr weiterverbreitet wird?

Diese sogenannten "Massenvernichtungswaffen" im Irak existieren ganz einfach nicht  – zumindest nicht in Quantität und Qualität, um den Weltfrieden bedrohen zu können. Eine Lüge wird auch durch ständiges Wiederholen nicht zur Wahrheit!

Wie lange wollen Medien uns das haarsträubende Argument, "Saddam müsse entwaffnet werden", noch auftischen?

Informieren Journalisten sich nicht richtig  – oder dürfen sie nicht?

Wenn ich an das Interview mit Scholl-Latour vom 26.01.03 "Wir werden schamlos irregeführt" denke, dann frage ich mich, wie kann man diesen Krieg noch verhindern?

Hier meine Bitte:

Senden Sie dieses Mail an alle Journalisten, Medienleute, Multiplikatoren mit der Forderung:

Lest "Krieg gegen den Irak"  – "Was die Bush-Regierung verschweigt".

William Rivers Pitt mit Scott Ritter, zitiert Scott Ritter und sagt endlich in Euren Medien die Wahrheit:

"Es gibt keinerlei Beweise, dass der Irak über funktionstüchtige atomare, biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen verfügt."

Scott Ritter zur Situation im Irak. Nichts übersehen?

Pitt: Sie sind sicher, dass bei den Inspektionen nichts übersehen wurde?

Ritter: Zwischen 1994 und 1998 überprüften Waffeninspekteure sämtliche chemischen Produktionsstätten des Irak; es wurden hochempfindliche Messinstrumente und Kameras installiert und unangemeldete Inspektionen durchgeführt. Wir fanden keine Belege dafür, dass Kapazitäten zur Herstellung verbotener Substanzen zurückgehalten oder wiederaufgebaut wurden. Mobile Inspektionsteams durchkämmten den Irak mit hochempfindlichen Sensoren, die Laserstrahlen ausschicken und die Inhaltsstoffe der Partikel untersuchen, die die Strahlen passieren. Diese Geräte positionierten wir in Windrichtung der chemischen Anlage, und so konnten wir genau sagen, was da jeweils emittiert wurde. Obwohl es nicht zu unseren Aufgaben gehörte, waren wir in der Lage, irakische Luftabwehranlagen aufzuspüren, weil die Laserstrahlen auch Salpetersäure anzeigten, ein Oxidationsmittel, das als Treibstoff für Scud-Raketen verwendet wird. Wir lokalisierten die Quelle und entdeckten mehrere Kilometer entfernt liegende irakische SA-2-Luftabwehrraketenstellungen. Die Dinger arbeiten äusserst genau.

Pitt/ Ritter, Krieg gegen den Irak, S. 52f.

«Wir fanden niemals einen Beweis»

Pitt: Und Ihre Kontrollen waren gründlich genug ... ?

Ritter: Wir waren sehr effektiv. Immer wenn eine irakische Delegation den Irak verliess, bekamen wir einen Wink; wir fanden heraus, wohin sie unterwegs waren, mit wem sie sich trafen und was sie kauften. Wir fingen Telex- und andere Nachrichten ab und installierten Abhöreinrichtungen in Hotels. Aber wir fanden nie einen Hinweis darauf, dass sie versuchten, verbotenes Waffenmaterial zu kaufen. Im Irak führte ich bei diesen Firmen unangekündigte Inspektionen durch und prüfte ihre Unterlagen. Dabei fanden wir interessante Dinge heraus, beispielsweise dass mindestens sechzig Franzosen im Auftrag des Irak Scheinfirmen in Frankreich betrieben. Aber bei der Überprüfung dieser Firmen stellten wir fest, dass sie nichts mit Massenvernichtungswaffen zu tun hatten. Unsere Erkenntnisse mögen für die Franzosen und für andere von grossem Interesse gewesen sein, aber nicht für uns.  Auch jetzt noch, wo die Inspekteure nicht mehr im Irak operieren, sind die Geheimdienste anderer Länder in der Lage, sofort alle Aktivitäten aufzudecken, mit denen der Irak versucht, sich verbotene Güter zu beschaffen.

Pitt/ Ritter, Krieg gegen den Irak, S. 56f.

Und al-Kaida?

Bleiben noch die Verbindungen zu al-Kaida.

Dieser Verdacht ist nun wirklich lächerlich. Saddam ist ein säkularer Diktator. Er hat in den vergangenen dreissig Jahren den islamischen Fundamentalismus bekämpft und ihn zerschlagen. Er führte nicht zuletzt auch wegen des islamischen Fundamentalismus Krieg gegen den Iran. Die Iraker haben heute Gesetze, wonach jemand, der für den Wahabbismus Anhänger wirbt, mit dem Tod bestraft wird; dies gilt nicht nur für den Wahabbismus, sondern für den Islam überhaupt, aber der Hass auf die Wahabbiten, zu denen auch Usama bin Ladin gehört, ist besonders gross. Usama bin Ladin seinerseits hasst Saddam Hussein schon lange. Er bezeichnete ihn als einen Abtrünnigen, der getötet werden müsse.

Pitt/ Ritter, Krieg gegen den Irak, S. 67f.

Die Atombombe

Sie haben das amerikanische Militär als die grösste Tötungsmaschine der Geschichte bezeichnet.

Wir können wirkungsvoller töten als irgendwer sonst auf der Welt. Die Frage lautet: Was kann uns daran hindern? Wenn es um Kriegführung in Städten geht und darum, in bebauten, von Zivilisten dicht bevölkerten Gebieten bestimmte Leute aufzustöbern, sind unsere Handlungsmöglichkeiten sehr begrenzt. Das heisst, dass wir auch beträchtliche Verluste hätten. Unser Blutzoll wird in die Hunderte, wenn nicht sogar in die Tausende gehen.

Und im denkbar schlimmsten Fall ... ?

Falls die ganze Sache schiefläuft und 70000 Amerikaner abgeschnitten im Irak nur mehr darauf warten können, vernichtet zu werden, werden wir die Atombombe einsetzen. Daran gibt es keinen Zweifel. Wir werden die Atombombe einsetzen. An diesem Krieg ist alles schlecht. Dieser Krieg wird nicht gut enden.

Pitt/ Ritter, Krieg gegen den Irak, S. 89.

Wer sind die Hintermänner?

Von wem in der amerikanischen Regierung geht dieser Druck aus, einen Militärschlag zu führen? Kürzlich äusserte sich Condoleezza Rice [Sicherheitsberaterin von George W. Bush] in dem Sinne, dass es anscheinend nur zwei Optionen gebe: gar nichts zu tun oder Krieg zu führen.

Condoleezza Rice hat nichts zu entscheiden.

Sie ist ein Sprachrohr. Aber für wen?

Für Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz und Richard Perle.

Weshalb?

Weil sie alle aus dem Umfeld einer neokonservativen Denkfabrik kommen, die äusserst enge Beziehungen zu Israel unterhält und die den Irak als Bedrohung für Israel und die Vereinigten Staaten ansieht.  Sie haben sich ideologisch, intellektuell und politisch darauf eingeschworen, Saddam Hussein zu beseitigen.

Pitt/ Ritter, Krieg gegen den Irak, S. 89f.

Was ist die Ideologie der Neokonservativen?

Wie würden Sie «neokonservativ» definieren? Ich frage deshalb, weil ich weiss, dass Sie Republikaner sind und Bush im Jahre 2000 unterstützt haben.

Ich würde als neokonservativ all jene bezeichnen, die alles zurückweisen, was ausserhalb ihres ideologischen Systems liegt. Ich glaube, ein Konservativer kann auch jemandem mit moderaten Ansichten zuhören und zumindest andere Auffassungen in Betracht ziehen. Aber Neokonservative sind so sehr in ihrer Ideologie verfangen, dass sie nichts anderes mehr in Betracht ziehen. Im Hinblick auf den Irak sind Neokonservative diejenigen, die im vergangenen Jahrzehnt in bestimmten Denkfabriken gewirkt haben  – das American Enterprise Institute fällt mir da ein  – und dort etwas entwickelt haben, was ich, ehrlich gesagt, nur als Meinung einer Randgruppe bezeichnen kann.

Nachdem es Bush mit der Wahl nicht geschafft hatte, das Mandat zu bekommen, das er gebraucht hätte, um die Demokraten und moderatere Stimmen für sich zu gewinnen, musste er auf seine neokonservative Basis zurückgreifen, wodurch plötzlich diese Leute mit ihrer extremen Haltung zum Irak an Gewicht gewannen. Sie sind tatsächlich nicht repräsentativ für das vorherrschende Denken in Amerika. Aber sie sitzen jetzt an den Schalthebeln der Regierungsmacht …

… und des Militärs.

Insbesondere im Pentagon. Donald Rumsfeld war politisch bereits tot. Kein Mensch glaubte, dass Donald Rumsfeld noch irgendetwas ausrichten könnte. Paul Wolfowitz galt als tollwütiger Irrer von der extremen Rechten. Und nicht ohne Grund nennt man Richard Perle den «Fürsten der Finsternis». Von diesen dreien glaubte man, sie würden den Rest ihres politischen Lebens damit verbringen, aus dem Hinterhalt ihre Giftpfeile abzuschiessen, wie sie es zuvor schon zehn Jahre getan hatten. Und jetzt, mit einem Schlag, sind sie die Drahtzieher.

Ziemlich gefährliche Zeiten!

Extrem gefährliche.

Pitt/ Ritter, Krieg gegen den Irak, S. 91f.

Pitt, William R. /Ritter, Scott, Krieg gegen den Irak. Was die Bush-Regierung verschweigt. Köln 2002, KIWI, ISBN: 3-462-03211-9.

Willy Wahl, Hadlaubstrasse 41, 8006 Zürich, T: +41 1 362 55 10, mailto:willy.wahl@seniora.org

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