Ein Brief an meine amerikanischen Freunde

vom Saker, 16.09.2017

Vorwort: Während meiner kürzlichen Evakuierung aus Florida hatte ich das Vergnügen, ein paar gute alte Freunde zu treffen (weißrussische Emigranten und amerikanische Juden, die sich jetzt als Amerikaner fühlen und die voll und ganz die offizielle Propaganda über die USA geschluckt haben), die sich ernsthaft als Liberale, Progressive und Anti-Imperialisten betrachten. Es sind nette, anständige und ernsthafte Menschen, aber während unseres Treffens machten sie einige Aussagen, die ihren professionellen Ansichten völlig widersprachen. Nachdem ich diesen Brief an sie verfasst hatte, habe ich erkannt, dass es da draußen noch viele von ihnen geben könnte, die wie ich selbst verzweifelt versuchen, Gutes zu erwecken, aber die die Menschen über die Wirklichkeit eines Imperiums völlig in die Irre führen. Ich teile diesen Brief in der Hoffnung dass er ein paar nützliche Kernthemen für andere liefert, um ihren Freunden und Verwandten die Augen zu öffnen.

Liebe Freunde,

Während unserer Unterhaltung habt ihr Folgendes gesagt:

  • Die USA brauchen ein Militär
  • Einer der Gründe, warum die USA ein Militär benötigen, sind Regime wie das nordkoreanische
  • Die USA haben das Recht, sich außerhalb ihrer Grenzen einzumischen a) aus pragmatischen Gründen, b) aus moralischen Gründen
  • Während des 2. Weltkriegs haben die USA „Europa gerettet“ und das moralische Recht erworben, andere Freunde und Alliierte „zu beschützen“
  • Die Alliierten (UdSSR-USA-Großbritannien) waren den Nazis moralisch überlegen
  • Die Amerikaner haben Friede, Wohlstand und Freiheit nach Europa gebracht
  • Ja, es wurden Fehler gemacht, aber das ist kaum ein Grund, das Recht auf Intervention aufzugeben.

Ich glaube dass alle sieben Thesen beweisbar falsch sind, Fehlurteile, die auf grundlegend falsch verstandenen Annahmen basieren und dass man sie alle durch gesunden Menschenverstand und unleugbare Fakten widerlegen kann.

Aber zuerst möchte ich mich mit der Maxime „Erkenne dich selbst“, der Inschrift auf dem Apollotempel in Delphi beschäftigen, denn ich betrachte sie für unsere Diskussion als zentral. Trotz all unserer Unterschiede denke ich, dass es eine Reihe von Dingen gibt, die ihr übereinstimmend als grundsätzlich wahr betrachtet, einschließlich dem, dass Deutsche, Russen, Amerikaner und andere in etwa die gleiche Intelligenz besitzen. Sie sind alle auch in etwa des gleichen kritischen Denkens fähig, der persönlichen Erforschung und Erziehung. Richtig? Dennoch werdet ihr auch zustimmen, dass während des Nazi-Regimes in Deutschland die Deutschen sehr wirkungsvoll mit Propaganda überzogen wurden und dass die Russen in der Sowjetunion von ihrer eigenen Propagandamaschine ebenso wirkungsvoll propagandiert worden sind. Richtig? Gibt es irgendeinen Grund zu der Annahme, dass wir irgendwie schlauer oder besser sind als diese propagandierten Deutschen und Russen und dass wir an ihrer Stelle sofort die ganzen Lügen durchschaut hätten? Kann es sein, dass wir heute auch nicht die Lügen durchschauen, die man uns erzählt?

Ebenfalls ist unbestreitbar, dass die Geschichte des 2. Weltkriegs von den Siegern des 2. Weltkriegs geschrieben wurde. Das gilt für alle Kriege  – geschlagene Regime dürfen ihre Version der Geschichte nicht frei erzählen. Hätten die Nazis den 2. Weltkrieg gewonnen, dann bekämen wir eine dramatisch andere Sichtweise des Geschehens präsentiert. Ganz wichtig, hätten die Nazis den 2. Weltkrieg gewonnen, so gibt es überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass das deutsche Volk viel Skepsis über die in den Schulen verbreitete Version der Geschichte gezeigt hätte. Nicht nur das, ich möchte sogar behaupten, dass die meisten Deutschen auch glauben würden, dass sie ein freies Volk seien und dass das Regime, unter dem sie lebten, ein wohlwollendes sei.

Ihr bezweifelt das?

Denkt nur an die Anzahl jener Deutschen, die erklärt haben, dass sie keine Ahnung hatten wie schlecht das Nazi-Regime wirklich war. Sogar Hitlers persönliche Sekretärin Traudl Junge hat diese Ausrede benutzt um zu erklären, wie sie so viele Jahre mit Hitler arbeiten konnte und ihn sogar sehr mochte. Es gibt dieses amerikanische Sprichwort „wo ich sitze, da stehe ich“. Nun, darf ich fragen  – wo sitzen wir und sind wir so sicher, dass wir eine unabhängige Meinung haben, die nicht davon bestimmt ist wo wir sitzen (geografisch, politisch, sozial und sogar beruflich)?

Ihr fragt vielleicht zu den Opfern des Nazi-Regimes, wären sie nicht in der Lage, ihr Zeugnis über das deutsche Volk und Leute wie Traudl Junge abzulegen? Natürlich nicht: Tote reden nicht und ihre Mörder auch sehr selten (wenn sie nicht auch tot sind). Ja sicher, es gäbe alle möglichen Dissidenten und politischen Aktivisten, die die Wahrheit kennen würden, aber der „Mainstream“-Konsens unter einem siegreichen Nazi-Deutschland wäre, dass Hitler und die Nazis Europa von den judeo-bolschewistischen Horden und den angelsächsisch-freimaurerischen Kapitalisten befreit haben.

Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland. Wenn man die heutige russische Bevölkerung betrachtet, so gibt es weitaus mehr Nachkommen von Henkern als Nachkommen von hingerichteten Menschen, und das ist kaum eine Überraschung, denn tote Menschen vermehren sich nicht. In der Folge ist die moderne russische Geschichtsschreibung stark davon beeinflusst, dass die sowjetischen Verbrechen und Gräueltaten reingewaschen werden. Zu einem gewissen Grad ist das eine gute Sache, denn es begegnet der jahrzehntelangen anti-sowjetischen Propaganda der USA, aber oft geht es zu weit und endet in der Verharmlosung der tatsächlichen menschlichen Kosten des bolschewistischen Experiments in Russland.

Wie lassen sich also die USA in diesem Zusammenhang mit Deutschland und Russland vergleichen?

Die meisten Amerikaner vertrauen jener Version der Geschichte, die ihnen von ihrem eigenen „Mainstream“ präsentiert wird. Warum? Wie unterscheidet sich ihre Situation objektiv von der Situation eines siegreichen Dritten Reichs? Unsere moderne Geschichte des 2. Weltkriegs wurde auch von Siegern geschrieben, Siegern, die eigennützige Gründe dafür hatten, alle anderen Seiten zu dämonisieren (die Nazis und die Sowjets), während sie uns eine heldenhafte Fabel einer Befreiung präsentierten. Und hier kommt die Frage, die uns des Nachts den Schlaf rauben sollte: Was wäre, wenn wir nach der Niederlage der Nazis nicht als Russen und Juden geboren worden wären, sondern nach einer alliierten Niederlage im 2. Weltkrieg als Deutsche? Wären wir in der Lage gewesen, genug Skepsis und Mut zu beweisen, um die Mythen anzuzweifeln mit denen wir aufgewachsen wären? Oder wären wir auch super-gut-meinende kleine Nazis, die alle glücklich und stolz darauf sind, die bösen judeo-bolschewistischen Horden und die angelsächsisch-freimaurerischen Kapitalisten besiegt zu haben?

Ja sicher, Hitler betrachtete Juden als Parasiten, die verbannt und später ausgelöscht werden mussten und er sah die Russen als Untermenschen, die für die deutsche Herrenrasse arbeiten sollten und deren Intellegentsia auch ausgelöscht werden musste. Kein Wunder dass wir, die Juden und Russen, keine Sympathie für diese Art von völkermordenden rassistischen Ansichten hegen. Aber bestimmt können wir menschlich sein, bevor wir Juden und Russen sind. Und wir können akzeptieren, dass das, was für uns schlecht ist, nicht unbedingt für andere schlecht sein muss. Sicher, Hitler war für Juden und Russen eine schlechte Nachricht, aber war er wirklich so eine schlechte Nachricht für „reine“ (arische Germanen) Deutsche? Noch wichtiger: Wären wir als „reine“ Deutsche geboren worden, würden wir uns viel um Juden und Russen scheren? Ich hoffe es, aber ich habe meine Zweifel. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand von uns viele Tränen über den Vielfach-Völkermord (der Poly-Genozid  – meine Wortschöpfung für ein einzigartiges Phänomen in der Geschichte, nämlich der Völkermord an allen Ethnien auf einem gesamten Kontinent!) an den Indianern vergossen hätte! Ich wage zu behaupten, dass wir viel leichter über den „Holocaust“ oder den „Stalinismus“ jammern, auch wenn uns keines von beiden persönlich betroffen hat (nur unsere Familien und Ethnien), als über den Poly-Genozid an den Indianern. Ich bezweifle sehr, dass unser Jammern das Gleiche wäre, wenn wir Lakota oder Comanche wären. Nochmal, ich hoffe das ich mich irre, aber ich bin mir nicht sicher.

Wie auch immer, ich will auf Folgendes hinaus:

Man hat uns eingeimpft, leichtgläubig zu sein und die Dämonisierung der Nazis und Sowjets unkritisch zu akzeptieren weil wir Juden und Weißrussen sind. Vorsicht  – ich sage NICHT, dass die Nazis und die Sowjets nicht böse waren  – sie waren es mit Sicherheit  – aber was ich sage ist, dass wir, Juden und Russen, viel eher bereits sind, jede Version der Geschichte zu akzeptieren und für gut zu befinden, die die Nazis und die Sowjets zu einer Art außergewöhnlich schlechter Menschen macht und dass wir im Gegensatz dazu sofort jede Andeutung zurückweisen, dass „unsere“ Seite (in diesem Fall meine ich „eure“ Seite, die amerikanische, denn ihr betrachtet euch im Gegensatz zu mir als Amerikaner) genauso schlecht war (wenn auch nur weil eure Seite nie Juden und Russen ermordet hat). Sehen wir uns also für ein paar Minuten dieses „eure/unsere Seite“ an.

Als die USA in den 2. Weltkrieg eintraten, da hatten sie bereits das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen, den Poly-Genozid an einem gesamten Kontinent, gefolgt von der völlig illegalen und brutalen Annektion des von den Indianern gestohlenen Landes. Fürwahr, Hitler wäre stolz gewesen. Aber das war noch gar nicht alles. Die Anglo-Invasoren machten dann mit einem weiteren illegalen und brutalen Annektionskrieg gegen Mexiko weiter, denen sie einen riesigen Teil des Landes stahlen, darunter das moderne Texas, Kalifornien, Nevada, Utah, Arizona und New Mexico! Ja, dieses ganze Land wurde von eurer Seite illegal besetzt und gestohlen, nicht einmal, sondern ZWEIMAL! Und muss ich überhaupt noch die Schrecken der Sklaverei erwähnen, um sie dem moralischen Kerbholz eurer Seite hinzuzufügen, als die USA in den Krieg eintraten? Ich denke dass es hier bereits genug Beweise gibt, dass eure Seite moralisch schlimmer war als die Nazis und die Sowjets. Die gesamte Geschichte der USA ist eine endlose Abfolge von Gewalt, Plünderung, Scheinheiligkeit, Ausbeutung, Imperialismus, Unterdrückung und Krieg. Endlose Aggressionskriege. Keiner davon auch nur annähernd defensiv. Das ist in der Menschheitsgeschichte ziemlich einmalig. Fällt euch ein bösartigeres, blutrünstigeres Regime ein? Mir nicht.

Muss ich überhaupt noch das britische „Gräuel-Kerbholz“ erwähnen, das von den Opiumkriegen über die Erfindung der Konzentrationslager und der Einrichtung der Apartheid bis zu den Schrecken der Okkupation Irlands reicht, usw. usf.?

Ich höre euch auch sagen: ja, das war schrecklich, aber das ändert nicht die Tatsache, dass die USA im 2. Weltkrieg „Europa gerettet“ haben. Aber ist dem wirklich so?

Um meine Position zu untermauern, habe ich extra eine PDF-Sammlung zusammengestellt, mit 5 Quellen, 3 davon in Englisch und 2 in Russisch. Ihr könnt sie hier herunterladen:

https://drive.google.com/file/d/0ByibNV3SiUooWExTNGhMTGF5azQ/view

Ich habe die Kernaussagen der russischen Quellen übersetzt und präsentiere sie hier zusammen mit den Kernaussagen der englischen Quellen. Bitte seht euch diese PDF an und lest wenn möglich die ganzen hier zitierten Originalartikel. Die Kernaussagen dieser Quellen habe ich fett rot markiert. Ihr werdet feststellen, dass es bei den Zahlen ein paar Abweichungen gibt, aber die Schlussfolgerungen sind unbestreitbar, denke ich. Die historische Bilanz zeigt:

Die Sowjetunion hat etwa 80% der Militärmaschinerie der Nazis zerstört. Entsprechend kann man den USA-UK etwa 20% der alliierten Kriegsbemühungen zuschreiben.

Die Größe und das Ausmaß der Schlachten an der Ostfront lassen die größten Schlachten an der Westfront verblassen. In den Schlachten im Westen kämpften Divisionen und Brigaden, im Osten kämpfen Armeen und Armeegruppen. Das ist der Größe nach ein riesiger Unterschied.

Die USA sind erst ein Jahr nach Stalingrad und der Schlacht von Kursk in den Krieg eingetreten, als absolut klar war, dass die Nazis den Krieg verlieren würden.

Die Wahrheit ist, dass die Amerikaner erst dann in den Krieg eintraten als klar war, dass die Nazis geschlagen werden. Und ihr wahres Motiv war nicht die „Befreiung des unterdrückten Europas“, sondern die Sowjets daran zu hindern, ganz Europa zu besetzen. Die Amerikaner haben sich nicht um den Massenmord an Juden und Russen geschert, das einzige was ihnen wichtig war, war (wieder einmal) ein massiver Landgewinn.

(Nebenbemerkung: Nicht dass ihr meint, ich würde behaupten, dass nur Amerikaner so handeln, hier ein paar interessante Daten:

Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki: 6. und 9. August 1945

Die strategische Offensive der Sowjetunion in der Mandschurei: 9.-20. August 1945

Wir sehen hier eindeutig das selbe Muster: Die Sowjets haben gewartet bis absolut klar war, dass die USA das japanische Imperium besiegten, bevor sie selbst angriffen. Es ist auch bemerkenswert, dass die Sowjets nur 10 Tage benötigten, um die gesamte Kwantung-Armee, die Parade-Armee des japanischen Kaiserreichs mit über einer Million gut trainierter und gut ausgerüsteter Soldaten zu besiegen! Das sollte einem etwas sagen über die Art der Militärmaschinerie, die die Sowjetunion im Verlauf des Kriegs gegen Nazi-Deutschland entwickelte. (Hier eine ausgezeichnete US-Studie über diese Militäroperation:

http://usacac.army.mil/cac2/cgsc/carl/download/csipubs/LP7_AugustStormTheSoviet1945StrategicOffensiveInManchuria.pdf 

Haben die Amerikaner Frieden und Wohlstand nach Westeuropa gebracht?

Nach Westeuropa in gewissem Maß ja. Und zwar weil es leicht für sie war: Sie haben den Krieg nahezu „frisch“ beendet, ihre (gestohlene) Heimat musste nicht unter den Schrecken des Kriegs leiden und ja, sie konnten Erdnussbutter, Zigaretten und andere materielle Güter liefern. Sie haben auch sichergestellt, dass Westeuropa zu einem enormen Markt für US-Güter und Dienstleistungen wurde und dass europäische Ressourcen für das US-Imperium zur Verfügung standen, insbesondere gegen die Sowjetunion. Und wie haben sie diese „Großzügigkeit“ finanziert? Indem sie die sogenannte Dritte Welt nach Strich und Faden ausraubten, mehr nicht. Kann man darüber stolz sein? Hat nicht Lenin bereits 1917 gewarnt, dass der „Imperialismus die höchste Stufe des Kapitalismus ist“? Der Wohlstand Westeuropas wurde auf der erbärmlichen Armut von Millionen Afrikanern, Asiaten und Lateinamerikanern aufgebaut.

Aber wie steht es um die Zukunft Europas und der europäischen Völker?

Übersetzung FritztheCat

Weiterlesen: https://www.theblogcat.de/%C3%BCbersetzungen/ein-brief-an-meine-amerikanischen-freunde/  

Originaltext: http://thesaker.is/letter-to-my-american-friends/