- Ernährungssicherheit muss auf die Ebene eines Menschenrechtes gehoben werden.
- von Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer

Prof. Dr. Heinrich Wohlmeyer
Warum ich als «alter Mann» (82 Jahre) diesen Aufruf schreibe?
Weil ich von Zukunftsblindheit beziehungsweise Zukunftskriminalität der Entscheidungsträger und vom «Schweigen der Schafe»1 umgeben bin. Wer kein Schafhalter ist, kann die Metapher der Bibel2 kaum verstehen. Im Unterschied zu allen anderen Nutztierarten ergeben sich die Schafe, ohne verzweifelt zu blöken (schreien), wenn sie zur Schlachtbank geführt werden.
Die vielfältig wirtschaftenden Kleinbauern werden derzeit rücksichtslos den gross-kapitalen Weltmarktbeherrschern geopfert, die kurzfristig ihre Gewinne maximieren und ihre wachsenden Finanzvermögen in Grund und Boden anlegen. Man spricht dabei immer vom unantastbaren, unveränderlichen und wohlstandsmehrenden «Weltmarkt», als ob dieser eine natürlich vorgegebene Form des ökonomischen Handels wäre.
Regionale Vorsorge oder tödliche Konkurrenz
- Heinrich Wohlmeyer wurde 1936 in St. Pölten, Niederösterreich, geboren. Studium in Wien, London und den USA. Er ist österreichischer Industrie- und Forschungsmanager sowie Regionalentwickler und war 20 Jahre in der Industrie und in der Regionalentwicklung tätig. Er stand an der Wiege der Nachhaltigkeitskonzepte und baute die Österreichische Vereinigung für Agrar- und Lebenswissenschaftliche Forschung und die Österreichische Gesellschaft für Biotechnologie auf. Heinrich Wohlmeyer lehrte an der Technischen Universität Wien und an der Universität für Bodenkultur in Wien. Er initiierte die österreichische Ausgleichsabgabengesetzgebung und ist Verfasser zahlreicher handels-politischer Artikel, unter anderem zu den geplanten CETA-, TiSA- und TTIP-Abkommen. Heute bewirtschaftet Wohlmeyer einen Bergbauernhof in Lilienfeld (Österreich). Wohlmeyer ist verheiratet, hat drei Töchter und fünf Enkelkinder. Bücher: «The WTO, Agriculture and Sustainable Development» (2002); «Globales Schafe Scheren – Gegen die Politik des Niedergangs» (2006); «Empörung in Eu-ropa – Wege aus der Krise» (2012)
- Quelle:
Zeit-Fragen
- https://www.zeit-fragen.ch/de/ausgaben/2018/nr-19-14-august-2018/der-aufstand-der-schafe-gegen-das-todesurteil-der-dominierenden-finanz-und-handelspolitik-ist-geboten.html
Es stinkt nach EU-Agrarreform
Landwirtschaftskonzerne und Nahrungsmittelindustrie kassieren Brüsseler Euro-Milliarden
Volker Bräutigam
Ilse Aigner, CSU, Fehlbesetzung im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, nahm von dort zum 1. Oktober zwar endlich ihren Abschied, es bleibt jedoch ein penetranter Gestank von Unrat.
- Von Volker Bräutigam
- Es heißt „Glyphosat“ und ist der weltweit meistverwendete „Unkraut“-Vernichter. Ein Breitband-Herbizid, das nur über die Blätter wirkt. Es tötet in der besprühten Pflanze ein Enzym, das sie für die Photosynthese braucht.
Sie kann dann Licht nicht mehr in Energie umwandeln und stirbt. Glyphosat steht seit Jahren im Verdacht, bei Mensch und Tier Krebs zu erregen und deren Hormonhaushalt zu beeinträchtigen. Studien zeigen Zusammenhänge mit der Entstehung maligner Melanome auf, auch daß Glyphosat den Schutz der mütterlichen Plazenta überwindet und das Hirnareal von Embryonen schädigt.
Das Herbizid kam vor einem Vierteljahrhundert zunächst in Nord- und Südamerika auf den Markt und wirkt tödlich auf die gesamte Flora – ausgenommen einige gentechnisch veränderte, landwirtschaftlich nutzbare und deshalb patentgeschützte Gewächse aus dem Labor des US-Chemieriesen Monsanto: Sojasorten, Mais, Raps, Zuckerrüben. Der Konzern hat das Glyphosat zwar nicht selbst erfunden, aber dessen chemische Formel gekauft und sie sich schon vor 45 Jahren patentieren lassen.
Nach Ablauf des Patentschutzes blieb Monsanto der führende Hersteller des Giftes. Seine maßgeschneidert genmanipulierten glyphosatresistenten Pflanzen verkauft der Konzern ebenfalls weltweit. Nur in der EU ist ihr Anbau (noch) nicht erlaubt. Aber als Futtermittel dürfen sie längst importiert werden. So gelangen Glyphosat und gentechnisch Verändertes eben auf kleinem Umweg in unsere Nahrungskette. Glyphosat an sich ist ohnehin in der EU wohlgelitten. Monsanto verkauft es erfolgreich als Spritzmittel unter dem Namen „Roundup“. Darüber hinaus ist es in mehr als 70 ähnlichen Erzeugnissen anderer Anbieter enthalten.
Fleischfresser-Politik
von Volker Bräutigam
Vier Jahre lang zierte Ilse Aigner, CSU, das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Künftig will sie landespolitisch walten. Mit dieser Belastung müssen dann die Bayern fertig werden, und die gesamte Republik hat ebenfalls keinen Grund zum Fröhlichsein.
- Von Dr. Ariet Güttinger
- Fragt man Kinder in der Stadt oder in der Agglomeration, woher denn die Milch, das Jogurth oder der Käse kommen, erhält man nicht selten die Antwort: „Vom Lade“. Dass da noch eine Kuh mit Bauernhof dazugehört, bringt solche Kinder dann zum Staunen. Aber – Hand auf’s Herz – fehlt nicht auch uns Erwachsenen oft ein vertieftes Nachdenken über die Herkunft unserer Lebensmittel? Volle Gestelle in den Läden mit Lebensmitteln von bester Qualität sind so selbstverständlich, dass wir das Gefühl haben, es wird bis in alle Ewigkeit so bleiben.
Hinter vollen Gestellen steht aber eine grosse Arbeit: Unzählige fleissige Hände in bäuerlichen Familienbetrieben sorgen dafür, dass wir jeden Tag wertvolle, gesunde einheimische Lebensmittel auf unserem Tisch haben. Das dem so ist, hat damit zu tun, dass wir das in der Schweiz so wollen. Das steht in der Bundesverfassung im Artikel 104 zur Landwirtschaft: „Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft (...) einen wesentlichen Beitrag leistet zur
- sicheren Versorgung der Bevölkerung;
- Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der Kulturlandschaft;
- dezentralen Besiedelung des Landes.“
Bäuerliche Familienbetriebe ermöglichen uns Städtern auch eine intakte, schöne Landschaft und Natur, in der man sich in seiner Freizeit so gut erholt. Selbstverständlich hat das auch seinen Preis: Direktzahlungen an die Landwirtschaft aus unseren Steuergeldern. Anders geht es nicht. Die Preise, die die Bauern von den Grossabnehmern für ihre wertvollen Erzeugnisse erhalten, sind kaum mehr kostendeckend. Das Geschäft machen die nachgelagerten Betriebe und nicht die Bauern. Viele Familienbetriebe sind heute – existentiell - darauf angewiesen, dass der Bauer oder die Bäuerin noch einem Nebenberuf nachgeht.
Nur so lässt sich der Fortbestand ihres Betriebes sichern. Eine Familienarbeitskraft in der Schweizer Landwirtschaft arbeitet 50 Stunden in der Woche und verdient durchschnittlich gerade einmal 48'000 Fr. im Jahr.
- Quelle:
Prof.Dr.Heinrich Wohlmeyer in: Zeit-Fragen Nr. 33 vom 22.10.2013.
- Es geht um Alternativen zur Ausweglosigkeit – Permakultur ist eine davon
- Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,
ich traf Erich Graf anlässlich der Erstaufführung von Erwin Wagenhofers neuem Film „But Beautiful“ in Zürich. Das Ehepaar Graf hat in Tijarafe (La Palma) mit Permakultur ein grosses Stück Brachland in ein ökologisches „Paradies“ verwandelt. Ihr Projekt wird auch in Wagenhofers sehenswertem Film vorgestellt. Heute erhalte ich dieses Rundschreiben von ihnen, das ich Ihnen gerne zur Kenntnis bringe. Herzlich Willy Wahl
Liebe FreundInnen,
Der AUTarcaMatricultura Film, den wir endlich fertiggestellt haben, informiert tiefgründig und detailliert über die Permakultur, die Permakultur Vision und den konkreten Alltag auf AUTarcaMatricultura.