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Von Gilbert Doctorow 25.05.2025 - übernommen von gilbertdoctorow.com
28. May 2025

Doctorow: Harvard im Fadenkreuz der US-Regierung


„Leg dich nicht mit der Stadtverwaltung an.“ Dieser amerikanische Spruch stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und hat seinen Ursprung in New York City, wo die korrupte politische Maschinerie der Tammany Hall jegliche Auseinandersetzung mit den Behörden als unrealistisch und aussichtslos erscheinen ließ.
Harvard University im Fadenkreuz der Macht (Bild stern.de)

(Red.) Ein Denkanstoss: Was steckt wirklich hinter der fortgesetzten Kulturrevolution und dem aussenpolitischen Politikwechsel der Trump-Administration? Könnte es sein, dass die Finanzwelt, die parasitäre Einheit, die die USA (und damit den ganzen Westen) zum eigenen Vorteil aussaugt, diesen Wechsel angeordnet hat, weil ihr sonst buchstäblich "die Felle wegschwimmen"?(am)

Auch wenn einige Mitglieder dieser Community mir sicherlich widersprechen werden, ist dies mein bester Rat an die Harvard University in ihrer derzeitigen direkten Konfrontation mit der Trump-Regierung.

Natürlich hat die Korruption der Machthaber nichts mit diesem Konflikt zu tun. Es geht hier um politische Ideologie. Trump steht für traditionelle Familien-, Religions- und Gesellschaftswerte, für die Verehrung unserer historischen Helden und für ein Ende der endlosen Kriege, die uns die amerikanische Außenpolitik in den letzten 30 Jahren beschert hat. Obwohl in diesen Kriegen nur wenige Amerikaner ihr Leben verloren haben, haben sie buchstäblich Hunderte von Milliarden, wenn nicht sogar Billionen Dollar gekostet und das Defizit des US-Bundeshaushalts in unhaltbare Höhen getrieben.

Harvard steht seit mehreren Jahrzehnten für „Woke“, dafür, dass amerikanische Helden, denen Denkmäler errichtet und nach denen Universitätsgebäude benannt worden waren, aufgrund ihrer Verbindung zur Sklaverei oder aufgrund ihrer ethnischen, religiösen, sexuellen oder anderen Vorurteile entthrohnt werden, die in einer höflichen Gesellschaft nicht mehr akzeptabel sind. Genauer gesagt ist Harvard eine intellektuelle Führungskraft bei der Gestaltung einer Außenpolitik, die auf der globalen Vorherrschaft Amerikas basiert, die keine potenziellen Konkurrenten duldet und weltweit zerstörerische, mörderische Stellvertreterkriege führt.

Diese von Harvard inspirierte Außenpolitik wird als „wertorientiert“ bezeichnet, was die Förderung von Menschenrechten und Demokratie bedeutet. Wer die enge Verbindung zwischen der Harvard-Professorenschaft und unserer ‚wertorientierten‘ Außenpolitik anzweifelt, sollte die Nachrufe auf Joseph Nye, den Autor von „Soft Power“, lesen, die in der vergangenen Woche erschienen sind.

Noch besser wäre es, mein 2010 erschienenes Buch „Great Post-Cold War American Thinkers on International Relations“ zu lesen, in dem ich die Schriften der zehn populärsten Politikwissenschaftler der letzten zwei Jahrzehnte analysiere, die einen Fahrplan für die Zukunft entworfen haben, nachdem die USA zur einzigen Supermacht geworden waren. Wie ich nach Fertigstellung meines Manuskripts festgestellt habe, hatten neun dieser zehn intellektuellen Führer enge Beziehungen zur Harvard University.

Im Gegensatz dazu ist die Außenpolitik von Trump heute „interessenorientiert“ und steht in der Tradition der Realistischen Schule, die zuletzt unter Richard Nixon das Verhalten Washingtons bestimmte. Die Flagge des Realismus weht am höchsten an der Universität von Chicago, wo Professor John Mearsheimer als Fortführer der Ideen auftritt, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg von Hans Morgenthau, dem Autor des wegweisenden Werks „Politics Among Nations“, vertreten wurden.

Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit hat Donald Trump einen Angriff auf die Eliteuniversitäten gestartet, die den linken, anti-Trump-Ton für fast das gesamte amerikanische Hochschulwesen vorgeben. Der Vorwand für diesen Angriff war ihre Toleranz gegenüber pro-palästinensischen Ansichten und Demonstrationen auf dem Campus, die laut der Regierung die Sicherheit ihrer jüdischen Studenten gefährdeten. Diese im Wesentlichen falsche Behauptung des Antisemitismus wurde vom Trump-Team sorgfältig ausgewählt, um seine Unterstützung unter der zionistischen Mehrheit in beiden Parteien im Kapitol zu festigen. Sie passte gut zu der Blindheit, mit der Trump den Völkermord Israels in Gaza ignorierte.

Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe, handelte es sich hierbei um politisches Kalkül, um Unterstützung für Trumps innen- und außenpolitische Initiativen zu finden, die den vorherrschenden Ansichten des amerikanischen politischen Establishments zuwiderlaufen. Zu dieser ansonsten unpopulären Agenda Trumps gehören auch die Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine zu Bedingungen, die denen von Wladimir Putin nahekommen, und die Umsetzung einer neuen weitreichenden Entspannungspolitik gegenüber Moskau.

Der Angriff von Team Trump auf mehrere Eliteuniversitäten wegen angeblichen Antisemitismus richtete sich zunächst gegen die Universitäten Harvard und Columbia. Bundeszuschüsse und -verträge für diese beiden Universitäten wurden ausgesetzt oder gekündigt, bis sie den Bundesbehörden Informationen über einige, hauptsächlich ausländische Studierende, die dort eingeschrieben sind, vorlegen und Regeln einführen, die laut Team Trump den Antisemitismus auf dem Campus ausmerzen sollen.

Die Columbia University protestierte zunächst, als Zuschüsse und Verträge in Höhe von 400 Millionen Dollar vorläufig gekündigt wurden, schwenkte dann aber um, kniete nieder und küsste dem Team Trump die Hand. Obwohl die ursprünglichen Zuschüsse und Verträge noch nicht wieder aufgenommen wurden, gab es keine weiteren Angriffe auf die Columbia University.

Harvard weigerte sich von Anfang an, sich dem, wie es es nannte, illegalen Druck und den Strafen der Bundesregierung zu beugen. Es reichte Klagen ein, um die Mittel wieder zu erhalten. Als Reaktion darauf hat die Regierung die Strafen gegen Harvard verschärft, wie ich weiter unten noch näher ausführen werde, sodass sie derzeit die lebenswichtigen Interessen der Universität gefährden.

Unterdessen wurden der Präsident und die Verwaltung der Columbia University sowohl in den Mainstream- als auch in den alternativen Medien dafür kritisiert, dass sie die durch den Ersten Verfassungszusatz garantierte Meinungsfreiheit nicht verteidigt und sich den Forderungen Trumps gebeugt haben.

Meiner Ansicht nach ist die Kritik an der Verwaltung der Columbia University fehlgeleitet. Die Universität hat sich weitaus schwerwiegenderer Fehleinschätzungen schuldig gemacht, als ihre Kritiker in den Medien behaupten. Eine weitaus ernstere Bedrohung für das Ansehen der Universität als Verfechterin liberaler Werte und allgemeiner Anstandsregeln sehe ich in der Vergabe von Professuren an zwei nicht angeklagte Kriegsverbrecherinnen   – Hillary Clinton und Victoria Nuland. Ihre Anwesenheit auf dem Campus vor den Studierenden und das ihnen entgegengebrachte Ansehen zerstören das moralische Ansehen der Columbia University im US-amerikanischen Hochschulwesen. Das sage ich als Absolvent dieser Universität.

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Der Präsident der Harvard University hat zu sehr auf den Rat seiner klugscheißerischen, prozesssüchtigen Anwälte aus der weltberühmten juristischen Fakultät gehört. Infolgedessen wird Harvard einen schweren Reputations- und finanziellen Schaden erleiden, bevor es schließlich dem Druck von Spendern und Alumni-Organisationen nachgibt und sich dem Willen des Trump-Teams beugt.

Nachdem das Trump-Team drei Milliarden Dollar an Bundeszuschüssen für Harvard ausgesetzt hatte, drohte es mit dem Entzug der Steuerbefreiung für Harvard und setzte diese Drohung in die Tat um. Eine wichtige Folge dieser Maßnahme ist die Erhöhung der Steuern auf das Stiftungsvermögen. Eine weitere Folge ist, dass potenzielle Spender davon abgehalten werden, dem Stiftungsvermögen Geld zu spenden, da sie nun persönlich keine Steuervergünstigungen mehr für ihre Großzügigkeit erhalten.

In der vergangenen Woche griff das Trump-Team zur Axt und erließ eine Anordnung zur Aufhebung der Teilnahmebescheinigung Harvards am Registrierungssystem für ausländische Studenten, das die Erteilung von Visa erleichtert und dem Heimatschutzministerium untersteht. Diese Anordnung würde diese Studenten zwingen, entweder an eine andere Universität zu wechseln, die dieses Registrierungsrecht genießt, oder ihr Visum zu verlieren und das Land verlassen zu müssen.

Ich stelle fest, dass die Begründung für diese Entscheidung über die Vorwürfe des Antisemitismus auf dem Campus hinausgeht und auch auf die Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei Chinas in Bereichen hinweist, die den Interessen der USA schaden.

Derzeit sind fast 7.000 Studenten in Harvard im Visaregistrierungssystem gemeldet, was einem Viertel der Studentenzahl entspricht. Ihr Weggang hätte erhebliche Auswirkungen auf den aktuellen Betriebsetat der Universität, da viele, wenn nicht sogar die meisten ausländischen Studenten die Studiengebühren in voller Höhe bezahlen. Die betreffende Summe beläuft sich auf mehrere hundert Millionen Dollar pro Jahr. Eine Aufhebung würde die Weiterbeschäftigung von nicht fest angestellten Lehrkräften in Frage stellen, die dann deutlich weniger Studierende unterrichten müssten. Noch wichtiger ist, dass dies eine Katastrophe für das internationale Ansehen von Harvard wäre und die Universität als Lehrort weniger attraktiv machen würde.

Die Harvard-Verwaltung gibt sich angesichts der Situation tapfer. Sie hat die Entscheidung vor Gericht angefochten, und ein Bundesbezirksrichter hat gerade eine vorübergehende Aussetzung der Entziehung der Zertifizierung verfügt. Vermutlich war der Grund für das Eingreifen des Gerichts, dass wir weniger als einen Monat vor Ende des Schuljahres stehen und viele Studenten, die auf ihre Diplome warten, gezwungen wären, das Land mit leeren Händen zu verlassen.

Es ist offen, wie lange die Gerichte die Umsetzung der Entscheidung des Heimatschutzministeriums blockieren können. Unabhängig davon, wie die endgültigen Gerichtsentscheidungen ausfallen mögen, wird die Fähigkeit der Harvard University, ausländische Studierende aufzunehmen, mit der Zeit in der Schwebe hängen, und diese Unsicherheit ist fatal für die Chancen, das derzeitige Niveau der Einschreibungen aufrechtzuerhalten.

Auch wenn die Verwaltungsbeamten hartnäckig sind, habe ich kaum Zweifel daran, dass sie bald massivem Druck von den wohlhabenden Spendern der Universität ausgesetzt sein werden, ihren Stolz zu überwinden und sich mit Washington zu einigen. Wir sprechen hier von Geschäftsleuten, und Geschäftsleute stellen sich niemals aus privaten Interessen gegen die Regierung ihres Landes, Prinzipien sind ihnen egal. Außerdem ist es unvorstellbar, dass Alumni-Vereinigungen im ganzen Land und auf der ganzen Welt nicht zu Verhandlungen statt zu Rechtsstreitigkeiten raten werden. Ich sage das als Harvard-Alumnus.

Die einzige Frage ist nun, wie lange es dauern wird, bis die Harvard-Leute verstehen, dass man „nicht gegen die Stadtverwaltung kämpft“.


  • Quelle: Gilbertdoctorow - Mit freundlicher Genehmigung übernommen - Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus