Lehrplan 21/PISA

«Dieses selbstorganisierte Lernen besteht aus einem endlosen Ausprobieren»

Was Schüler über selbstorganisiertes Lernen denken
von Susanne Lienhard
Die Einführung des bereits in der Erarbeitungsphase sehr umstrittenen Lehrplans21 liegt nun in der Kompetenz der Deutschschweizer Kantone. Die Opposition dagegen ist gross. In verschiedenen Kantonen haben Bürger Initiativen lanciert, die verlangen, dass die Einführung des Lehrplans21 vom Parlament und nicht wie bisher von der Erziehungsbehörde beschlossen werden muss.

Den Bürgern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, falls nötig, das Referendum dagegen ergreifen zu können. Der Lehrplan21 orientiert sich am OECD-Modell einer standardisierten Bildung, es werden nicht mehr fachspezifische inhaltliche Jahrgangsziele definiert, sondern schulische Inhalte in Tausende von Teilkompetenzen zerstückelt, die mittels flächendeckender Tests überprüfbar sein sollen. Die Kompetenzorientierung geht einher mit der Auflösung der bisherigen Fächer zu Gunsten von Sammelgefässen wie «Natur, Mensch und Gesellschaft» und der Einführung von Zyklen auf Kosten der bisherigen Jahrgangsziele. Ein Klassenunterricht, in dem der Lehrer mit allen Kindern seiner Klasse die altersentsprechenden Jahresziele erarbeitet, würde definitiv der Vergangenheit angehören, da die Heterogenität der Klassen stark zunähme und individualisierte Lernformen, zum Beispiel «selbstorganisiertes Lernen», zwingend eingeführt werden müssten.

Am 17.November berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» über zwei Schulen, die bereits jetzt auf individualisierte Lernformen setzen. Anhand dieser Beispiele wird gezeigt, wie dort das sogenannte «selbstorganisierte oder selbstentdeckende Lernen» in Lernateliers oder Lernlandschaften umgesetzt wird. Die Klassenstrukturen sind teilweise oder ganz aufgelöst, jeder Schüler arbeitet alleine an seinem eigenen Arbeitsplatz, der vorne, rechts und links mit einem Sichtschutz versehen ist, damit sich jeder konzentrieren und sein individuelles Lernprogramm abarbeiten kann. Im Schulzimmer, das einem Grossraumbüro ähnelt, herrscht absolute Ruhe.

Die Lehrer müssen sich zurücknehmen, dürfen den Schülern höchstens Hinweise geben, wo und wie sie Antworten auf ihre Fragen zum Beispiel im Internet finden können, sollen ihnen aber keine fertigen Antworten liefern und ihnen schon gar nicht den Lernstoff erklären. Sie werden zu sogenannten «Lernbegleitern» oder «Lerncoaches» reduziert. Schüler sollen so zu mehr Disziplin, Motivation und Verantwortungsbewusstsein erzogen werden, Fähigkeiten, die in der Wirtschaft besonders gefragt sind.

Schweiz, Erziehung, Deutschland, Bildungsreform, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Didaktik

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Quelle: 2015© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
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Die Macht der Messung

Wie die OECD mit PISA ein neues Bildungskonzept durchsetzt
von S. Graupe und J. Krautz
06.05.2014
Die PISA-Studien und ihre Ergebnisse entscheiden darüber, wie künftige Generationen gebildet werden. Ein Maß soll die Fähigkeiten und Fertigkeiten, neudeutsch: Kompetenzen, von Schülern in über 30 Ländern vergleichen und bewerten.

Dabei bekannte bereits PISA 2000 offen, dass sich dieses Maß nicht an den Bildungstraditionen, Verfassungen und Richtlinien der vermessenen Länder orientiere. Vielmehr liege den Testungen ein eigenes Konzept mit normativer Wirkung zugrunde: Lehrer, Schulen und ganze Bildungssysteme sehen sich weltweit in ein einziges Schema gezwungen, nach dessen Kriterien sie allein Exzellenz erlangen sollen. So ist angesichts der von hoher medialer Aufmerksamkeit begleiteten Veröffentlichungen von PISA zu fragen: Was sind eigentlich dieKriterien dieser Messungen? Und wer hat Macht, über deren „Richtigkeit“ zu bestimmen?

Diese Fragen führen unmmittelbar zu der für den PISA-Test verantwortlichen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts nach eigenen Angaben „eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von Indikatoren zu Bildungsleistungen“ spielt und damit „die staatliche Bildungspolitik nicht nur bewerten, sondern auch zu ihrer Gestaltung beitragen“ will.

In Peer-Reviews wie PISA sieht die OECD den „effizienteste(n) Weg, Einfluss auf das Verhalten souveräner Staaten auszuüben“ ,obwohl ihr dieser Einfluss nicht zusteht. Den Plan hierzu fasste sie im Jahre 1961 bei einer in Washington einberufenen Konferenz „Wirtschaftswachstum und Bildungsaufwand“.

Deren Ergebnisse wurden sodann, wie die Kulturkommission des Europarates ohne jede Kritik feststellt, zum unmittelbaren „Gegenstand der Beratung der nationalen Ministerien und Parlamente. Sie wurden außerdem stark bestimmend für die gesamte öffentliche Erörterung pädagogischer und bildungspolitischer Probleme.“

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Quelle: Erschienen in: COINCIDENTIA  – Zeitschrift für europäische Geistesgeschichte. Beiheft 4: Der andere Blick: Fragendes Denken zum theoretischen Rahmen der empirischen Bildungsforschung. Hrsg. v. Harald Schwaetzer/Johanna Hueck/Matthias Vollet. Kueser Akademie, Bernkastel Kues 2014.
http://bildung-wissen.eu/wp-content/uploads/2014/05/graupe_krautz_macht_der_messung_Coincidentia.pdf
http://bildung-wissen.eu/fachbeitraege/from-yardstick-to-hegemony.html

Schule und Bildung im Würgegriff von Machtpolitik

ab.ef.ev. OECD und EU «lieben sich» – mit gutem Grund – auf diesem Gebiet: nach amerikanischen Prämissen.
Je mehr man sich einliest in die heutigen Debatten um Schule und Bildung, desto klarer wird, dass kleinräumiges Denken fehl am Platze ist. Es kommt eine englischsprachige Literatur zum Vorschein, die im wesentlichen erst nach dem Kosovo-Krieg beginnt und nach Lehman Brothers 2008/9 so richtig Fahrt aufnimmt.

Zumeist ist es jedoch keine Forschungsliteratur, sondern macht eher den Eindruck von beschreibender Begleitliteratur zu einem grossdimensionierten Implementierungs-Prozess in allen europäischen Ländern, Schweiz inklusive. Eines der auffallendsten Merkmale ist ein Bruch, ja jegliches Ignorieren von bisher durch die europäischen Länder und Sprachbereiche selber getragener Bildungsforschung und Verbesserungen der Schule, die am personalen Menschenbild orientiert waren. Einzelne der jungen Autoren weigern sich gar, eine Übersetzung ihrer englischen Texte ins Deutsche zuzulassen!

Der Theorie- und Kulturbruch ist ähnlich radikal wie nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Befreiungstheologie und der Gruppe um Levinas. Diese Gruppe junger Philosophen war aber so ehrlich, dass sie den Abbruch mit jeder europäischen Denktradition offen erklärt und begründet hat. Das tut die heutige junge Generation im Pädagogik-Begleit-Service nicht. Tonia Bieber zum Beispiel triumphiert in ihrem Paper, das sich mit der Implementierung in der Schweiz befasst, lediglich darüber, dass nicht einmal die wichtigsten Veto-Players, die Kantone nämlich, den zu erwartenden Widerstand geleistet haben und die OECD-EU-Massnahmen schneller eingepflanzt werden konnten als erwartet und eingingen wie flüssige Butter.1

Wohltuend ist es, im Ganzen drin einen Autor zu finden, der den Horizont erweitert und im Auge zu haben scheint, dass dieser US-induzierte Top-Down-Prozess die europäischen Länder in ihrem demokratischen Gehalt schädigt. Roman Langer, Herausgeber von «Pisa  – warum tun die das?», geht nicht erst nach der Jahrtausendwende an die Sache heran, sondern rollt den amerikanischen Auftrag zur Bildungsherrschaft über die europäischen Länder vom Sputnik-Schock her auf. Sie erinnern sich: Dass die Russen 1957 als erste eine Sonde auf eine Erdumlaufbahn schickten, das war für das westliche Selbstwertgefühl eine kaum zu ertragende narzisstische Kränkung.

Doch statt dass die Amerikaner, die immerhin keine Trümmerstädte nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufbauen und mit schwerst geschwächter und dezimierter Bevölkerung zu Rande kommen mussten, statt dass sie ihre Schulen und Bildungsstätten seriös auf Vordermann gebracht hätten, gingen sie den umgekehrten Weg. Sie hätten mit einem vernünftigen Nach-vorne-Schreiten die Russen ja einholen und in einem friedlichen Forschungs-Wettlauf die Welt um einiges verbessern können. Dazu hätte es aber einer Debatte über die Entwicklung und Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes bedurft, zu der auch andere Länder und Kulturen und nicht zuletzt die Unesco vieles beizutragen gehabt hätten.

Politik, USA, Europa, europäische Union, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, OECD

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Stellungnahme des Memorandums «550 gegen 550» zur revidierten Fassung des Lehrplans 21

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitstreiter, sehr geehrte Damen und Herren Nach einer intensiven und seriösen Überprüfung der 3.Version des LP 21, die wir neben Korrekturarbeiten und Unterrichtvorbereitung durchführten, schicken wir Ihnen folgende Stellungnahme des Memorandums 550 gegen 550 zu.

1. Wie kam diese Stellungnahme zustande?

Hauptakteure waren natürlich die Erstunterzeichner des Memorandums. Es fanden aber auch intensive Gespräche mit weiteren Personen statt, die unser Memorandum unterstützten. Der Austausch fand über Mail statt.

2. Wie sind die Änderungen zu bewerten?

Keine Frage, es ist etwas gegangen. Die Lehrplanverantwortlichen haben in einigen Punkten der öffentlichen Kritik Rechnung getragen. Das spricht für ihre Lernfähigkeit, zeigt aber auch, dass unsere Kritik berechtigt war.

Im Gegensatz zu unseren Lehrerverbänden haben sich die UnterzeichnerInnen des Memorandums 550 gegen 550 nicht voreilig auf eine zustimmende Linie behaften lassen. Die rund 1000 Praktiker haben den Lehrplan auch nicht pauschal abgelehnt, sondern den Entwurf auf seine Praxistauglichkeit, seine Zielsetzungen und seinen Inhalt hin untersucht.

Schweiz, Politik, Demokratie, Bildungsreform, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Didaktik, OECD

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Quelle: 2014© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
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Vertiefte Diskussion um Lehrplan 21 vonnöten

Kritische Thesen zur Einführung des Lehrplans 21
von René Roca, Basler Zeitung
16.12.
Der Gymnasiallehrer und Historiker René Roca fordert eine vertiefte Diskussion der Bildungsreformen in der Lehrerschaft und in der Bevölkerung. Mit seinen drei Thesen benennt Roca am Beispiel von Basel die Fehlentwicklungen rund um die geplante Einführung des Lehrplans 21.

roca

Für Roca ist der Lehrplan nur ein weiteres Kapitel in einer andauernden Bildungsmisere, Bild: Basler Zeitung

Seit es in der Schweiz die Volksschule gibt, ist der Lehrplan 21 (LP 21) die umfassendste und grundlegendste Reform. Sie geht in eine völlig falsche Richtung und will gemäss OECD-Vor­gaben das humanistische Bildungs­verständnis ersetzen. Auch nach der Überarbeitung, die im Auftrag der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) stattfand, ändert sich nichts an diesen Einschätzungen.

Nun hat der Erziehungsrat (ER) von Basel-Stadt am 1. Dezember 2014 beschlossen, den Lehrplan 21 ab dem 17. August 2015 in Kraft zu setzen. In einer «Zusatzinformation» stellt der ER fest: «Er [der LP 21] stellt nicht alles auf den Kopf (nur rund 5 bis 10 Prozent ist neu, Wissen ist immer noch wichtig).» Zuerst reibt man sich ob einer ­solchen Aussage die Augen, dann wird aber bei der Betrachtung der Schullandschaft klar: Vieles, was der neue Lehrplan theoretisch und praktisch beinhaltet, ist schon eingeführt. Die Fokussierung auf die Kompetenzen und der theoretische Ansatz des Konstruktivismus wurden schleichend bereits umgesetzt.

Schweiz, Politik, Demokratie, Bildung, Bildungsreform, Schule, Schule & Bildung

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Eltern, Bürger und Experten wehren sich gegen den Bildungsabbau in ihren Kantonen

Endversion des Lehrplans 21 untauglich
In kurzer Zeit haben sich in Schweizer Kantonen Komitees gebildet, die sich für eine gute Volksschule engagieren. Im Aargau, in Schwyz, in Zürich und in St.Gallen sind Initiativen gestartet worden, und auch in Solothurn steht man kurz davor. In weiteren Kantonen bilden sich Komitees von besorgten Eltern, Lehrern und Bürgern, um sich gegen die stillschweigende Übernahme des Lehrplan 21 zu wehren.

rl. Gemeinsam ist den Initianten aus den einzelnen Kantonen das Anliegen, eine gute Volksschule zu gewährleisten, die dem einzelnen Kind gerecht wird und auch unserer modernen Gesellschaft.

Untaugliche Didaktik

Immer mehr Eltern stören sich daran, dass ihren Kindern schon heute eine solide Bildung vorenthalten wird. Unter dem Schlagwort der «Selbständigkeit» arbeiten Schüler zunehmend  – allein auf sich zurückgeworfen  – Arbeitsblätter ab. Eltern bemühen sich daheim in unzähligen Stunden, die «Wochenplan»-arbeiten oder «Präsentationen» ihrer Kinder zu verstehen. Derweilen werden Lehrer immer mehr zu «Lernbegleitern» oder «Lerncoaches» degradiert. Nur sehr wenigen Eltern ist die dem Unterricht zugrundeliegende «systemisch-konstruktivistische» Didaktik bekannt. Diese ist mehr als umstritten und taugt nicht für eine gute Volksschule. Doch sie gibt den Takt im Schulzimmer zunehmend an.

KMU brauchen solide Grundlagen

Viele Unternehmer und Lehrlingsbeauftragte aus KMU stemmen sich schon länger gegen diese Fehlentwicklungen. Ihnen fällt auf, dass die Schulabgänger immer weniger Grundlagen beherrschen und aufwendig nachgeschult werden müssen. Genau diese Fehlentwicklungen werden mit dem Lehrplan 21 festgeschrieben. Mit dem neuen Lehrplan wird es nicht mehr möglich sein, von den Schulabgängern einheitliche solide mathematische oder physikalische Grundkenntnisse zu erwarten. Die Konzeption des Lehrplans 21 ist nicht darauf ausgerichtet.

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Quelle: 2014© Zeit-Fragen. Alle Rechte reserviert.
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Konrad Paul Liessmann: Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung.

"Wer keine Ahnung von Geschichte hat, dem hilft auch Wikipedia nicht weiter"

WirtschaftsWoche: Ihr Buch ist eine Streitschrift. Die schreibt man, weil man wütend ist. Was ist der Anlass für Ihre Wut?

Mich hat die Hörigkeit gegenüber der PISA-Ideologie wütend gemacht, die Ausrichtung des gesamten Bildungssystems in Deutschland und Österreich an einem höchst fragwürdigen Test.

Der zweite Grund, der auch schon für mein Vorgängerbuch „Theorie der Unbildung“ eine große Rolle spielte, ist die so genannte Bologna-Reform der Universitäten. Dazu kommt noch die Kompetenzorientierung in den Studien- und Lehrplänen, die ich sehr kritisch sehe.

Also das Ersetzen des Bildungszieles Wissen durch Fähigkeiten.

Keiner weiß genau, was diese Kompetenzen bedeuten. Sie sind höchst fragwürdig, völlig schwammig, ideologisch aufgeladen und beliebig.

Wie kam es dann dazu, dass man sie für so wichtig hält?

Das kommt historisch eher aus der Wirtschaft. Ursprünglich bedeutet Kompetenz so etwas wie Zuständigkeit. Ein Minister kann sagen: Dieses Thema fällt nicht in meine Kompetenz. Aber so wird das Wort kaum noch verwendet. Der heutige Kompetenzbegriff entstand im Zuge der Taylorisierung von Arbeitsprozessen. Also durch den Versuch, nicht nur zu messen, wie lange es dauert, bis ein Arbeiter bestimmte Arbeitsschritte vollzogen hat, sondern auch zu bestimmen, wie diese Leistungen verbessert werden können  – indem man die zugrunde liegenden Fähigkeiten beobachtet und dann den Arbeiter schult und optimiert. Der Gedanke dahinter ist also, den Menschen aufzusplittern in einzelne, isoliert zu bewertende Fähigkeiten.

5.0 von 5 Sternen Ein unheimlich notwendiges und gescheites Buch

Ein "Kritischer Leser" aus Wien schreibt:

Als jemand, der aus eigenem Erfahren und aus der Sicht eines Vaters dreier Kinder den Bezug und Kontakt zu den österreichischen Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Universität nie ganz verloren hat und zumindest zur Universität nie ganz verlieren wird, hat man schon den einen oder anderen Einblick gewonnen und auch so manches Manko erkannt. Um nicht zu sagen: man merkt schon von weitem, dass es hier gewaltig stinkt!

Was aber Konrad Paul Liessmann in diesem netten, kleinen Buch zu Papier gebracht hat, geht weit über das vermeintlich allgemein Bekannte hinaus: Faszinierende, messerscharfe Analysen, eine Behandlung der Themen in bisher nicht gekannte Tiefen und Abgründe  – ich konnte das Werk kaum aus der Hand legen.
Liessmann behandelt Themen wie Pisa-Test, Bildungsexperten, Suchmaschinen, Power-Point Präsentationen, Leselust und Infantilisierung mit einer sprachlichen Virtuosität, feiner Ironie und einer Klarheit im Ausdruck, die ihresgleichen sucht.

Dieses Buch ist ein wirkliches Lesevergnügen!

Wer im Bereich der Bildung tätig ist und sein Tun ernst nimmt, kommt daran keinesfalls vorbei.

Geisterstunde

geisterstunde

  • ISBN-10:3-552-05700-5
  • EAN:9783552057005
  • Erscheinungstermin: 29.09.2014
  • Verlag Zsolnay
  • Einband:gebunden

Deutschland, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Österreich

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http://www.wiwo.de/politik/deutschland/philosoph-konrad-paul-liessmann-wer-keine-ahnung-von-geschichte-hat-dem-hilft-auch-wikipedia-nicht-weiter/10830084.html

"Die Lehrer fühlen sich als Deppen"

Ökonom Mathias Binswanger rät, die Übung ganz abzublasen. Bloss abspecken reiche nicht. Mitte November präsentiert die Erziehungsdirektorenkonferenz der Deutschschweiz den überarbeiteten Lehrplan 21.
von Kari Kälin
Neue Luzerner Zeitung, 18.10.

Binswanger

"Der Lehrplan strotzt vor nichtssagenden Worthülsen"

Mathias Binswanger, in mehreren Kantonen, zuletzt Schwyz, wurden Initiativen gegen die Einführung des Lehrplans 21 lanciert. Überrascht Sie der Widerstand?

Mathias Binswanger: Nein. Es hat mich höchstens erstaunt, dass er sich nicht früher formiert hat. Erst nachdem im Kanton Baselland kritische Stimmen laut wurden, realisierte eine breite Öffentlichkeit, dass die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz mit dem Lehrplan 21  ein zwar gigantisches, aber praxisuntaugliches Werk installieren will.

Aber es macht doch Sinn, schweizweit einheitliche Lernziele zu definieren.

Binswanger: Aber nicht so, wie das im Lehrplan 21 geschieht. Es ist ein Wahnsinn, auf 557 Seiten 4753 Kompetenzen zu formulieren. Es ist ein Wahnsinn, den  Unterricht von oben herab bis in jedes Detail zu steuern und die Lehrer mit detailliert formulierten Kompetenzen zu normieren. Eine Vereinheitlichung hat ihren Preis. Wenn die Lehrer, deren Beruf ohnehin schon an gesellschaftlichem Prestige verloren hat, ihren Unterricht nicht mehr frei gestalten dürfen, dann sinkt ihre Motivation, der Lehrerberuf wird noch unattraktiver. Falsch ist sodann der Weg hin zur sogenannten „Kompetenzorientierung“. Man kann nicht kompetent sein ohne Wissen.

Schweiz, Politik & Wirtschaft, Deutschland, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Didaktik

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http://schuleschweiz.blogspot.ch/2014/10/die-lehrer-fuhlen-sich-als-deppen.html?showComment=1413734530171

Das Verschwinden des Wissens

ein NZZ-Gastkommentar zur Bildung
von Konrad Paul Liessmann, Philosophieprofessor
Es ist gespenstisch: Wie von Geisterhand geführt, hat sich in den letzten Jahren, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, eine der radikalsten Veränderungen an Schulen und Universitäten vollzogen, ein Bruch mit einer jahrhundertealten Tradition, eine völlige Neuorientierung dessen, was Bildungseinrichtungen zu leisten haben und was die Absolventen solch einer Einrichtung auszeichnen soll. «Kompetenzorientierung» lautet das Zauberwort, das nun die Lehr- und Studienpläne dominiert, das alles, was man bisher glaubte lehren und vermitteln zu müssen, hinfällig werden lässt, das endlich garantieren soll, dass anstelle toten Wissens brauchbare Fähigkeiten erworben werden, und das verspricht, dass nichts Unnützes mehr gelernt wird, sondern nurmehr das, was mit der Lebenswelt von Schülern und Studenten, mit ihren Bedürfnissen und Problemen zu tun hat oder auf diese anzuwenden ist.

Das Ziel von Bildungsprozessen ist nicht mehr eine wie auch immer definierte Bildung, sondern der umfassend kompetent gewordene Mensch, der mit Fähigkeiten ausgestattet ist, die es ihm angeblich erlauben, in jeder Situation die angemessenen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig verspricht die Umstellung von Bildung auf Kompetenzen endlich verlässliche Instrumentarien zu schaffen, um genaue Messungen und Bewertungen dieser Fähigkeiten vornehmen zu können.

Das Kompetenzkonzept ist ein Kind der Ökonomie

Erziehung, Bildung, Studium, Schule, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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Quelle: NZZ
http://www.nzz.ch/meinung/debatte/das-verschwinden-des-wissens-1.18383545

Der Schlussverkauf öffentlicher Bildung soll beginnen

Jens Wernicke sprach hierzu mit dem renommierten PISA-Kritiker und stellvertretenden Geschäftsführer der Gesellschaft Bildung und Wissen Matthias Burchardt.
ein Interview von Jens Wernicke, Verantwortlicher: Wolfgang Lieb
8. September 2014
Die Behauptung, dass PISA alles besser mache, ist durch die Realität in deutschen Klassenzimmern evident widerlegt. Die Kritik am „Besser durch Messen“ gewann daher auch zunehmend an Fahrt.

Eine in der ZEIT unter der Überschrift „Unser Schulsystem ist ineffizient. Die Pisa-Gewinner kommen mit weniger Lehrern und geringerer Bezahlung aus“ vorgestellte Studie der britischen Bildungsberatung Gems Education Solutions heizt die Debatte nun auf neue Art an, werden ob derlei „PISA-Analysen“ doch zunehmend Fragen laut, ob das stete Wiegen, das die sprichwörtliche Sau, so die Kritiker, ohnehin noch nie fetter gemacht habe, nicht womöglich von Beginn an viel mehr auf Kürzungen nationaler Bildungsbudgets denn auf reale Verbesserungen der Lernbedingungen deutscher Schüler ausgerichtet gewesen ist. Jens Wernicke sprach hierzu mit dem renommierten PISA-Kritiker und stellvertretenden Geschäftsführer der Gesellschaft Bildung und Wissen Matthias Burchardt.

Herr Burchardt, nun ist die Katze endlich aus dem Sack. Denn Wissenschaftler haben festgestellt, dass  – ich zitiere:

„Deutschland (…) im neuen internationalen Index zur Effizienz der Bildungssysteme von 30 OECD-Ländern ganz weit hinten auf Platz 25 und damit hinter allen anderen nordeuropäischen Ländern mit Ausnahme der Schweiz  – und das trotz einer relativ hohen PISA-Platzierung“ liege. Unser Bildungssystem soll also  – das wundert mich sehr  – offensichtlich zum einen gut sein und zum anderen  – das irritiert mich noch mehr  – auch noch „teurer als notwendig“…

Na, das sind ja wirklich einmal gute Neuigkeiten! Bedenken Sie nur, wie viel Geld jetzt plötzlich erwiesenermaßen frei werden könnte für humanitäre Destabilisierungskriege oder Bankenrettungen… Aber im Ernst: Sie verstehen das schon richtig. Beide Thesen werden von den Urhebern der Studie sehr deutlich formuliert. Und die Lösung haben sie auch gleich parat, denn zum einen seien die Klassen hierzulande zu klein und zum anderen verdienten die Lehrer zu viel. Dass sich dieser Unfug noch als Wissenschaft darzustellen vermag, sagt sicher mehr über den Verfall der Wissenschaft als über die Qualität oder „Effizienz“ unseres Bildungssystems aus.

Medien, Politik, Wirtschaft, Politik & Wirtschaft, Schule, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, OECD

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Matthias Burchardt ist Akademischer Rat am Institut für Bildungsphilosophie an der Universität zu Köln und entschiedener Kritiker der Bildungsreformen im Namen von PISA und Bologna.
Quelle: Nachdenkseite
http://www.nachdenkseiten.de/?p=23149

Der Konstruktivismus als Manipulationsinstrument

Sehr geehrte Seniora-Leserinnen und Seniora-Leser!

Nicht nur die Schulreformen in Deutschland, sondern auch der stark umstrittene Lehrplan 21 in der Schweiz haben den Konstruktivismus zum Fundament. Eltern und Pädagogen sind aufgerufen, sich mit dieser anti-wissenschaftlichen Ideologie ernsthaft auseinanderzusetzen! Der ganze Vorgang zum Schaden unserer Kinder  ist so unglaublich, dass er an die ganz grosse Glocke gehört.

Mit herzlichem Gruss
Willy Wahl

Der Konstruktivismus als Manipulationsinstrument

Der weltanschauliche Hintergrund der Gemeinschaftsschulen und ihres pädagogischen Konzeptes

von Moritz Nestor

Es ist nur wenig bekannt, dass das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg sein weltanschauliches Fundament im Kontruktivismus hat. Was es mit dieser Weltanschauung auf sich hat, zeigt der folgende Artikel.

Schweiz, Politik, Bildung, Bildungsreform, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Philosopie

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Ausgewählte Leserbriefbeiträge zu Schule und Bildung

NZZ 18. 08. 2014

Pädagogischer Konstruktivismus

von Alfred Burger, Kilchberg (ZH) Erziehungswissenschafter

Eindrücklicher als Hermann J. Forneck hätte man nicht formulieren können, wie weit sich die pädagogischen Hochschulen (PH) in der Schweiz von der schulischen Wirklichkeit entfernt haben («Professionalisierung statt Innovationsabstinenz», NZZ 31. 7. 14). So weit entfernt, dass sich letztes Jahr Dozenten und Studenten gegen Fornecks Theorielastigkeit gewehrt hatten. Nun ist nichts gegen eine Theorie der Erziehungslehre einzuwenden. Sie muss aber mit der Realität übereinstimmen.

Schweiz, Erziehung, Ethik & Philosophie, Bildung, Bildungsreform, Schule, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung, Didaktik

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«Den Pisa-Test sollte man abschaffen» Interview mit Pädagogikprofessor Jochen Krautz

NZZ-Interview: Claudia Wirz, 14. Juli 2014

Herr Prof. Krautz, Sie sind gegen Kompetenzen als pädagogisches Konzept. Machen Kompetenzen denn dumm?

Ja, weil durch sie die Bildung abhandenkommt. Die Kompetenzorientierung vernachlässigt Fachinhalte und würdigt sie zu reinen Trainingsobjekten herab.

Jochen Krautz

Jochen Krautz

Schweiz, Schule, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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Quelle: NZZ
http://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/den-pisa-test-sollte-man-abschaffen-1.18342855
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