Das Tibet- und Chinabild in deutschen Massenmedien - von Prof. Dr. Jörg Becker Drucken E-Mail
Donnerstag, 29. Oktober 2009


 

 

Die Berichterstattung über die Tibetkrise (März 2008) und die Olympiade in China (August 2008) in deutschsprachigen Massenmedien

Prof. Dr. Jörg Becker *

 

1. Das Tibet- und Chinabild in deutschen Massenmedien

 

 

Mediale Auslandsbilder zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich dem journalistischen Prinzip der Nähe unterordnen. Mit anderen Worten: Medien berichten sehr wenig über Länder, die weit weg vom Rezipienten liegen. Sie tun das erstens nur dann, wenn es um herausragende Events geht und zweitens unterliegen ihre Auslandsbilder historischen Schwankungen. Das gilt auch für das deutsche Chinabild.[1]

 

Geprägt vom Bild der „Gelben Gefahr“ aus der Zeit der sogenannten Boxerunruhen (1900) versank China danach über viele Generationen in einem deutschen Aufmerksamkeitsloch. Nach Gründung der kommunistischen Volksrepublik China 1949 konnte das Bild von der „gelben“ nahtlos in ein Bild von der „roten“ Gefahr um- und weiter gewandelt werden. So blieb das Chinabild jahrzehntelang verzerrt und Angst einflößend (Greene 1966). Mit einer politischen Öffnung Chinas, einem expandierenden Tourismus und anwachsenden Exporten nach China setzte in Deutschland in den 80er Jahren ein richtig gehender China-Boom ein und einige Zeit gab es in den Medien ein positives Chinabild. Ab ungefähr 2005 wurde China jedoch wieder zum bedrohlichen, hungrigen Riesen. Chinas ökonomischer Aufstieg wurde als Deutschlands Abstieg interpretiert. Das Bild von der „gelben Gefahr“ war wieder virulent, China wurde nun für zahlreiche Wirtschaftsprobleme verantwortlich gemacht (Abwanderung deutscher Firmen, Abbau von Arbeitsplätzen, Erhöhung der Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreise, Verschlechterung der Produktqualität, Fälschung deutscher Markenartikel usw.).

Geradezu konträr zu diesem bedrohlichen Chinabild steht in den deutschen Medien das Tibetbild seit der Flucht des Dalai Lama 1959 von Tibet nach Indien. Seit einem halben Jahrhundert kann dieses wirkmächtige Tibetbild als Gegenstück zum Chinabild gelten: Buddhistisch d. h. friedlich und gewaltfrei, kontemplativ, esoterisch, schwach und Schutz suchend wird die Trias aus Tibet, dem Dalai Lama und kultureller Minderheit zu einer Projektionsfläche eigener Miseren und Unzulänglichkeiten. Über den Dalai Lama bietet Amazon gegenwärtig 728 deutsche und 908 englische Buchtitel an, 13.200 Videos über ihn sind bei Youtube und fast 8 Mio. Einträge bei Google zu finden (Müller/Vougioukas 2008, 35). Nirgendwo deutlicher als sonst zeigt ein verklärtes und romantisches Bild von Tibet den „positiven Rassismus“ so mancher Dritte-Welt-Exotik (Schell 1998; Steinberger 2008).

 

Dieses romantische Tibetbild blendet wenigstens drei Sachverhalte aus. Erstens unterschlägt es eine Kritik an diesem früheren feudalen Gottesstaat Tibet (Goldner 2008). Zweitens thematisiert dieses Bild nicht die auffallende Nähe zwischen dem Dalai Lama und Exponenten aus dem politisch rechten Spektrum Europas. Das gilt in Sonderheit für den österreichischen Bergsteiger Heinrich Harrer (Mitglied der NSDAP, der SA, der SS und persönlicher Schützling von SS-Führer Heinrich Himmler), der von 1946 bis 1951 einer der Erzieher des jungen Dalai Lama in Tibet war (Lehner 2007). Bindemittel zwischen dem Dalai Lama und den deutschen Nationalsozialisten waren Rassismus, Vorstellungen von der eigenen Auserwähltheit gegenüber anderen Ländern und Völkern, schicksalshafte Vorsehungslehren, eine spezifische „braune“ Esoterik (Trimondi 2002) und die Beschwörung einer „arisch-tibetischen Allianz“. In der Kontinuität des Verhältnisses zwischen Heinrich Harrer und dem Dalai Lama stehen heute dessen Freundschaften mit dem verstorbenen österreichischen rechtspopulistischen Politiker Jörg Haider (Landeshauptmann von Kärnten) und dem konservativen deutschen Politiker Roland Koch (Ministerpräsident von Hessen). Drittens schließlich blendet das romantische Tibetbild jede Kritik an den undemokratischen Strukturen der Exil-Regierung des Dalai Lama im indischen Exil aus. Es sind genau diese drei ausgeklammerten Dimensionen Tibets, die das kritische Jahrbuch 2009 als prominentes Beispiel dafür vorstellt, „was 2008 nicht in der Zeitung stand“ – so der Untertitel dieser Veröffentlichung (Wisnewski 2009).   

 

Wie in kaum einem anderen Fall von Pressemanipulation lässt sich so gut wie bei dem Fall Tibet belegen, dass die CIA das Tibetbild in den westlichen Massenmedien erfolgreich geprägt hat. Diese Manipulationen und die Kooperation mit tibetischen Exilgruppen durch die CIA sind wissenschaftlich gut belegt. Bis zum Ende des Kalten Krieges hatte die CIA auf diesem Gebiet illegal gearbeitet (Conboy/Morrison 2002; Goldstein 2006; Knaus  2003). Ganz legal übernahm dieselbe Aufgabe die von US-Präsident Ronald Reagan 1983 gegründete National Endowment for Democracy (NED), eine öffentliche Stiftung, die vom US-Kongress finanziert wird und die in der ganzen Welt Demokratieförderung betreibt (Barker 2007).

 

Mit diesem doppelten agenda setting und framing – China als Bedrohung und Tibet als Ort des Friedens und der inneren Ruhe – hatte eine positive Berichterstattung über die Olympiade in China ein kommunikatives und medienpolitisches Hindernis vor sich, das kaum zu überwinden war.    

 

Es ist verfrüht, sich ein endgültiges und wissenschaftlich fundiertes Urteil über das Bild der Tibetkrise und der chinesischen Olympiade in deutschsprachigen Massenmedien zu erlauben, da bislang viel zu wenig empirisch fundierte Inhaltsanalysen vorliegen, um sich sachgerecht und detailliert äußern zu können. Dennoch zeigen sich verallgemeinerbare Tendenzen ab und kritische Journalisten und Sozialwissenschaftler kommen zu sehr ähnlichen Schlussfolgerungen.

 

Bei der Tibetberichterstattung fällt zunächst einmal auf, dass die deutschen Medien zu  Beginn der sozialen Unruhen in Lhasa im März 2008 Ursache und Wirkung, Täter und Opfer verwechseln. Während die Unruhen mit einem Gewaltausbruch von Tibetern gegen Han und Hui beginnen, ein wütender tibetischer Mob wütend und brandschatzend durch die Strassen zieht und viele Chinesen getötet werden, berichten die Medien darüber fast gar nicht, sondern konzentrieren sich auf die Einsätze chinesischer Sicherheitskräfte und schießen sich später darauf ein, Tibet sei eine chinesische Kolonie, sei widerrechtlich besetzt und in jeglicher Hinsicht unterdrückt. Viele westliche Medien, auch die deutschen, illustrieren ihre Berichte über die Unruhen in Tibet mit Fotos und Filmen, die in Wirklichkeit zeigen, wie die nepalesische Polizei mit Schlagstöcken gegen exiltibetische Demonstranten vorgeht. Diese falschen Bilder werden von folgenden westlichen Medien verbreitet: CNN, Fox Television, BBC und The Times. Speziell in Deutschland übernehmen diese Bilder die deutschen Fernsehsendern RTL und n-tv, der staatliche Rundfunksender Deutsche Welle und die Zeitungen Berliner Morgenpost, Bild-Zeitung und Der Stern. Während alle großen chinesischen Zeitungen über diese Fehler und falschen Bilder westlicher Medien berichten und während in China in nur kurzer Zeit 200.000 Besucher eine extra eingerichtete Anti-CNN-Homepage besuchen, gibt es darüber in Deutschland keine öffentliche Diskussion oder Richtigstellung.[2]

 

Wie drastisch damals die Tibetberichterstattung fast alle anderen außenpolitischen Themen in den westlichen Massenmedien erdrückte, zeigt eine Untersuchung im Auftrag der Kofi Annan-Foundation, die das Zürcher Media Tenor-Institut in Kooperation mit Experten des Dalai Lama erarbeitet hat. In dieser Untersuchung wurde die Tibetberichterstattung von elf TV-Sendern in vier Ländern (Deutschland, USA, Großbritannien und Südafrika) zwischen Juli 2007 und Juni 2008 untersucht. Die März-Unruhen 2008 führten dazu, dass sich 10 Prozent aller TV-Berichte über Asien nur auf Tibet bezogen, dass Tibet und der Dalai Lama noch lange und kontinuierlich nach dem März ein Medienthema waren und dass insgesamt exiltibetische Gruppen ihre Interessen sehr viel besser durchsetzen konnten als China.

 

Deutschland, das über die Heinrich Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen) und die Friedrich Naumann-Stiftung (FDP) intensiv und seit langem mit exiltibetischen Gruppen vernetzt ist, hatte in der Tibet- resp. der Anti-Chinaberichterstattung insofern noch einen besonderen Medienakzent aufzuweisen, als zwei international bekannte Tibetaktivisten (David Demes und Florian Gyana Tshang) in Deutschland wohnen und ihre Teilnahme an Protestaktivitäten in Beijing (Demonstration auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu Beginn der Olympiade resp. Entrollen einer tibetischen Flagge) gerade deswegen prominente Medienaufmerksamkeit erhielt.

 

Demgegenüber hatte die Berichterstattung über die chinesische Olympiade in Beijing vom 8. bis 24. August 2008 einen ausgesprochen schweren Stand. Im Prinzip konnte sie sich nicht mehr von den Beschädigungen der voran gegangen Tibetberichterstattung erholen. Strukturell und geschichtlich verhaftet in ein Bild von der „gelben Gefahr“ funktionierte die Tibetkrise als agenda setting und framing für die Themen Unterdrückung, Verletzung der Menschenrechte, Zensur und Mangel an Freiheit. Der Rahmen war vorgegeben und alle weiteren Details wurden so behandelt, dass sie in diesen Rahmen gut hinein passten: Der Vergleich mit der Olympiade der Nazis 1936, Hinweise auf unmenschliche Trainingsbedingungen chinesischer Sportler (besonders Kinder), Mangel an Pressefreiheit, Nichteinhalten von Versprechen der Regierung (Luftverschmutzung, Doping, Reisefreiheit), politische Tricks bei der Eröffnungsfeier usw. Kurz: Selektive Wahrnehmungen und self fulfilling prophecies vor dem Hintergrund eines positiven Bildes von Tibet und Freiheitsaktivisten, Menschenrechten und Pressefreiheit und eines negativen Chinabildes von „gelber Gefahr“, Unterdrückung und Zwang führten dazu, dass die Berichterstattung über die chinesische Olympiade aus der Sicht der chinesischen Veranstalter, der Sponsoren der Olympiade und des Sports katastrophal war.

 

Dazu zusammenfassend Helmut Digel, Professor für Sportjournalismus an der Universität Tübingen (2008, 68): „Das Merkmal der Einseitigkeit und die Hinwendung zu einer bodenlosen Kritik, d. h. zu einer Kritik, der jegliche empirische Fundierung mangelt, hat nahezu die gesamte Hintergrundberichterstattung der deutschen Massenmedien zu den Olympischen Spielen geprägt. Aus einer internationalen Perspektive zeigt sich dabei, dass die deutsche Sportberichterstattung dabei einen Sonderstatus einnimmt.“

 

Dieser homogenisierte mainstream in der deutschen Medienberichterstattung über Tibet und die chinesische Olympiade konnte kaum durchbrochen werden. Die wichtigste Ausnahme bildete die China-Redaktion des staatlichen Radiosenders Deutsche Welle. Verantwortet von Danhong Zhang, stellv. Leiterin des chinesischen Programms von DW-Radio, folgte die Berichterstattung der Deutschen Welle dem simplen journalistischen Gebot eines audiatur et altera pars. Hier hörte man sowohl Kritisches über exiltibetische Gruppen als auch Positives über die Olympiade in Beijing. Da die chinesischen Radioprogramme der Deutschen Welle nicht in Deutschland, wohl aber in China gehört werden, wurden sie innerhalb von Deutschland erst dann zur Kenntnis genommen, als in Deutschland lebende chinesische Dissidenten um die Falun Gong-Anhängerin Xu Pei eine erfolgreiche Pressekampagne gegen das China-Programm der Deutschen Welle als Fünfte Kolonne der chinesischen KP begann, die in einer nichtöffentlichen Anhörung im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien im November 2008 gipfelte. Obwohl sich der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unterstützend hinter die China-Redaktion der Deutschen Welle stellte, wurde Danhong Zhang wegen „roter Infiltration“ ihres Amtes enthoben (Leyendecker 2009). Im allgemeinen China-Bashing von Politik und Medien gab es in Deutschland nur zwei positive, bemerkenswert kenntnisreiche und sachlich-pragmatisch argumentierende Ausnahmen, zum einen ein langes Interview mit dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) (2008) über China und ein langer Essay über das Verhältnis Tibet-China der früheren Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen) (2008).  

 

Kommunikationswissenschaftlich folgte den Bildern des friedlichen Tibet und der „gelben Gefahr“ als agenda setting und framing mit der aktuellen Berichterstattung über die Tibetkrise und die chinesische Olympiade 2008 ein priming, also die häufige Wiederholung einunddesselben Motivs als Bahnung für bestimmte Gedächtnisinhalte. Dieses priming für China hält später noch heute an: Zur Jahreswende 2008/09 fanden sich in führenden deutschen Zeitungen China-Artikel mit folgenden Überschriften: „Angst vor der Rotchina AG“, „Chinas Olympischer Geist verweht“ oder „Vergessenes Versprechen in China“.

 

3. PR-Agenturen

   

Unbemerkt von der großen Öffentlichkeit trifft es dennoch seit langem zu, dass neben privaten Unternehmen immer mehr Regierungen, internationale Behörden und Verbände zu den wichtigsten Kunden international agierender PR-Agenturen geworden sind. In vielen Fällen besteht das oberste Ziel solcher public relations daran, die Presse im Interesse des Auftraggebers zu beeinflussen, d. h. agenda setting für ganz spezifische Themen und Inhalte einschließlich negative campaigning gegen den politischen Gegner zu betreiben. Jüngstes Beispiel sind die Tätigkeiten der PR-Agentur aspect consulting (Brüssel) für die georgische und die der PR-Agentur GPlusEurope (Brüssel) für die russische Regierung während des fünftägigen Kaukasuskrieges Anfang August 2008.

 

Im Jahre 2001 waren die zehn größten solcher PR-Agenturen die folgenden: Weber Shandwick Worldwide (Jahresumsatz: US-$426.572.018), Fleishman-Hillard Inc. (US-$345.098.241), Hill and Knowlton, Inc. (US-$325.119.000), Incepta (Citigate) (US-$266.018.371), Burson-Marsteller (US-$259.112.000), Edelman Public Relations Worldwide (US-$223.708.535), Ketchum, Inc. (US-$185.221.000), Porter Novelli (US-$179.294.000), GCI Group/APCO Worldwide (US-$151.081.645) und Ogilvy Public Relations Worldwide (US-$145.949.285).

 

Die Tätigkeit US-amerikanischer PR-Agenturen für ausländische Regierungen unterliegt nach dem Foreign Agents Registration Act (FARA) (1938 und 1966) einer Transparenzpflicht. Jeder Bevollmächtigte eines ausländischen Auftraggebers muss im US-amerikanischen Justizministerium (DOJ) in einer Akte detaillierte Angaben über die Bevollmächtigung hinterlegen: Art des Vertrages, Höhe der Einnahmen und eigenen Ausgaben für den ausländischen Auftraggeber. Diese Angaben sind öffentlich zugänglich. So konnten Jörg Becker und Mira Beham für den Zeitraum 1991 bis 2002 insgesamt 157 Verträge zwischen US-amerikanischen PR-Firmen und mehreren Balkanregierungen ausfindig machen und einen empirischen Nachweis darüber führen, dass die verzerrte und international homogenisierte Medienberichterstattung über die ex-jugoslawischen Kriege das bewusst herbei geführte Ergebnis der Tätigkeit von PR-Agenturen war (Becker/Beham 2008).

 

Nach den FARA-Akten waren zwischen 2003 und 2007 insgesamt 25 US-amerikanische PR-Unternehmen für ein Auftragsvolumen von insgesamt 32 Mio. US-$ in China aktiv. Gestaffelt nach Jahren waren das (abgerundet): 2003 4 Mio. US-$, 2004 6 Mio. US-$, 2005 11 Mio. US-$, 2006 6,5 Mio. US-$ und 2007 5 Mio. US-$. In den Jahren 2006 und 2007 war die US-amerikanische Fa. Hill and Knowlton für das Beijing Organizing Committee for the Olympic Games (BOCOG) in Beijing tätig, um für die Olympischen Spiele die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. Wie intensiv Hill and Knowlton mit dem BOCOG kooperiert hat, wird unter anderem an der pressewirksam verkündeten Teilnahme von Paul Taaffe, Chairman & Chief Executive Officer of Hill and Knowlton, als Fackelträger bei einer der letzten Strecken des olympischen Fackellaufes in Beijing deutlich. Allein das Geschäft mit China und den Olympischen Spielen verschaffte WPP ein Umsatzwachstum von 31 Prozent. Vielleicht erklärt dieser außerordentlich hohe Zuwachs, warum das Tochterunternehmen Hill and Knowlton in den FARA-Akten die Vertragssummen mit dem BOCOG (rechtswidrig) verschweigt.

 

Auch Gegner der chinesischen Regierung haben sich in ihrer internationalen Pressearbeit der Hilfe professionell arbeitender PR- und Werbefirmen bedient. Als einer der heftigsten Gegner der Olympischen Spiele und als Verfechter der Prinzipien von Meinungs- und Pressefreiheit im westlichen Sinn betätigte sich sehr medienwirksam, schon weit vor den Olympischen Spielen und auf internationaler Bühne, die frz. NGO „Reporter ohne Grenzen“ (ROG). In ihrem Rechenschaftsbericht von 2007 schreibt ROG (RSF 2007): „Das Team der Agentur Saatchi & Saatchi entwickelt und realisiert alle Kommunikationskampagnen der Reporter ohne Grenzen.“

 

Mit den beiden Firmen Hill and Knowlton und Saatchi & Saatchi sind jeweils zwei der größten und wichtigsten Unternehmen der PR- und der Werbebranche angesprochen. Und bei beiden Firmen gilt es um die dichte Vernetzung mit sehr einflussreichen und etablierten Politikkreisen in verschiedenen westlichen Ländern Bescheid zu wissen.

 

Die weltweit bekannte New Yorker Werbeagentur Saatchi & Saatchi gehört zum Werbeimperium der Publicis S.A. Group, einem multinationalen Unternehmen mit Hauptsitz in Frankreich. Zur üblichen Kundschaft dieser Firma zählen Weltkonzerne wie Coca Cola, Disney, McDonald’s und Toyota, oft auch solche Kunden, die eng mit den außenpolitischen Interessen der USA verflochten sind, wie etwa der Bacardi-Konzern und nicht zuletzt die US-Armee. Maurice Lévy, Chairman von Publicis, ist nicht nur in Frankreich, sondern auch in den USA eine ungemein einflussreiche, aber im Hintergrund agierende Person des öffentlichen Lebens. Er ist unter anderem Kommandant der Ehrenlegion, war Regierungsberater im Kampf gegen Drogensucht und Berater der Banque de France. In den USA sitzt er im International Advisory Board des Council of Foreign Relations, also einem der weltweit politisch mächtigsten Gremien der Außenpolitik.

 

Die PR-Firma Hill and Knowlton gehört dem internationalen Werbeunternehmen WPP in London (wie auch Ogilvy & Mather, Young and Rubicam, Burson-Marsteller, J. Walter Thompson und die Agentur Grey), einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich von Kommunikationsdienstleistungen. Diese in den USA ansässige Firma Hill and Knowlton gehört zu den etabliertesten und exzellent vernetztesten Think Tanks im Umfeld konservativer Washingtoner Regierungskreise. So war beispielsweise Tom Hoog, Hill and Knowltons Chairman von 1996 bis 2001 und heutiger Seniorberater, Politikberater des demokratischen US-Senators Gary Hart und hatte 1984 dessen Präsidentschaftswahlkampagne geleitet, war der stellv. Agenturchef Craig Fuller zuvor Stabschef bei US-Präsident George Bush sen. gewesen und nach ihrer Zeit als General Manager des Washingtoner Büros von Hill and Knowlton war Victoria Clarke im Mai 2001 zum Assistant Secretary of Defense for Public Affairs ernannt worden. Mit Einnahmen von 177 Mio. US-$ im Jahr 2000 machte Hill and Knowlton den dritthöchsten Umsatz der Branche in den USA in diesem Jahr. Weltweit nahm die Firma im selben Jahr sogar über 300 Mio. US-$ ein. Zu ihren Kunden zählen neben der US-Regierung u. a. die Regierungen von Botswana, Uganda, Japan, Vietnam und Australien genauso wie der Klimagipfel von Kopenhagen oder Branchenriesen wie Kellogg’s, Boeing, Enron, GlaxoSmithKline, Motorola, Procter & Gamble, Reebok, Unilever und Walmart. Zu China und zur chinesischen Regierung verfügt Hill and Knowlton schon seit 1989 über enge Kontrakte, als es darum ging, Chinas Image nach dem Tianenman Square-Massaker international wieder aufzubessern.

Im weltweiten medialen Zusammenprall von Zensurvorwürfen (Reporter ohne Grenzen) und der schönsten aller bisherigen Olympiaden (Beijing Organizing Committee for the Olympic Games) stießen mit einerseits WPP (Hill and Knowlton) und andererseits Publicis (Saatchi & Saatchi) die beiden Hauptkonkurrenten um den weltweiten PR- und Werbemarkt aufeinander. Oder anders formuliert: Zwei konträre und miteinander konkurrierende Strategien der US-amerikanischen Außenpolitik gegenüber China wurden deutlich sichtbar. Oder zugespitzt formuliert: Das mediale Weltbild sowohl von der Tibetkrise als auch der Olympiade in China war das Ergebnis von zwei miteinander konkurrierenden westlichen PR-Firmen.

4. Non Governmental Organizations (NGOs)

Es kann als kommunikationswissenschaftlicher Allgemeinplatz gelten, dass eine erfolgreiche Medienwirkung nicht nach dem Prinzip des „Nürnberger Trichters“ funktionieren kann. Eine noch so klug ausgedachte Werbe- und Manipulationsstrategie, nach der bestimmte Botschaften einfach ungefiltert „von oben“ „nach unten“ durchgegeben und dort erfolgreich wirken sollen, gibt es nicht. Effektiv kann eine Medienwirkungsstrategie des agenda setting „von oben“ nur unter der Bedingung sein, dass es „unten“ eine Art soziales Widerlager gibt, das den Kommunikationsimpulsen „von oben“ (bewusst oder unbewusst) positiv, reaktiv, prosozial und reflexiv zu- und entgegenarbeitet. Bei Regierungspropaganda „von oben“ kommt diese Rolle sehr häufig NGOs „von unten“ zu. Genau sie sind es, die gegenüber dem allgemeinen Publikum die Glaubwürdigkeitslücke zwischen „oben“ und „unten“ schließen müssen. Und diese NGOs betreiben prioritär Aufmerksamkeits- und Medienarbeit für „die gute Sache“.

 

Das heißt außerdem, dass viele NGOs – entgegen einer allgemeinen Annahme – nur dem Scheine nach regierungsunabhängig sind. Ganz im Gegenteil. Viele NGOs sind aufgrund staatlicher Finanzleistungen, personeller und politischer Verflechtungen nichts anderes als staatliche Vorfeldinstitutionen, die in staatlichem Interesse handeln. Das wurde in den letzten Jahren besonders beim Engagement vieler NGOs in den sogenannten bunten Revolutionen in Osteuropa deutlich, die sich bei näherem Hinsehen alle als von der Regierung der USA finanzierte und keinesfalls autonom handelnde Gruppen heraus stellten (Becker 2006; Huber 2005). Und genau in diesem Kontext spricht die kanadische Ethnologin Mariella Pandolfi (2000) bewusst nicht mehr von NGOs, sondern von einer international agierenden „Menschenrechtsindustrie“.

 

Vor diesem politisch-theoretischen Hintergrund sind auch zahlreiche Aktionen und  Medienaktivitäten von zwei verschiedenartigen NGO-Gruppierungen im Zusammenhang mit der Tibetkrise und der chinesischen Olympiade zu sehen. Da gibt es zum einen ein stark frz. Momentum, festzumachen an der frz. NGO „Reporter ohne Grenzen“ mit ihrem Gründer und

 

Tabelle 1: Pro-tibetische und anti-chinesische Aktivitäten der National Endowment for Democracy (2007)

 

finanzielle Förderung folgender pro-tibetischer Aktivitäten und Gruppen

Gu-Chu-Sum Movement of Tibet; International Campaign for Tibet (ICT); International Tibet Support Network (ITSN); Khawa Karpo Tibet Cultural Centre Charitable Trust; Social and Resource Development Fund (SARD); Social, Economic & Cultural Development Fund
Tibetan Literacy Society; Tibet Museum; Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD); Tibetan Parliamentary and Policy Research Centre (TPPRC); Tibetan Review
Tibetan Women’s Association (TWA); Tibetan Writers Abroad PEN Center undVoice of Tibet.

 

finanzielle Förderung folgender anti-chinesischer Aktivitäten und Gruppen

American Center for International Labor Solidarity; American Federation of Teachers Educational Foundation (AFTEF); BBC World Service Trust; Beijing Spring Magazine; Beijing Zhiaixing Information Counseling Center; Center for International Private Enterprise (CIPE); Center for Modern China; China Aid Association; China Free Press; China Information Center; Democratic China; Education Rights Working Group (ERW); Foundation for China in the 21st Century; Human Rights in China (HRIC); Independent Chinese PEN Center; International Republican Institute; Laogai Research Foundation; Open Magazine Publishing; Reporters Without Borders; Southern Mongolia Human Rights Information Center (SMHRIC); Yirenping Information and Counseling Center; Civic Exchange; Hong Kong Human Rights Monitor.

 

 

langjährigen Präsidenten Robert Ménard und ein weitaus stärkeres US-amerikanisches Momentum, festzumachen an der US-amerikanischen Finanzierung des Daila Lama und unzähliger exiltibetischer NGOs.          

Seit 2005 fanden an verschiedenen Orten der Welt (u. a. Brüssel, New Delhi, Dharamsala) mehrere „International Tibet Support Groups Conferences“ statt. Finanziert mit staatlichen und halbstaatlichen Mitteln aus den USA und Deutschland ging es auf diesen Konferenzen um folgende Themen: Koordination und Kooperation aller verschiedenen Tibet-NGOs, strategischer Wechsel von der Forderung einer Autonomie zu einer Unabhängigkeit Tibets und Vorbereitung von Aktionen und Medienkampagnen gegen die Olympiade in Beijing. Von herausragender Bedeutung war bei diesen Treffen die Gründung von zwei anti-chinesischen Dachorganisationen, nämlich das Support Team Tibet / National Olympic Commission (NOC) Tibet und das Tibetan People’s Uprising Movement. 

Wenn man sich die politischen und finanziellen Förderer dieser vielen exiltibetischen NGOs näher ansieht, bewegt man sich immer weiter von irgendwelchen kleinen Grasswurzelbewegungen weg und hin in Richtung auf die großen Akteure der US-amerikanischen Außenpolitik gegenüber China. Hier fallen dann Namen wie die des Mehrfachmilliardärs und Unternehmers George Soros, von Carl Gershman,  Chairman der National Endowment for Democracy oder von der stellv. US-Außenministerin (und führendem Mitglied im Project for the New American Century) Paula Dobrianski, die sich 2007 in Dharamsala mit führenden Tibet-Aktivisten traf. Tabelle 2 zeigt die offiziellen staatlichen Finanzmittel der USA, die in die Unterstützung der vielen Tibet-NGOs eingeflossen sind. Zwei Sachverhalte sollen hier betont werden. Erstens: Mit zeitlich gut überlegtem Vorlauf zur Olympiade 2008 beginnt die finanzielle Förderung ab dem Finanzjahr

Tabelle 2: Ausgewählte US-amerikanische Finanzhilfen an China in 1.000 US-Dollar (2000 – 2006)

 


 

2003. Zweitens: Die Jahresgesamtsumme zur Förderung exiltibetischer NGOs beträgt rund 4 Mio. US-$ pro Jahr.  

 

Von den zahlreichen Aktionen und höchst professionellen Medienkampagnen der exiltibetischen NGOs im Vorfeld der Olympiade soll hier nur kurz auf die Aktivitäten des in Wien lebenden Lobsang Yeshi (ehemaliger Präsident des Tibetan Youth Congress) eingegangen werden. Mit der Dachorganisation Support Team Tibet inszenierte er 2007 einen medial perfekten Coup: Mehrere exiltibetische Organisationen formten ein quasi fiktives „Tibetisches Olympisches Komitee“, das es sich zum Ziel gemacht hatte, die Teilnahme Tibets an den Spielen in China durchzusetzen. Völlig utopisch, da nur anerkannte Staaten teilnehmen dürfen, aber in Sachen Medienrezeption sehr effektiv. Neben Lobsang Yeshi war für dieses Medienprojekt der Tibeter Wangpo Tethong verantwortlich, der noch Anfang der neunziger Jahre Mitarbeiter der grünen Bundestagsabgeordneten Petra Kelly war. Wangpo Tethong ist inzwischen Mitarbeiter der Schweizer Firma Kampagnenforum in Zürich, die für NGOs (z. B. Greenpeace) professionell Kampagnen organisiert und durchführt. Wie professionell die Medienarbeit der verschiedenen exiltibetischen NGOs ist, zeigt u. a. auch der Einsatz von Schauspielern, die auf Pressefotos polizeiliche Gewalt in Tibet drastisch nachahmen, um sie so dem Publikum nahe zu bringen.

 

Neben der Gruppe der von den USA finanzierten NGOs fällt als weitere gegen China und die Olympiade arbeitende NGO die frz. Gruppierung „Reporter ohne Grenzen“ (RoG) auf. Auch diese NGO arbeitet weitaus intensiver mit Regierungen zusammen zu vermuten ist und als sie selbst publiziert. Zu ihren Finanziers gehören u. a. der Mehrfachmilliardär George Soros, die National Endowment for Democracy (NED), die französische Regierung und die EU-Kommission. Der von der NED an RoG 2007 zur Verfügung gestellte Finanzbetrag gilt explizit Medienaktivitäten gegen China. 2007 widmete sich RoG schwerpunktmäßig dem Thema Internetzensur in China, nannte die VR China das weltweit größte „Gefängnis für Cyber-Dissidenten“ und startete speziell wegen der Olympiade eine weltweit große Kampagne gegen China, in der sie die chinesische Regierung in neun Punkten aufforderte, auf jegliche Internetzensur zu verzichten. Robert Ménard, Gründer und (bis vor kurzem) Präsident von „Reporter ohne Grenzen“ ist eine politisch durchwegs einflussreiche Persönlichkeit. Bei einem Treffen mit dem frz. Außenminister Bernard Kouchner im August 2007 sichert ihm dieser seine Unterstützung in den gegen China gerichteten Aktivitäten zu. Im April 2008 besuchte der frz. Außenminister den Deutschen Bundestag genau an dem Tag, an dem das deutsche Parlament eine Plenardiskussion über weltweite Internetzensur führte; während dieser Diskussion bezogen sich mehrere Abgeordnete mehrfach auf Analysen von RoG.

 

Auch wenn selbstverständlich darüber, wie PR-Firmen internationale Politik und internationale Medienbeziehungen zunehmend beeinflussen und möglicherweise sogar dominant prägen zukünftig eine Vielzahl von Forschungsarbeiten (vgl. Cowan/Cull 2008) nötig sein werden, so gilt es aber im Vergleich zu den höchst kontroversen Debatten um die Internationale Neue Informationsordnung (NIIO) in der UNESCO der siebziger und achtziger Jahre einen markanten Unterschied festzuhalten. Ging es damals vornehmlich um die Weltmachtdominanz von nur fünf global arbeitenden Pressenachrichtenagenturen, so haben deren Position inzwischen nur wenige global arbeitende PR-Firmen übernommen. In nur dreißig Jahren hat sich die internationale medienimperialistische Dynamik und Spirale um entscheidende weitere Drehungen kommerzialisiert. Mit dieser Kommerzialisierung geht ein Prozess von Privatisierung einher, der den internationalen Raum von Öffentlichkeit zutiefst intransparent macht.   

 

Literatur

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Becker, Jörg und Beham, Mira (2008): Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod. Mit einem Vorwort von Norman Paech. 2. Aufl., Baden-Baden: Nomos-Verlag.

 

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N. N. (2008): Materials on the March 14 Incident in Tibet. Vol. I, Beijing: Foreign Languages Press.

 

Oberlander, Christian (2008): Die Darstellung der Unruhen in Lhasa vom 14.03.2008 in den chinesischen Medien am Beispiel der Tageszeitungen Renmin Ribao, Nanfang Dushi Bao und Wen Wei Po, BA-Arbeit am Institut für Sinologie der Universität Würzburg [mimeo].

 

Pandolfi, Mariella (2000): L’industrie humanitaire: une souveraineté mouvante et supracoloniale. Réflexion sur l’expérience des Balkans, in: Multitudes. Une revue trimestrielle, politique, artistique et culturelle, Nr. 3/2000, S. 97-105. 

 

(RsF) Reporter sans Frontières (2007): Structure des charges et des produits; 12. Juni 2007

Schell, Orville (1998): Virtual Tibet: Searching for Shangri-La from the Himalayas to Hollywood, New York: Harper’s.

Schmidt, Helmut (2008): Wir sehen China ganz falsch, in: Solinger Tageblatt, 11. April 2008, S. 4-5.

Steinberger, Karin (2008): Die Geister, die keiner ruft. Tibet fasziniert den Westen. Aber jenseits der Klischees geht eine uralte Kultur zugrunde. Eine Begegnung mit Wiedergeborenen und anderen Heiligen, in: Süddeutsche Zeitung, 9.-10. August 2008, S. III.

Tan, Yuan (2007): Der Chinese in der deutschen Literatur, Göttingen: Cuvillier.  

Trimondi, Victoria und Trimondi, Victor (2002): Hitler – Buddha – Krishna. Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute, Wien: Ueberreuter.

Vollmer, Antje (2008): Droht der nächste kalte Krieg? In der Tibetkrise schwelt ein globaler Konflikt mit China, den keiner verhindern will, in: Süddeutsche Zeitung, 15. April 2008, S. 15.

Wisnewski, Gerhard (2009): Das kritische Jahrbuch. Verheimlicht – vertuscht – vergessen. Was 2008 nicht in der Zeitung stand, München: Knaur.

Zubayr, Camille und Gerhard, Heinz (2008): Olympia 2008 im Fernsehen, in: Media Perspektiven, Nr. 10/2008, S. 494-501.

j-becker_07-1.jpg* Prof. Dr. Jörg Becker

 

Honorarprofessor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Marburg, Gastprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, Österreich, und Geschäftsführer des KomTech-Instituts für Kommunikations- und Technologieforschung in Solingen ( Nachrichtwww.komtech.org ). Zwischen 2002 und 2006 Gastprofessor an der Hong Kong Baptist University und der American University in Beirut.

 

Geboren am 17. September 1946 in Bielefeld, Studium der Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik in Marburg, Bern und Tübingen; 1977 Promotion, 1981 Habilitation, 1987 Ernennung zum Honorarprofessor an der Universität Marburg; Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von 1987 bis 1992.

 

Arbeitsgebiete: Internationale, vergleichende und deutsche Kommunikations-, Medien- und Kulturforschung, Technologiefolgenabschätzung und Friedensforschung; dazu zahlreiche Veröffentlichungen in mehr als zehn Sprachen.

 

Neuere Veröffentlichungen: (Hg.) Türkische Medienkultur in Deutschland. 3 Bde., Loccum: Evangelische Akademie Loccum 2000-2003; (Hg.) Wege des Wasserbüffels. Kunst, Kultur und Medien in Vietnam, Iserlohn: Evangelische Akademie Iserlohn 2002; (Hg.) Medien zwischen Krieg und Frieden, Baden-Baden: Nomos Verlag 2002; Information und Gesellschaft, Wien: Wissenschaftlicher Verlag Springer 2002; Conflict and Communication, New Delhi: Concept 2005; Operation Balkan. Werbung für Krieg und Tod, Baden-Baden: Nomos 2006 (2. Aufl. 2008).

 

© By Jörg Becker. Stand: August 2009.

[1] Ich danke meinen Marburger und Innsbrucker Studenten Steffen Arora, Carmen Döring, Lorenz Götsch, Martin Hartlieb, Sabrina Hofer, Konrad Lais, Nikolaus Noll, Tobias Schwarz und Nedeljko Vuckovic für sehr zeitauf-wendige und arbeitsintensive Recherchen über die intransparente Welt US-amerikanischer Stiftungen und internationaler PR-Agenturen. Ohne ihre Vorarbeiten hätte ich diese Analyse nicht schreiben können. 

[2] Die Berichterstattung der chinesischen Zeitungen über die Unruhen in Tibet waren übrigens sehr viel differenzierter als es das allgemeine anti-kommunistische Vorteil wahrhaben will. Wie der Sinologe Christian Oberlander in seiner BA-Arbeit über die Darstellung der Unruhen in Lhasa in den chinesischen Zeitungen Renmin Ribao, Nanfang Dushi Ba und Wen Wei Po en detail zeigt, berichteten diese Zeitungen recht unterschiedlich über die Unruhen in Tibet. Abschließend heißt es bei ihm, dass „zeitlich unmittelbar nach den Ereignissen ein relativ großes Maß an redaktioneller Freiheit herrschte“ (27) und „dass die Sicht des Westens auf die chinesischen Medien überdacht werden müsse“ (28): „So existieren Pluralismus und Kontrolle, Freiräume und Zensur gleichzeitig nebeneinander.“ (28)       

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 29. Oktober 2009 )
 
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