Seniora.org - Digitalisierung

34C3: China – Die maschinenlesbare Bevölkerung

Bonuspunkte für staatstreues Verhalten, Abzüge für Regimekritik  – ab 2020 soll ein "Social Credit System" für alle Bürger Chinas verpflichtend werden. Die Internet-Konzerne des Landes mischen mit. Die eigene Bevölkerung mit einem Big-Data-Projekt zu kontrollieren ist eines der Vorzeigeprojekte der chinesischen Regierung. Bereits heute sind die ersten Systeme aktiv, ab 2020 sollen sie verbindlichen werden. Wie die "Social Credit Systems" funktionieren, erklärte China-Expertin Katika Kühnreich auf dem 34C3 in Leipzig.

Highscore für gute Bürger

Die digitale Totalüberwachung klingt wie eine bekannte düstere Zukunftsvision  – doch mit einem neuen Twist. "Das Buch 1984 handelte von Gewalt. Mit Gamification wird jedoch ein System geschaffen, bei dem sich die Bürger gut und geborgen fühlen", erklärte die Politikwissenschaftlerin. So habe die chinesische Regierung mit einem Punktewert für Bürger ein System ersonnen, mit dem einerseits das Verhalten der Bevölkerung umfassend überwacht werde. Statt jedoch andere Meinungen mit staatlichen Mitteln wie Inhaftierungen von Kritikern (siehe: https://www.heise.de/meldung/Chinesischer-Blogger-Wu-Gan-zu-acht-Jahren-Haft-verurteilt-3927936.html) zu bekämpfen, werde mit dem Social Credit System der Bevölkerung ein Anreiz gegeben, sich aus eigenem Antrieb möglichst systemkonform zu verhalten.

Kühnreich räumte in Leipzig mit einigen Missverständnissen auf. So gibt es derzeit nicht nur ein soziales Punktesystem, das alle Bürger bewertet  – stattdessen konkurrieren gleich acht Firmen, die jeweils ihre eigenen Systeme etablieren wollen. Die großen IT-Konerne des Landes wie der WeChat-Anbieter Tencent spielen dabei in der ersten Reihe. Das größte existierende System heißt Sesame Credit und ist ein Produkt der Ant Financial Services Group, eine Tochtergesellschaft des Handelskonzerns Alibaba.

Quelle: CCC Kongress Leipzig 2017
https://media.ccc.de/v/34c3-8874-gamified_control#t=190
Quelle 2/Original: Publiziert auf Heise.de
https://www.heise.de/newsticker/meldung/34C3-China-Die-maschinenlesbare-Bevoelkerung-3928422.html

Digitalisierung von Bildung als neoliberales Projekt

Das Internet als Brandbeschleuniger der Globalisierung und Infrastruktur des neoliberalen Regimes.
von Matthias Burchardt
In den 80er Jahren wurde den Studierenden an den westlichen Hochschulen politische Leidenschaft, Kritik und das Engagement für eine gerechte Welt durch den Hinweis auf das „Ende der großen Erzählungen“ aberzogen. Wie immer man zu Lyotard, dem Autor dieser  – selbst durchaus nicht kleinen  – Erzählung vom Ende der Utopien und Sinnklammern, stehen mag, scheint er doch von der Geschichte selbst widerlegt worden zu sein: Die Narrative der „Globalisierung“ oder auch der „Digitalisierung“ haben beinahe uneingeschränkte Hegemonie gewonnen, ihre Alternativlosigkeit entfaltet Sachzwang- und Legitimationskaskaden, die weiteren Begründungsbedarf oder gar alternative Gestaltungsabsichten schlichtweg pulverisieren. Politisches Handeln, das auf dieser Welle schwimmt, ist per se legitimiert, Skeptiker und Kritiker kommen gegen die Macht der großen Erzählung kaum an. Zumal auch die Mächtigen selbst sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

2013 etwa tagte die informelle Bilderberger-Konferenz zu Themen wie: „How big data is changing almost everything“ oder „Online education: promise and impacts“. Die teilnehmenden deutschen Politiker sind Christian Lindner, FDP, („Das Digitalste an der Schule darf nicht die Pause sein“) und Kurt Lauk, zu der Zeit Präsident des Wirtschaftsrates der CDU  – Die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft. Lauk kritisierte dann in der Folge auch im Handelsblatt die Nachteile des Datenschutzes bei der Schürfung der digitalen Rohstoffe durch Big Data.

Bevor nun der Vorwurf der Verschwörungstheorie aufkeimt, sei darauf hingewiesen, dass man auch ohne die Teilnahme an informellen Konferenzen subtil die Interessen der IT-Lobby oder des militärisch-kybernetischen Komplexes vertreten kann. Andreas Pinkwart, FDP-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie in NRW, etwa offenbart in einem Interview „Ich bin digital im Kopf“ und kündigt einen Masterplan der Digitalisierung an.

Digitale Querfront?

Ob auch die Linken MdB Halina Wawzyniak und Nicole Gohlke digital im Kopf sind, bleibt offen, aber auf der vom Klett-Verlag betriebenen Plattform excitingedu.de werden beide in Hinblick auf eine Positionsbestimmung der Linken wie folgt zitiert:

Quelle: Rubikon
https://www.rubikon.news/artikel/digitalisierung-von-bildung-als-neoliberales-projekt

Ein spannendes Interview mit der Autorin von “Das Ende der Demokratie”

Sehr geehrte Senioraleserin, Sehr geehrter Senioraleser,
ich sah heute Abend bei BR-alpha mit grossem Interesse das Gespräch mit Frau Hofstetter. Sie versteht es brillant, das Phänomen "Künstliche Intelligenz" und die damit einhergehende Tragweite einer völlig neuen Steuerungs- und Manipulationstechnik des Menschen auf verständliche Weise darzustellen. Sehr hörens- und nachdenkenswert!
Willy Wahl

Yvonne Hofstetter ist Expertin für künstliche Intelligenz. Ihr erstes Buch "Sie wissen alles: Wie Big Data in unser Leben eindringt und warum wir um unsere Freiheit kämpfen müssen" (2014) wurde ein Bestseller, im September 2016 erschien "Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt".

"Dazu müsste man vielleicht zuerst einmal klären, was Digitalisierung überhaupt ist. Digitalisierung bedeutet nichts anderes, als dass wir unsere Welt in einen riesengroßen Computer umwandeln. Das bedeutet, dass wir heute im 21. Jahrhundert über alles Daten sammeln und diese Daten speichern, mit diesen Daten Analysen erstellen und Prognosen treffen, um steuernd und lenkend in das Leben, in die Natur, in den Menschen, in die Gesellschaft einzugreifen. Dazu muss man Messdaten erheben, also sehr große Datenmengen, Big Data genannt. Es macht aber einen Unterschied, ob man Messdaten von Menschen erhebt, ob man Menschen überwacht, ob man Verhaltens- und Lebensprofile von Menschen erstellt oder ob man beispielsweise in der Industrie Messdaten von Industrieanlagen erhebt, von Weichen, von Bahnschienen usw. Bahnschienen und Weichen haben keine Rechte, auch Häuser nicht, wie überhaupt Sachen keine Rechte haben. Menschen jedoch haben Rechte, haben Freiheitsrechte. Deswegen ist in diesem Bereich die Überwachung, die Verarbeitung von Daten, die Steuerung mittels erhobener Daten kritisch zu sehen, weil sie gegen Grundrechte verstößt."

Yvonne Hofstetter

Das Ende der Demokratie

Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt

Buch Ende Demokratie

Das Ende der Demokratie

Wird die künstliche Intelligenz Wirtschaft und Alltag in Zukunft dominieren und den Menschen tendenziell verdrängen? Werden intelligente Maschinen Politik machen? Yvonne Hofstetter sieht deutliche Anzeichen für diese Entwicklungen. Big Data speichert unser Verhalten, künstliche Intelligenzen analysieren unsere Absichten. Und weil sie uns kennen, können sie uns manipulieren, uns unmerklich bevormunden. Der Umbau der Gesellschaft in die Herrschaft der künstlichen Intelligenz ist in vollem Gange. Ob wir sie tatsächlich wollen, darüber haben wir niemals demokratisch abgestimmt. Drohen also Freiheit und Demokratie zwischen Politikversagen und Big Data zerrieben zu werden? Hofstetter warnt davor, Big Data einfach zu verteufeln, nur um dann doch weiterzumachen wie bisher. Anhand hochbrisanter Szenarien  – der Wahl einer rechtsradikalen Regierung, der Eurokrise und der Schließung europäischer Binnengrenzen  – zeigt sie, wie intelligente Maschinen selbstständig politische Herausforderungen berechnen und bewältigen würden.

Quelle:
http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/yvonne-hofstetter-gespraech-100.html

Heute mal bildschirmfrei

Das Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben
Buch von Paula Bleckmann und Ingo Leipner
Soforthilfe bei Digital-Stress in den Familien. Viele Eltern klagen: „Ich bin schockiert, was mit Smartphone, Tablet und Spielekonsole alles auf meine Kinder einströmt: Cybermobbing, Computerspielsucht, Internet-Pornos! Wie kann ich meine Kinder vor den Folgen des digitalen Konsums schützen?“

Kampf um die Köpfe im Klassenzimmer

Private ICT-Firmen und internationale Technologiekonzerne drängen in die öffentliche Bildung. Swisscom und IBM bieten Unterricht an und gestalten Elternabende. Das führt zu Fragen.
Von Carl Bossard, 12.12.2018
Journal21 vom 10. Januar 2018
„Jetzt habe ich begriffen, was ein Sandstein ist“, strahlte eine Gymnasiastin mit rotem Kopf und schmutzigen Händen. Der spontane Ausruf zeigt eines: Der Verstand geht auch durch die Hände, oder wie es der Pädagoge und Pestalozzi-Schüler Friedrich Fröbel formuliert hat: vom Greifen (der Hand) zum Begreifen (des Kopfes)  – ein klassischer didaktischer Grundsatz. Die Schülerin bearbeitete einen Stein zum Thema „Erde im Feuer“. Angesagt waren Projekttage mit dem Motiv „Die vier Elemente: Erde –Feuer –Wasser –Luft“.

Carl Bossard
Realität vor Virtualität

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