Die mit dem Bär tanzen

Von Willy Wimmer
15. März 2021
Wenn man es genau nimmt, dann liegt zwischen uns und dem Verhängnis ein Wimpernschlag, ein "Nuhland". Das ist die Dame aus dem amerikanischen Außenministerium, der man auf dem Maidan-Platz in Kiew geschmierte Stullen verdankt wie wenig damenhafte Beschimpfungen der Europäischen Union oder sensationelle Erkenntnisse über die Finanzierungskosten für Putschgeschehen in einem europäischen Staat. Noch ist es nicht soweit, wie wir aus den Bestätigungsverfahren für Biden-Personal im US-Kongress wissen.

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Die Dame steht noch in den Startlöchern, aber das Gespann Biden-Nuhland könnte bald über Europa kommen. Dann dürfte es heftig werden, wie insgesamt die Darstellungskünste des ehemaligen US-Vizepräsidenten Biden in Sachen Ukraine deutlich machen dürften. Es ist aber nicht nur das Bestätigungsverfahren, das in Washington auf sich warten lässt.

Trump ist zwar nicht im "Weißen Haus", aber weichen will er auch nicht. Man sollte davon ausgehen, dass der ehemalige Präsident Donald Trump in seiner unnachahmlichen Art, die Dinge aufzumischen, das Ukraine-Dossier über Vater und Sohn Biden nicht nur auf Wiedervorlage liegen hat. Wenn man sich ansieht, welche ukrainischen Oligarchen die nazi-Formationen in der Ukraine unterstützen, hat man eine leichte Ahnung davon, welches üble Gebräu alleine mit dem Gedanken an die Ukraine verbunden ist.

Zuletzt hatte es der deutsche Bundespräsident Steinmeier mit einer vollen Breitseite des in Berlin wühlenden ukrainischen Botschafters zu tun bekommen, als er aus gutem Grund und eigentlich viel zu spät an die jüngere Geschichte nach dem 22. Juni 1941 erinnerte.

Deutschland ist gut beraten und polit-moralisch verpflichtet, die Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahrhundert und dabei und vor allem auch den Krieg des Deutschen Reiches gegen die damalige Sowjetunion auf Dauer zu beherzigen. Auch dann, wenn man nicht zu Begriffen wie "Staatsraison" sich versteigen will, sollte man das Rüstzeug des deutschen Grundgesetzes vor diesem Hintergrund sehen.

Das Verbot des Angriffskrieges ist eine direkte Konsequenz jener dunklen Zeit und es ist verwerflich, dass die Bundesregierungen dazu beigetragen haben, durch die NATO Kriege auf der Rechtsbasis des 1. September 1939 zu führen. Dies in der Gewissheit, das zivilisatorische Vermächtnis des Zweiten Weltkrieges mit der Charta der Vereinten Nationen den Weltherrschaftsphantasien unseres transatlantischen Verbündeten zu opfern.

Der 21. Juni 1941 jährt sich zum achtzigsten Mal in diesem Jahr. Wir sollten nicht annahmen, unser Nachbarland Russland und seine Menschen aus Europa herausdrängen und Gegenreaktionen ausschließen zu können. Das europäische und deutsche Verhängnis im Umgang mit Russland und den Menschen dieses Landes besteht auch in dem Unverständnis und der bösartigen Vorgehensweise, die westliche Staaten dem "Wiener Kongress" 1815 und der von Russland und Österreich-Ungarn vorgeschlagenen "Heiligen Allianz" als "Streitschlichtungsplattform" entgegengebracht haben. "Versailles" war hundert Jahre später schon nicht mehr in der Lage oder willens, einen Frieden zu finden.

Die Charta von Paris im November 1990 wurde von den kriegstreibenden Mächten zerschossen, bevor sie umgesetzt werden konnte. Deutsche Generale geben heute wieder vor dem früheren Leningrad den Ton an. In Washington wird man darüber jubeln, wohin man die Deutschen führen kann. In St. Petersburg wird man das anders sehen, zu Recht.

Quellen

https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/die-mit-dem-baer-tanzen-nur-fuer-sie/

https://youtu.be/7ysf3pEyzC8

https://zeitgeist-online.de/1075-alexander-sosnowski-willy-wimmer-und-immer-wieder-versailles.html

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