Schule & Bildung

Leistungsdruck und Begabtenauslese statt Kindergarten?

von Felice Pensatore
Zeit-Fragen Nr. 5, 27. Februar 2018
Der Kindergarten ist eine wichtige Errungenschaft unseres Bildungssystems. Ohne verfrühten Leistungsdruck können die Kinder in Ruhe lernen, sich in einer Gruppe von Gleichaltrigen zurechtzufinden, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erweitern und festigen und sich spielerisch das Rüstzeug aneignen und die nötigen Reifeschritte machen, die sie brauchen, um später in der Schule Erfolg zu haben. Diese Errungenschaft der modernen Pädagogik wird heute von verschiedenen Seiten in Frage gestellt und soll einer leistungsorientierten Vorschule weichen. Wenn auch nicht so benannt, ist sie Teil des Lehrplans 21. Das geschah nicht von heute auf morgen, sondern ist ein bereits von langer Hand geplanter, die demokratischen Gepflogenheiten missachtender Umwälzungsprozess.

Ein interessanter Fund

So ein Büchergestell ist eine Schatztruhe. Plötzlich entdeckt man etwas vor langem Gelesenes und denkt: «Interessant, das hat man also schon damals diskutiert!» So erging es mir vor kurzem mit einer Broschüre mit dem Titel: «Der Anfang vom Ende der Volksschule. Eine kritische Analyse zur Auflösung des Kindergartens im neuen Volksschulgesetz»*, erschienen vor bald zwanzig Jahren, nämlich im Jahr 2000.1 Es war tatsächlich wieder einmal ein «Goldschatz», wie ich beim Blättern feststellte. Schon das Vorwort war aufschlussreich, verfasst von einem langjährigen, engagierten Schulpflegepräsidenten der Stadt Zürich. Er stellte in seinem Vorwort fest, wie unter der Ägide des damaligen Bildungsdirektors Buschor eine Bildungsreform eingeleitet wurde, die gekennzeichnet sei von einer straffen und eingleisigen Hierarchisierung des Bildungswesens, wie es zum Fahrplan der wirtschaftlichen Globalisierung gehöre.

Buschor als ehemaliger Dozent für Finanzwirtschaft an der Hochschule St. Gallen sei offensichtlich vom Erfolg der Globalisierung vollkommen überzeugt und habe diese Tendenz mit grosser Energie auch im Bildungswesen verfolgt. Der «Sonderfall Schweiz» jedoch zeichne sich aus durch seine demokratischen Strukturen und die Möglichkeiten der Mitsprache des Volkes. Das würde schleichend abgebaut.

Bildung, Bildungsreform, Schule, Bildungswesen, Bologna-Prozess

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Alfred Bohren, ehemaliger Kantonsrat und vollamtlicher Schulpräsident. In: Komitee für eine demokratische Volksschule (Hrsg.). Der Anfang vom Ende der Volksschule. Eine kritische Analyse zur Auflösung des Kindergartens im neuen Volksschulgesetz. August 2000, S.2
Quelle: Zeit-Fragen
https://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2018/nr-5-27-februar-2018/leistungsdruck-und-begabtenauslese-statt-kindergarten.html

Schreiben lernen

Die Handschrift – Unterricht im Lichte der Neurowissenschaften
von Nicole Duprat, Frankreich
Zeit-Fragen Nr. 7, 14. März 2017
In den finnischen Schulen ist die verbundene Schrift seit Beginn des Schuljahres 2016 durch eine Entscheidung der Regierung abgeschafft worden. Das Erlernen der Druckschrift wird jedoch beibehalten. In den USA haben bereits 45 der 50 Bundesstaaten seit Herbst 2014 die Schreibschrift durch die Druckschrift ersetzt.

In der Schweiz hatte sich Genf bereits im Jahr 2000 für einen Schreibunterricht ausschliesslich in Druckschrift entschieden. Im Jahr 2002 ist der Kanton aber wieder davon abgekommen. Seither wird wieder die verbundene Schrift unterrichtet, weil die Zwischenräume bei der Druckschrift den Kindern Probleme bereiteten. Bei der verbundenen Schrift hingegen ist das ganze Wort sofort erkennbar.

Ein anderes Argument zugunsten der verbundenen Schrift ist das kinästhetische Gedächtnis: Ein einziger Schwung erlaubt es, eine ganze Silbe in einem Zug zu schreiben. Zum Beispiel kann man das Pronomen «elle» [= sie] mit einer einzigen Bewegung formen und damit der Hand ermöglichen, sich an das doppelte «l» zu «erinnern».

Die Unterschiede zwischen der Druckschrift und der verbundenen Schrift zeigt folgender Vergleich.

Die Druckschrift

Die Druckschrift reproduziert die typographischen Buchstaben. Ihre Verbreitung im 20. Jahrhundert wird dem Kalligraphen und Schriftsetzer Edward Johnston (1872 –1944) zugeschrieben. Sie wurde nicht dafür entwickelt, um von Hand geschrieben zu werden. Sie ist unpersönlicher als die verbundene Schrift.

Die Bewegungslinie ist weniger anspruchsvoll als bei der verbundenen Schrift, die Geschwindigkeit des Schreibens wird durch das häufige An- und Absetzen des Schreibwerkzeuges verlangsamt, da jeder Buchstabe vom anderen getrennt ausgeführt wird. Man beginnt mit der Handbewegung, muss aber nach jedem Buchstaben stoppen. Damit verliert der Schriftzug an Schwung. Die Druckschrift verlangsamt das Schreiben und erschwert das Erfassen des Wortes in seiner Ganzheit.

Das grösste Problem der Kinder beim Erlernen der Druckschrift, also dem Schreiben eines Textes in Einzelbuchstaben, ist der Umgang mit den Zwischenräumen. Wo beginnt und wo endet das Wort? Das ist oft nicht eindeutig. Zum Beispiel unterscheidet sich der Abstand zwischen den Wörtern einerseits und dem der Buchstaben andererseits, die Anfänge und die Richtungen müssen für jeden Buchstaben neu bestimmt werden.

Studie, Wissenschaft, Pädagogik, Bildungswesen, Hirnforschung, Kindererziehung

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Quelle: Auszüge aus dem Artikel «Ces enfants qui n’arrivent plus à écrire», von ­Marie-Estelle Pech, Le Figaro, 1.3.2017 (Übersetzung Zeit-Fragen)
https://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2017/nr-7-14-maerz-2017/schreiben-lernen.html

Antiwissenschaft grassiert in der besten Forschungsnation

Die Trump-Regierung verbannt Wörter wie «faktengestützt» auf eine schwarze Liste.
Ein Essay von Pulitzer-Preisträger Jared Diamond.
Tages-Anzeiger 12. 01. 2018
Die Trump-Regierung hat die staatliche amerikanische Gesundheitsbehörde CDC kürzlich angewiesen, eine Reihe von Begriffen aus allen offiziellen Budgetdokumenten zu streichen, die früher als unverdächtig galten. Diese schwarze Liste hat Überraschung und Protest ausgelöst. Die Regierungsanordnung stelle einerseits eine undemokratische Zensur von Sprache dar. Zudem enthalte sie Worte, die für die öffentliche Gesundheitsvorsorge zentral seien, aber auch grundsätzlich für die amerikanische Demokratie und sogar für konservative republikanische Werte. Zu den verbannten Begriffen gehört etwa das Wort «gefährdet». Aber ist es nicht gerade die Aufgabe der Gesundheitsbehörde, Krankheiten zu benennen, durch die Amerikaner besonders gefährdet sind?

Jared Diamond

Jared Diamond

Das Wort «Fötus» wird verboten

Ein anderes böses Wort ist «Vielfalt». Aber eine wirksame Gesundheitsvorsorge ist doch nur möglich, wenn man anerkennt, dass Menschen unterschiedlich und auch unterschiedlich anfällig sind. Frauen etwa sind durch Eierstockkrebs gefährdet, Männer nicht; alte Menschen durch Alzheimer, Babys nicht. Hellhäutige Amerikaner haben ein grösseres Hautkrebsrisiko als dunkelhäutige.

Zwei weitere Worte, die es auf die schwarze Liste geschafft haben, sind «faktengestützt» und «wissenschaftlich erwiesen». Aber Fakten und Wissenschaft sind doch gerade die Basis der modernen Medizin. Es ist die wissenschaftliche Forschung, welche die Fakten bewiesen hat, die heute allgemein akzeptiert sind. Zum Beispiel, dass kontaminiertes Wasser Krankheiten verursacht oder dass Antibiotika bestimmte Krankheiten heilen können. Und nur dank diesen Fakten liegt die durchschnittliche Lebenserwartung von Amerikanern  – republikanische Senatoren und Kongressabgeordnete eingeschlossen  – heute bei etwa 80 Jahren und nicht mehr bei knapp 50 wie noch vor zwei Jahrhunderten.

Erziehung, Wissenschaft, Ethik & Philosophie, Bildung, Schule, Anthropologie

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Der amerikanische Wissenschaftler Jared Diamond (80) ist einer der weltweit führenden Anthropologen und Evolutionsbiologen. Er war Professor an der Universität von Kalifornien in Los Angeles und wurde vor allem durch seine populärwissenschaftlichen Bücher bekannt, darunter «Der dritte Schimpanse», «Kollaps» oder «Vermächtnis», in denen er das Schicksal menschlicher Gesellschaften darstellt. Für sein Buch «Arm und reich» wurde er mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. (mma)
Quelle: Tages-Anzeiger
https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/wissenschaft-und-antiwissenschaft-in-den-usa/story/31325534

Philosoph Christoph Türcke: "Man braucht die Schulen eigentlich nicht mehr"

Interview Lisa Nimmervoll
Der Standard, 21.11.2017
Christoph Türcke* über die Ökonomisierung des Bildungsbetriebs, Lehrer, die zu Lernbegleitern mutieren, neue autoritäre Strukturen in der Schule und alte Effizienzfantasien, die in ihr Gegenteil kippen

STANDARD: Sie haben in einem Buch die "Lehrerdämmerung" ausgerufen. Wer oder was bedroht denn die Spezies Lehrer?

Türcke: Ein neoliberales Bildungssystem, das unter dem Stichwort "Neue Lernkultur" geführt wird, wo die Lehrer ihre ursprüngliche Rolle, nämlich das Zeigen von Sachverhalten, nicht mehr ausüben, sondern nur noch als Lernbegleiter fungieren sollen. Die Schüler lernen an vorgegebenen Lernmaterialien, die die Lernbegleiter bereitzustellen haben, möglichst für jeden individuell einen eigenen Arbeitsblattstapel. Das soll ganz wunderbar sein, weil dann jeder nach eigenem Wunsch, in eigener Reihenfolge, in eigenem Tempo voranschreiten kann und die Autonomie und Selbstständigkeit des Lernens die schönsten Blüten treibt. Keine autoritären Säcke mehr, die einer ganzen Klasse Inhalte vorgeben, wo doch jedes Individuum anders tickt und anders gestrickt ist. Statt Lehrern nur noch Ratgeber, die bei Bedarf zur Stelle sind, Tipps geben und spontanes Coaching durchführen.

STANDARD: Da klingt viel Ironie durch. Was stört Sie daran?

Türcke: Es geschieht mit Begriffen, die zuckersüß und verführerisch klingen: Endlich wird der Schüler ernst genommen. Der Lerner oder die Lernerin, wie dieses neue Kunstwort heißt, sei doch das Zentrum aller Bildung. Es werden Selbstentfaltung und Abschaffung von autoritären Strukturen versprochen. Dabei läuft das Ganze auf eine gesteuerte Form von Verwahrlosung hinaus. Und die autoritären Strukturen hören überhaupt nicht auf, sie gehen nur über auf die Lehrmaterialien. 

Propaganda, Bildungsreform, Pädagogik

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Christoph Türcke, geb. 1948, studierte Evangelische Theologie und wurde 1972 in Zürich zum Pfarrer ordiniert, danach Studium der Philosophie an der Uni Frankfurt, 1977 Promotion, von 1995 bis 2014 war er Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Quelle: Lesen Sie den vollständigen Bildungs-Newsletter hier:
http://lehrplan-vors-volk.ch/data/documents/Newsletter-171224.pdf

Der lamentable Zustand der Zürcher Schulpsychologie

Mein Brief an eine Journalistin des Tages-Anzeiger
Mit Jürg Forster sprach Liliane Minor

Von: Willy Wahl
Gesendet: Samstag, 2. Dezember 2017 23:23
An: 'Minor, Liliane', tages-anzeiger
Betreff: Ihr gutes Interview mit Herrn Forster

Grüezi Frau Minor,

Ihr interessantes Interview mit dem Schulpsychologen Jürg Forster hat mir gut gefallen, insbesondere weil Sie gute Fragen gestellt haben.

Die Antworten des erfahrenen (?) Psychologen zeugen allerdings von seiner grossen Unerfahrenheit an «Tiefenpsychologischer Menschenkenntnis». Wüsste er dazu mehr, wäre er nicht in der Lage, auf Ihre präzise Frage so locker über «die Einsamkeit» eines Jugendlichen hinwegzugehen und ihm auch noch als Hilfe (!) das Internet zu empfehlen. Sie haken sogar noch sehr präzise nach, aber der Schulpsychologe  – immerhin war Herr Forster 23 Jahre lang Leiter des Schulpsychologischen Dienstes der Stadt Zürich  – bleibt stur bei seiner Meinung.

Psychologie, Erziehung, Bildung, Bildungswesen

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Champions der Praxis

Rudolf Strahm
Kolumne im Zürcher Tages-Anzeiger v. 17. Okt. 2017
Wenn Sie diese Kolumne lesen, schwitzen 38 junge Berufsleute aus der Schweiz in klimatisierten Expo-Hallen der Wüstenstadt Abu Dhabi um die Weltmeistertitel in ihrem erlernten Beruf. Und der Schreibende ist als Beobachter wohl gerade dabei, sich in den gigantischen Messehallen am Persischen Golf zurechtzufinden.

Die Berufsweltmeisterschaften «World Skills Competitions» finden alle zwei Jahre statt. Sie sind der ultimative Qualitätstest für unser Berufsbildungssystem, ja viel mehr, für die internationale Konkurrenz und Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Die 11 Frauen und 27 Männer messen sich mit rund 1300 Mitbewerbern aus 71 Ländern in einer anspruchsvollen berufsbezogenen Projektaufgabe. Jeder Teilnehmende muss in vier Tagen selbstständig ein oder mehrere Leistungsprogramme erfüllen, etwa eine elektrische Schaltzentrale für ein Gebäude erstellen, eine Maschinenkonstruktion nach digitalem Plan ausführen, eine IT-Software entwickeln und anwenden oder ein Viersternmenü zubereiten.

Schweiz, Schule & Bildung, Ausbildung, Beruf

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Quelle: Quelle: Tages-Anzeiger v. 17. Oktober 2017
http://www.tages-anzeiger.ch

Heiter sein als Bildungsziel

von Carl Bossard
Humor haben heisst heiter bleiben, wenn es ernst wird. Und mit dem Schulbeginn wird es wieder ernst. Erinnerung an ein wichtiges Bildungsziel: Humor und Heiterkeit.

„Die schönsten Tage des Jahres“, wie sie ein Neckermann-Ferienkatalog euphorisch nennt, gehen zu Ende. An vielen Orten der Schweiz beginnt das neue Schuljahr. Es ist die Rückkehr aus freien Tagen in die geregelte Unterrichtswelt. Jetzt werde es wieder ernst, sagt man und fügt bei: Mit der Schule fängt ja der Ernst des Lebens an.

„Humor nimmt mir die Angst“

Die heutigen Lehrpläne sind dicht und die Schulprogramme gefüllt, die Zeiten knapp und die Freiräume eng. Und doch sollte etwas genügend Raum finden: Humor und Heiterkeit. Nicht umsonst meint der Volksmund: Mit Humor geht alles viel besser. Er sei ja die Fähigkeit, heiter zu bleiben, wenn es ernst wird. Schule und Heiterkeit sind daher kein Widerspruch, sie bedingen sich. Es braucht Gelassenheit und heitere Distanz; so erreicht die Schule ihren Auftrag leichter.

Bildung, Schule, Pädagogik, Schule & Bildung, Didaktik, Bildungswesen

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Quelle: Journal21
https://www.journal21.ch/heiter-sein-als-bildungsziel

Digitalisierung von Bildung als neoliberales Projekt

Das Internet als Brandbeschleuniger der Globalisierung und Infrastruktur des neoliberalen Regimes.
von Matthias Burchardt
In den 80er Jahren wurde den Studierenden an den westlichen Hochschulen politische Leidenschaft, Kritik und das Engagement für eine gerechte Welt durch den Hinweis auf das „Ende der großen Erzählungen“ aberzogen. Wie immer man zu Lyotard, dem Autor dieser  – selbst durchaus nicht kleinen  – Erzählung vom Ende der Utopien und Sinnklammern, stehen mag, scheint er doch von der Geschichte selbst widerlegt worden zu sein: Die Narrative der „Globalisierung“ oder auch der „Digitalisierung“ haben beinahe uneingeschränkte Hegemonie gewonnen, ihre Alternativlosigkeit entfaltet Sachzwang- und Legitimationskaskaden, die weiteren Begründungsbedarf oder gar alternative Gestaltungsabsichten schlichtweg pulverisieren. Politisches Handeln, das auf dieser Welle schwimmt, ist per se legitimiert, Skeptiker und Kritiker kommen gegen die Macht der großen Erzählung kaum an. Zumal auch die Mächtigen selbst sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

2013 etwa tagte die informelle Bilderberger-Konferenz zu Themen wie: „How big data is changing almost everything“ oder „Online education: promise and impacts“. Die teilnehmenden deutschen Politiker sind Christian Lindner, FDP, („Das Digitalste an der Schule darf nicht die Pause sein“) und Kurt Lauk, zu der Zeit Präsident des Wirtschaftsrates der CDU  – Die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft. Lauk kritisierte dann in der Folge auch im Handelsblatt die Nachteile des Datenschutzes bei der Schürfung der digitalen Rohstoffe durch Big Data.

Bevor nun der Vorwurf der Verschwörungstheorie aufkeimt, sei darauf hingewiesen, dass man auch ohne die Teilnahme an informellen Konferenzen subtil die Interessen der IT-Lobby oder des militärisch-kybernetischen Komplexes vertreten kann. Andreas Pinkwart, FDP-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie in NRW, etwa offenbart in einem Interview „Ich bin digital im Kopf“ und kündigt einen Masterplan der Digitalisierung an.

Digitale Querfront?

Ob auch die Linken MdB Halina Wawzyniak und Nicole Gohlke digital im Kopf sind, bleibt offen, aber auf der vom Klett-Verlag betriebenen Plattform excitingedu.de werden beide in Hinblick auf eine Positionsbestimmung der Linken wie folgt zitiert:

Medien, Erziehung, Schule, Schule & Bildung, Philosopie, Digitalisierung

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Quelle: Rubikon
https://www.rubikon.news/artikel/digitalisierung-von-bildung-als-neoliberales-projekt

Eine weltumspannende, gewinnorientierte Bildungsindustrie breitet sich aus.

Die "Starke Volksschule St. Gallen" gibt einen wöchentlichen Medienspiegel zur Bildungssituation heraus.

Analysten der Bank Julius Bär schätzen, dass im globalen Bildungsmarkt in diesem Jahr bis zu 7,8 Billionen Dollar umgesetzt werden, fast 40 Prozent mehr als 2013. Davon entfällt ein wachsender Anteil auf private Firmen.“ (Anja Burri, NZZaS, 10.6.2017*) (Die Zahl 7.8 Billionen wird zwar im NZZ-Artikel erwähnt, aber ich denke, es muss Milliarden heissen, da in USA Billions für Milliarden stehen.ww)

Unter dem Titel „Die Schonzeit an unseren Schulen ist vorbei“ wirft Anja Burri ein Licht auf die Kräfte im Hintergrund, welche die Schulveränderer als nützliche Idioten brauchen, um ihre finsteren Geschäfte mit unseren Kindern vorwärts zu treiben  – sofern diese Reformer nicht schon selber im Trüben mitfischen. „Business as usual“?  – Diesmal geht es aber um unser Eingemachtes: die seelisch-geistige Kontrolle über die Jugend  – real in und mit der Datenmine.

Schweiz, Wirtschaft, Politik & Wirtschaft, Schule, Schule & Bildung

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Was pädagogische Leidenschaft bewirken kann

von Carl Bossard
Wer in Biografien blättert und bei Schriftstellern schmökert, spürt sie immer wieder: die pädagogische Leidenschaft. Auf Spurensuche nach einem vergessenen Begriff. In seinen «Schulmeistereien» erzählt Peter Bichsel, wie er augenblicklich in seine Erstklasslehrerin verliebt gewesen sei. Der kleine Knirps mochte sie, die passionierte Person, und noch Jahre später konnte er ihr Kleid beschreiben.1 Das sei für ihn, so Bichsel, die einzige Erklärung, warum er kein Schulversager wurde.

Vielen erging es ähnlich. Auch dem grossen Philosophen Sir Karl R. Popper. Darum widmete er die Autobiografie seiner Lehrerin Emma Goldberger. Ihr und ihrer pädagogischen Leidenschaft verdanke er sein ganzes Denken und damit eigentlich alles, schreibt er.

Von dem, was immer gilt

Eines wird bei beiden Lehrerinnen sofort spürbar: das leidenschaftliche pädagogische Ethos für ihren Beruf und die jungen Menschen oder  – vielleicht etwas pathetisch formuliert  – die Liebe zur Aufgabe. Die zwei Geschichten erzählen vom inneren Impetus, der diese Pädagoginnen zu ihrem Handeln bewegt.

Es sind veraltete Begriffe, entsorgt in der pädagogischen Mottenkiste. Die aktuelle Bildungssprache kennt sie kaum; im Diskurs um die professionellen Lehrer-Kompetenzen kommen sie nicht vor. Doch es sind Werte ohne Verfallsdatum  – alt zwar, das sei zugegeben, doch unbeschadet ihres Alters nicht veraltet. Ganz im Gegenteil. Aktuelle Studien aus der Wirkungsforschung und der Neurobiologie rehabilitieren sie.

Erziehung, Bildung, Schule, Pädagogik, Schule & Bildung

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Quelle: zuerst erschienen auf www.journal21.ch
http://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2017/nr-8-28-maerz-2017/was-paedagogische-leidenschaft-bewirken-kann.html

Bildung: Nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,

wie wohltuend ist es, von einem praxiserfahrenen, herausragenden Pädagogen, wie Carl Bossard, zu lesen, wie er die Schule wieder vom Kopf auf die Füsse stellt. Man fragt sich, weshalb “Bildungsexperten”  – ausgerechnet im Lande Pestalozzis  – von Amtes wegen “pädagogischen Chimären nachlaufen und von einer Hochzeit zur andern eilen”, die nachweislich bei unseren Schulabgängern wesentliche Wissenslücken hinterlassen, die ihr Fortkommen behindern und dem Lande schaden.

Willy Wahl

Bildung: Nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Von Carl Bossard* 17.02.2017

Albanisch statt Französisch, Hausaufgaben streichen, Fächer abschaffen. Auf jede neue Idee springt der Lehrer-Dachverband auf. Wem ist damit gedient? Ein Klärungsversuch.

Schulden, Bildung, Bildungsreform, Schule & Bildung

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Bildung braucht Beziehung

Von Carl Bossard
24. 08. 2016
Allen Reformen zum Trotz: Die Lehrer-Schüler-Beziehung bleibt die unhintergehbare Bedingung für gute Lebensperspektiven der Schüler.

Die Persönlichkeit des Lehrers beeinflusse das Sozialverhalten, die Beziehung zur Lehrerin mache es aus, sagt eine umfangreiche Cambridge-/ETHZ-Studie. Die Forscher zeigen sich überrascht. Weniger erstaunt sind erfahrene Lehrpersonen.

Lehrer-Schüler-Verhältnis im wissenschaftlichen Fokus

Das pädagogische Leben spielt sich in den Beziehungen ab. Lernen ist Beziehungshandeln, ist intersubjektives Geschehen. Wir erleben darum Schule und Unterricht als wertvoll in Beziehungen  – zum Lehrer, zur Lehrerin, zur Sache und zu den Inhalten, zu Kolleginnen und Freunden. Das ist nicht neu. Und doch muss man es immer wieder in Erinnerung rufen, weil der Tatbestand vergessen geht. Strukturen und das Dogma des selbstorganisierten Lernens scheinen heute vielerorts wichtiger zu sein als die Persönlichkeit der Lehrperson und die Beziehungsebene.

Wie wirkt sich die Lehrer-Schüler-Beziehung auf das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen aus? Dieser Frage ging seit 2004 ein Forscherteam der Cambridge University in England und der ETH Zürich nach. Die Langzeitstudie „z-proso“ stützte sich auf Daten von über 1'400 Zürcher Kindern. Seit ihrem Eintritt in die Primarschule wurden sie regelmässig befragt, ebenso ihre Eltern und Lehrpersonen.

Erziehung, Bildung, Schule & Bildung

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Quelle: Journal21
https://www.journal21.ch/bildung-braucht-beziehung

Heftiger Bürger-Widerstand in der Schweiz gegen eine schädliche, von der OECD eingeschleuste Bildungs-”reform”

Ein Beispiel auch für Deutschland und andere OECD-Länder

Lehrplan 21 als Standortnachteil für die Wirtschaft  – ein Leserbrief

Gegenwärtig soll in verschiedenen Kantonen mit dem umstrittenen Lehrplan 21 die radikalste Änderung des Schulsystems seit Bestehen der Volksschule vorgenommen werden.

Dass die Bedenken, die von der Lehrerschaft, besorgten Eltern und Pädagogikprofessoren, angemeldet wurden, ihre Berechtigung haben, zeigen die schlechten Resultate der LP21 -Versuchsschulen, die mit der „Kompetenzorientierung“ und ihrem „selbstgesteuerten“ oder selbstorganisierten Lernen SOL“ den bewährten Klassenunterricht weitgehend abgeschafft und qualifizierte Lehrer zu „Lernbegleiter“ degradiert haben. Die Schüler werden allein gelassen, indem es ihnen überlassen wird, wann, wie, wo und ob sie lernen wollen. Die übereilte Einführung dieser wissenschaftlich nicht abgesicherten „Neuen Lernformen“ könnte für die Pionierkantone und deren Gewerbe zu einem wirtschaftlichen Standort-Nachteil werden, wie das der Reformpionierkanton Basel-Stadt schon einmal schmerzlich erleben musste.

Schweiz, Bildungsreform, Schule, Schule & Bildung, Bildungswesen

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Quelle: Komitee «Lehrplan vors Volk» - 8610 Uster
http://www.lehrplan-vors-volk.ch/

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