Die Bedeutung des Erziehungsstils.

Leserbrief von Willy Wahl an den Tages-Anzeiger, Zürich

Das Wesentliche, was die siebenjährige Nationalfondstudie hervorbringt, ist die herausragende Bedeutung des Erziehungsstils der Eltern. Nun wissen wir: Besonders günstig wirkt sich ein autoritatives Verhalten der Eltern aus, also viel Wärme und Respekt den Kindern gegenüber, strukturierter Alltag und klare Forderungen.

Leider wusste der Studienleiter zu wenig über die Forschungsergebnisse der modernen Hirnforschung, sonst hätte er nicht beim Einfluss der Eltern auf die schulischen Leistungen der Kinder von genetischen Gründen gesprochen, dass nämlich Eltern ihre Intelligenz oder Charaktermerkmale vererben würden. Das ist zwar noch immer  – leider  – die gängige Meinung der Allgemeinheit, aber wir können uns nun  – zum Glück  – von diesem Irrtum verabschieden. Der renommierte Hirnforscher Prof. G. Hüther (Uni Göttingen) sagt: "Das Gehirn ist ein Sozialprodukt". Das heisst nichts anderes, als sich das Gehirn erst im Zusammenspiel mit den engsten Beziehungspersonen heranbildet. Der bekannte Hirnforscher, Prof. für Neuropsychologie Lutz Jäncke (Uni Zürich) bestätigt, dass es keine Genies gab und gibt, nur üben, üben, üben  – so früh und so lange wie möglich. Es würde sich für alle Eltern lohnen, sich mit diesen Gegebenheiten näher zu befassen. Zum Beispiel hier. (siehe:  http://www.seniora.org/de/erziehung/adhs-ritalin/419-von-der-personalen-sicht-des-menschen-hin-zur-psychiatrisierung-kindlichen-verhaltens)

Mein Leserbrief nahm bezug auf " Der Tagesanzeiger. 23.10.2009. Antonio Cortesi: "Lehrer können Leistungen nicht vorurteilsfrei benoten""

Das Erlernen der Intelligenz braucht günstige Bedingungen

Ein weiterer Leserbrief zum Artikel

P. Aebersold, Zürich

Die bald hundertjährige tiefenpsychologische Erkenntnis, dass Intelligenz erlernt ist, wird durch die moderne neurobiologische Forschung bestätigt. Alfred Adler schrieb 1929: „Die Theorie der Erblichkeit darf niemals in der Erziehung oder der theoretischen und praktischen Psychologie betont werden. Mit Ausnahme von unternormalen Kindern ist es durchaus richtig anzunehmen, dass jeder alles tun kann, was nötig ist. Ich sage dies natürlich nicht, um die Unterschiede des vererbten Materials (des Erbgutes) zu leugnen. Aber was wichtig ist, ist immer der Gebrauch, den man davon macht."

Der Neurobiologe Joachim Bauer bestätigt: 

„Die Regulation der Gene unterliegt in hohem Maße situativen Einflüssen und wird überwiegend nicht vererbt. Sie richtet sich nach den aktuellen Umgebungsbedingungen, sowohl nach jenen der einzelnen Körperzelle als auch nach denen des gesamten Organismus.“ 

Föten trainieren ihre Sinnesorgane und erkunden ihre Umwelt bereits im Mutterleib. Intelligenz wird erlernt. Deshalb sind der Einfluss der Eltern und deren Erziehungsstil so wichtig. Untersuchungen zeigen, dass der autoritative Erziehungsstil mit klarer Orientierung, strukturiertem Alltag und viel Bindungswärme für die Kinder, die beste Voraussetzungen für eine gesunde psychische Entwicklung und den Schulerfolg darstellt.

Dieser Leserbrief nahm bezug auf " Der Tagesanzeiger. 23.10.2009. Antonio Cortesi: "Lehrer können Leistungen nicht vorurteilsfrei benoten""

Psychologie, Erziehung, Wissenschaft, Schule

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