«Jeder vernünftige Mensch muss der Ukraine Stabilität, Frieden und Prosperität wünschen»

Alexander Rahr in einem Interview mit Ria Novosti vom 24.1.2014

km. Im deutschsprachigen Raum haben derzeit diejenigen, die sachlich und ausgewogen über die Vorgänge in der Ukraine berichten, wenig Gelegenheit, ihre Position in den Medien darzulegen.

Wer die Leitmedien liest, stösst auf eine kampagnenartig und gleichgeschaltet wirkende Emotionalisierung. Und auch da, wo Verantwortliche für die Politik des «Westens» hin und wieder von der Notwendigkeit von «Kompromissen» und «Gesprächen mit Russland» reden, so zum Beispiel der Alt-Stratege Zbigniew Brzezinski auf der Sicherheitskonferenz in München, wirken solche Bekundungen nicht ganz glaubwürdig, weil die Taten und das sonst noch Gesagte doch in eine andere Richtung weisen.

Eine der Ausnahmen, die noch Zugang zu westlichen und zu östlichen Medien hat, ist der deutsche Russland-Experte Alexander Rahr. Alexander Rahr ist Forschungsdirektor des Deutsch-Russischen Forums, Senior Advisor der Wintershall Holding GmbH und Mitglied des auf russische Initiative hin entstandenen internationalen Diskussionsklubs «Waldai», der sich bei alljährlichen Treffen mit der Innen- und Aussenpolitik Russlands befasst. Die folgenden beiden Texte sind Auszüge aus Interviews, die die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti und der deutsche Radiosender Deutschlandfunk mit Alexander Rahr geführt haben.

«Jeder vernünftige Mensch muss der Ukraine Stabilität, Frieden und Prosperität wünschen. Und ebenfalls wünschen, dass die Politiker eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Interessen finden, eine Einigung erzielen und diese künstlich herbeigeführte, unnötige Krise stoppen.

Janukowitsch hat nicht gegen Gesetze verstossen, wie es vor zehn Jahren bei der ukrainischen Regierung der Fall war, als es zu einer Revolution wegen Wahlmanipulationen kam. Er verweigerte bzw. hat die Unterzeichnung eines Dokuments verschoben. Er erhielt sogar dringend benötigte Kredite von Russland, die der Westen nicht bereitstellen konnte. Deswegen denke ich, dass eine zweite Revolution Nonsens wäre.

[…] Das Problem besteht auch […] darin, dass die EU derzeit nicht den Wunsch hat, sich an den Verhandlungstisch mit Russland zu setzen. Europa steht in vielerlei Hinsicht nur auf der Seite der Oppositionellen. Es will aus Janukowitsch eine Art Rechtsbrecher der ukrainischen Behörden machen. Ich denke, dass der Westen dadurch eine explosive Situation schafft. […]»

Quelle:
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1714

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