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14. November 2025

Georg Schramm hat genug von Politikern in Talkshows | Georg Schramm: Meister Yodas Ende


Lothar Dombrowski versteht die Ablehnung von Politikern durch junge Leute. Schließlich hat er selbst kein Verständnis mehr dafür, weshalb Politiker immer weiter in Talkshows eingeladen werden oder sie besuchen, wenn sie keine klaren Aussagen treffen.

(Red.) Am 18. August 2014 veröffentlichte Seniora dieses Video von Georg Schramm. Als ich es mir heute wieder anhörte, trieb es mir die Tränen in die Augen … Die meisten waren jedoch nicht aus Freude …

2014 … Mathematisch gesehen liegt das lediglich elf Jahre zurück. Die Kunstfigur Lothar Dombrowski erlaubt uns nicht nur einen Blick auf die Kultur von „gestern“. Angesichts des damals im Vergleich zu heute moralisch und juristisch straffrei Sagbaren scheint es nicht nur wie ein Blick in das letzte Jahrzehnt. Man hat den Eindruck, in eine andere Epoche zu schauen …

Wir lebten eine Zeit lang in dem Glauben, dass eine gesellschaftliche Entwicklung und somit persönliche Entfaltung stetig sei. Gemeint ist hier ausdrücklich stetig positiv, also im Sinne einer humanistischen Weiterentwicklung. Können wir uns angesichts der Gegenwart dessen noch sicher sein?

Es läuft gerade ein Prozess gegen einen Gymnasiasten, der mit einer noch vor zehn Jahren von jedem problemlos als Ironie erkennbaren Äußerung die Anwesenheit eines Jugendoffiziers der Bundeswehr in seiner Schule kritisierte. Ist es da ein Wunder, dass man unwillkürlich zusammenzuckt und sein Lachen kontrolliert, wenn Lothar Dombrowski in einer Szene sagt: „Ein Hauch von Sportpalastatmosphäre!“

Jeder weiß, was gemeint ist. Oder vielleicht doch nicht?

Sicher kann man da nicht mehr sein. Vor Tagen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass eine Bundestagsabgeordnete eine Strafanzeige erstattete, da jemand darüber schrieb, seine Kühlschranktür mit ihrem Konterfei geschmückt zu haben, um nicht zu vergessen, die etwas schwergängige Tür mit Nachdruck zu schließen.

Wirklich gute Satire widerspiegelt die Realitäten in gekonnter Sprache, in einem Satz, den die Menschen mitnehmen, der sie begleitet und der subtil weiterwirkt. Als Satz mit einer Botschaft.

Die Kunstfigur Dombrowski beschreibt die Wirkung eines dergestalt gelungenen Satzes so:

„Der Satz ist an sich auch gar nichts Besonderes, er ist was Besonderes, weil die Finsternis so groß ist, die intellektuelle Wüste. … In einer aufgeklärten Gesellschaft wäre er ein Satz unter vielen, wäre wichtig und nichts Besonderes. Aber so hier in dieser Welt spüren ihn die Leute und lieben diesen Satz, weil sie wissen, es ist vielleicht einer der letzten, es kommen nicht mehr viele...  Irgendwann wird es vorbei sein. Im Geplapper, in den Lügen der Herrschenden werden sie untergehen solche Sätze, sie werden irgendwann wie leere Worthülsen im Brackwasser der Beliebigkeit untergegangen sein.“

Georg Schramm nimmt über Lothar Dombrowski auch die Talkshows aufs Korn. Er wünscht sich einen Journalisten, der seinem die Fragen nicht beantwortenden eingeladenen Politiker sagt: „Wenn Sie keine Fragen beantworten, dann stelle ich auch keine mehr.“

Das war 2014. Heute ist es nun schon so weit, dass sich Journalisten mit ihren Gästen an anderen gezielt geladenen und gesellschaftlich nicht wohlgesonnenen Gästen ungestraft gemeinsam verbal vergreifen. Neutrale Moderation   – ein Relikt einer fernen Vergangenheit.  Und ich fürchte, das ist noch nicht das Ende.  

Ein inzwischen in seinen beruflichen Idealen vergessener und nur noch als Namensgeber eines in seinem Inhalt ausgehölten Preises dienender Leuchtturm längst vergangener journalistischer Qualität sagte im vorigen Jahrhundert:

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“

Hanns Joachim Friedrichs hieß diese menschliche und journalistische Größe.

Wieder so ein Blick in eine scheinbar längst untergegangene Welt … Oder lebt sie noch?(ww/rbz)


Georg Schramm hat genug von Politikern in Talkshows | Georg Schramm: Meister Yodas Ende

852.623 Aufrufe 18.08.2024 #georgschramm #zdfsatire

Lothar Dombrowski versteht die Ablehnung von Politikern durch junge Leute. Schließlich hat er selbst kein Verständnis mehr dafür, weshalb Politiker immer weiter in Talkshows eingeladen werden oder sie besuchen, wenn sie keine klaren Aussagen treffen. Die politische Sprache ist geprägt von Herrschaftssprache und unklaren Formulierungen, die beim Großteil der Bevölkerung Unverständnis verursachen. Doch für Lothar Dombrowski liegt das Problem auch bei den Talkshows der öffentlich-rechtlichen Sender, denn dort werden von den Moderatoren keine deutlichen Fragen gestellt und gegenüber den Politikern Klartext gesprochen. Aufzeichnung vom 13.09.2011 ___ Nach über einjähriger Bühnenpause kehrt Georg Schramm 2011 mit seinem Kabarettsolo „Meister Yodas Ende“ auf die Bühne zurück. Lothar Dombrowski ist aus der Anstalt ausgebrochen. Es gilt eine Botschaft unter die Menschen zu bringen. Für tatenloses Grübeln ist der globale Niedergang schon zu weit fortgeschritten. Er geht auf Werbetour und sucht Mitstreiter unter Gleichgesinnten und Altersgenossen, die nicht mehr viel zu erwarten haben und die wie er lieber im Blitzlicht der Öffentlichkeit scheitern, als gehorsam bis zum kläglichen Ende im Pflegeheim dahin dämmern. Möge die Macht mit ihm sein! ___ #georgschramm #meisteryodasende #zdfsatire